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Forschung: Umweltgifte bei Müttern und Kindern

27.10.2012 | 18:02 |  von Sonja Burger (Die Presse)

Es gibt große Unterschiede bei der Schadstoffbelastung zwischen Wien und Bratislava. Bei dem gemeinsamen Forschungsprojekt Um-MuKi wurden Ursachen dafür gefunden. Ein Zusammenhang war die Wohnsituation.

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Viele Frauen achten während ihrer Schwangerschaft und Stillzeit besonders auf ihre Ernährung, um sich selbst und ihr ungeborenes Baby mit den richtigen Nährstoffen zu versorgen. Die Nahrungsaufnahme ist neben Luft und Wasser aber auch ein Aufnahmepfad für verschiedene Umweltschadstoffe wie etwa Methylquecksilber. Ob und in welcher Konzentration sich dieses Schwermetall auch im Blut von Neugeborenen nachweisen lässt, war eine der Kernfragen, auf die man im dreijährigen Projekt „Umwelt-Mutter-Kind“ (Um-MuKi) nach Antworten suchte.

Das Umweltbundesamt und das Institut für Medizinische Genetik der Med-Uni Wien arbeiteten dabei eng mit dem genetischen Labor Medgene in der Slowakei zusammen. Bei dem von der EU geförderten Kooperationsprojekt spielten regionale Unterschiede zwischen Wien und Bratislava eine zentrale Rolle und sollten helfen, die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Lebensgewohnheiten und Schadstoffbelastung besser zu verstehen. Durch die Kombination unterschiedlicher Methoden konnten die Forscher nicht nur die gegenwärtige Belastungssituation von 200 Mutter-Kind-Paaren analysieren, sondern auch mögliche Ursachen ausfindig machen. Das Projekt lieferte somit erste Daten über die Belastung von Schwangeren und Ungeborenen mit Blei, Quecksilber, Bisphenol A und perfluorierten Tensiden. Zusätzlich wurden Blutproben von Neugeborenen auf Methylquecksilber untersucht. Die größte Überraschung dabei: Obwohl Wien und Bratislava nicht einmal 60 Kilometer voneinander entfernt sind, gab es große Unterschiede bei der Schadstoffbelastung.

Methylquecksilber ist eine organische Quecksilberverbindung und hochgiftig. Der Mensch nimmt es hauptsächlich über den Verzehr von fettreichem Raubfisch – etwa Makrelen, Barschen, Hechten oder Thunfischen – auf. Während der Schwangerschaft gelangt die Substanz auch in den Organismus des Ungeborenen: Wegen seiner Fettlöslichkeit passiert Methylquecksilber sowohl die Plazenta- als auch die Blut-Hirn-Schranke. „Ab welchem Wert es zu Schädigungen kommen kann, ist allerdings fraglich, da die Datenlage dazu noch sehr widersprüchlich ist“, erklärte Claudia Gundacker (Med-Uni Wien) bei einem Symposium in der Vorwoche, auf dem die Projektergebnisse präsentiert wurden. Besonders überrascht hat die beteiligten Forscher, dass die regionalen Unterschiede hinsichtlich der Belastung mit Methylquecksilber sehr groß sind. Der Vergleich der Konzentration von Methylquecksilber bei 40 Mutter-Kind-Paaren aus Wien und Bratislava zeigte: Die Blutproben aus Wien waren wesentlich stärker belastet als jene aus Bratislava. Warum? „Eine Hauptursache liegt offenbar beim Fischkonsum. Die Studienteilnehmerinnen aus Wien aßen deutlich mehr Fisch pro Woche als jene in Bratislava“, erklärte Monika Denner vom Umweltbundesamt. Dieser Zusammenhang war besonders stark ausgeprägt, weshalb die Experten empfehlen, dass Schwangere zu Fischarten mit minimaler Quecksilberbelastung und hohem Nährstoffgehalt (z.B. Lachs, Hering, Forelle) greifen sollten. Die Zahl der Amalgamplomben hatte übrigens keinen signifikanten Zusammenhang mit der Blutkonzentration.

Wurden perfluorierte Tenside oder Bisphenol A im Mutterblut nachgewiesen, dann war auch das Nabelschnurblut belastet. Das deutet darauf hin, dass diese Substanzen ebenfalls die Plazentaschranke überwinden können.


Alte Bleirohre. Auch der Vergleich zwischen Wien und Bratislava in puncto Bleibelastung sorgte für Überraschungen. Denn die Bleigehalte waren in Wien höher als in Bratislava. Ein Zusammenhang, der den Forschern besonders ins Auge stach, war die Wohnsituation. Vor allem jene Wienerinnen, die in Altbauten wohnten, die vor 1945 erbaut wurden, wiesen eine erhöhte Bleikonzentration im Blut auf. Dies führten die Experten auf die noch recht weit verbreiteten Bleirohre zurück. Aber auch das Alter spielte bei dieser Gruppe eine Rolle. „Für Blei werden derzeit Referenzwerte abgeleitet. Eine Risikobewertung ist entsprechend schwierig“, sagte die Projektleiterin Maria Uhl vom Umweltbundesamt.

Abgesehen von den Umwelteinflüssen und Lebensbedingungen wurde bei Um-MuKi gefragt, warum manche Menschen besonders empfindlich auf Schadstoffe reagieren und andere weniger. Der genetische Hintergrund könnte hier wichtige Zusammenhänge aufzeigen. „Zum Einfluss des genetischen Hintergrunds auf den Schadstoffstoffwechsel gibt es zwar vorläufige Ergebnisse“, erklärte Martin Gencik von Medgene – „für eine Interpretation ist es jedoch noch zu früh.“

LEXIKON

Human-Biomonitoring ist ein Warnsystem für Umwelt und Gesundheit und basiert auf der tatsächlichen Schadstoffbelastung der Menschen. Während es in Deutschland oder den USA bereits Human-Biomonitoring-Programme gibt, fehlt ein solches bislang in Österreich. In der Slowakei werden immerhin schon bestimmte Risikogruppen untersucht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2012)

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22 Kommentare

Noch immer Bleirohre in Wiener Wohnungen???

Es ist schwer nachzuvollziehen, dass auf der einen Seite in diesem Land für teure Intensivmedizin im letzten Lebensabschnitt das Geld oft ohne Sinn verwendet wird, und auf der Vorsorgeseite, insbesondere bei der Ernährung, der Reduktion des Feinstaubgehaltes in der Luft schlicht nichts getan wird. Dass es noch immer Bleirohre in Wiener Wohnungen gibt, ist schlicht skandalös. Da wird man sich darauf hinausreden, dass die teilweise verkalkt sind - aber wenn dann erhöhte Bleiwerte im Menschen nachgewiesen werden, dann besteht Handlungsbedarf.

Gast: Dodododo
01.11.2012 14:58
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Erwacht euch:

Nicht Bratislava, sondern Preßburg.
Wie in einer französischen Zeitung steht nie Wien, sondern Vienne.

Gast: gast55
30.10.2012 23:55
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Umweltgifte bei Müttern und Kindern

und was ist mit männern??

das ist sexuelle diskriminierung, entspricht aber der gesetzgebung - bei männern ist e segal, auch was das arbeiten mit gefährlichen stoffen angeht

Sinnlose Studie auf Kosten des Steuerzahlers!

Man sollte sich generell Gedanken darüber machen was, wo, von wem, warum, wie verpackt etc. einkauft?
Da fängt es eigentlich an!
Jeder muss einkaufen aus verschiedenen Gründen!
Fangen wir bei den so tollen Lebensmitteln an.
Alles (besonders Getränke) wunderschön verpackt in Kunststoff wie "Bisphenol A" schon seit Jahren bekannt, dass es giftig ist.
Die Frage zu dieser etwas merkwürdigen Studie ist:
Was soll sie bringen: Ob das Kind im Mutterleib oder dann halt außerhalb des Mutterleibs vergiftet wird.
Interessant wird es dann wenn man diese Studie nicht an verschiedenen Orten durchführen würde sondern vielleicht nur in Wien, aber in verschiedenen sozialen Schichten der Bevölkerung --> was dann sicher ein interessanteres Ergebnis liefern könnte

Gast: Genauer
28.10.2012 10:37
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Ganz weit hinten liest man


dass Wien schlechter dasteht als Bratislava´ind seine bewohner vergiftet.

Gast: Stiefmütterchen
28.10.2012 08:20
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Nur zum schämen

Es ist eine Schande. Wien hat das beste Leitungswasser aller Großstädte und vergiftet dieses herrliche Wasser mit Blei.

Antworten Gast: Keine Schande!
28.10.2012 11:30
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Re: Nur zum schämen

Nicht Wien vergiftet den, sondern in alten Häusern wird er durch alte Bleirohre vergiftet, im öffentlichen Netz gibt es schon lange keine Bleirohre mehr.

Und die Probleme werden noch einige Jahrzehnte bestehen, Blei hat die wunderbare Eigenschaft das derartige Rohe ziemlich unverwüstlich sind, für die Hausbesitzer gibt es daher keine technischen Grund diese Auszutauschen, der Umtausch kann auch nicht erzwungen werden weil bei dem Bestand die Aufforderung besteht das Wasser 5min laufen zu lassen vor dem Genuß, damit fallen die Werte unter den zulässigen Grenzwert.

Offensichtlich halten sich eben die wenigsten daran, und gerade bei Müttern kommt es dann zu einer Anreicherung die nicht mehr wirklich gesund ist.

Bleibt halt auch die Frage ob die Sanierung im öffentlichen Interesse ist oder nicht, bisher war sie es nicht, ...

Gast: Glaubnyx
27.10.2012 20:15
1 0

Diese pösen Fische

Diese stehen an der letzten Stelle der Nahrungskette vor dem Menschen und ahben das Zeug angereichert. Vielleicht sollte man bei der Fischempfehlung wegen der Glyceride gleich auch auf das Quecksilber und andere Gifte hinweisen. d.h. das Fisch aus verseuchtem Meer und das sind fast alle nicht gesund sondern das Gegenteil ist.

Re: Diese pösen Fische

Aus modischen Gründen ("Sushimanie") hält man hierzulande z.B.Thunfische für einen hervorragenden Speisefisch.
Gerade das Gegenteil ist der Fall, nicht einmal die Chinesen essen ihn ("sonst gäbe es ihn ohnehin schon längst nicht mehr).
Und er ist, wie alle Fische ganz oben in der Nahrungskette, ein hochbelasteter Fisch. Richtiggehend giftig.

Gast: Bleibelastung...
27.10.2012 20:06
2 1

Die Lösung wäre sehr einfach...

Das bei den betroffenen Häuser in der obersten Wohnung ein Mindestfluß hergestellt wird der direkt ins Abwasser mündet, alleine mit der Maßnahme wäre viel gewonnen, wie hoch diese sein sollte, wahrscheinlich genügen 10ml/min, wichtig ist nur das es nicht seht!

Der Zusammenhang Hg/Fisch/Wien verwundert nicht, auffällig im Artikel ist, das nur das hervorgehoben wird, wo Wien schlecht abschneidet, es würde mich aber sehr verwundern wenn die Kleinkinder in Wien nicht doch um einiges Gesünder sind als in Bratislava!

431.192 EW mit 1.731.236 EW vergleichen ist der Faktor 4 und sicher auch als problematisch zu sehen!

Re: Die Lösung wäre sehr einfach...

Deutsch für Inländer

Antworten Antworten Gast: Hast Mama gefragt?
28.10.2012 11:36
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Re: Re: Die Lösung wäre sehr einfach...

Wundert mich das Eltern ihre Rechtschreibtaliban unbeaufsichtigt an den Computer lassen!

Kinder in dem Alter sollten besser mit Puppen spielen als mit PCs - beim Diskonter gibt's momentan Bauklötze zum Diskontpreis die für dieses Alter sicher auch besser geeignet sind als der PC!

Re: Re: Re: Die Lösung wäre sehr einfach...

Und die von ihnen angesprochenen Bausteine vom Pissconter sind sicher auch schadstoffarm hergestellt und im Plastik-Sakko zu haben, von Kinderhand gefertigt und passt dann ganz gut zu dem angesprochenen Thema!

Gast: gitti
27.10.2012 19:45
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die quecksilbergiftlampen?


Antworten Gast: toro
29.10.2012 09:26
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Re: die quecksilbergiftlampen?

Nein.
Fischstäbchen.

Methylquecksilber =/ Quecksilber

Antworten Antworten Gast: brt
29.10.2012 21:36
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Re: Re: die quecksilbergiftlampen?

am ende landet jedes quecksilber in den fischen.
natürlich auch das aus den giftlampen.

in den fischen ist aller dreck den wir ins meer lassen, auch das viele plastik, fleece, nanobeschichtungen, radioaktive substanzen, blei, öl ...
denkens dran wenn sie statt einem lammfell ein microplüschjackerl ausbeuteln.
wir essen das. wir müssen das dann essen. weil dieser dreck ist überall.

Antworten Gast: besucherin
28.10.2012 02:58
1 0

Re: die quecksilbergiftlampen?

knapp daneben ist auch vorbei - methylquecksilber und quecksilber sind unterschiedliche substanzen; methylquecksilber stammt nicht aus energiesparlampen und würde im körper andere reaktionen auslösen als quecksilber. definitiv ist lange bekannt dass in meeresfisch hohe werte davon zu finden sind und daher wird von diversen ernährungsorganisationen seit jahren für kranke, schwangere und stillende vom verzehr abgeraten - besonders von thunfisch, steht auch auf wikipedia.

Antworten Antworten Gast: muraene
28.10.2012 11:46
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Re: Re: die quecksilbergiftlampen?

methylquecksilber und quecksilber sind unterschiedliche substanzen;

Aha, und? Gift ist Gift und Meeresfisch muss ich ja nicht haben im Gegensatz zu Wasser und Glühlampen.

Antworten Antworten Antworten Gast: toro
29.10.2012 10:54
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Re: Re: Re: die quecksilbergiftlampen?

ein bisserl Eigenverantwortung: LED-Lampen kaufen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: muraene
29.10.2012 18:03
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Re: Re: Re: Re: die quecksilbergiftlampen?

Wenn man es sich leisten kann.Werden aber auch einmal billiger. Bis dahin habe ich aber noch einen schönen Vorrat von den jetzt verbotenen. Ätsch!

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Re: die quecksilbergiftlampen?

Sowieso - zumindest: auch. Aber ich denke, diese Frage dürfen Forscher, die weiterhin Gelder bekommen wollen, nicht stellen.

Antworten Gast: Methylquecksilber
27.10.2012 20:59
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Re: die quecksilbergiftlampen?

Aus Hg von den Lampen Methylquecksilber machen, unter den im Haushalt üblichen Reaktionsbedienungen, bitte in Oslo melden Zwecks Nobelpreis für Chemie!