Menschen: Viele Mutationen in 10.000 Jahren

28.11.2012 | 17:02 |   (Die Presse)

Bei Amerikanern europäischer Abstammung sind schädliche Mutationen häufiger, weil der Selektionsdruck dort geringer war.

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Die durchschnittliche Intelligenz der Menschen schwinde: Mit dieser Behauptung sorgte der US-Biologe Gerald Crabtree vor Kurzem für Aufsehen. Sein Argument war simpel: Bei Jägern und Sammlern sei Intelligenz wichtig fürs Überleben (und damit für die Chance, seine Gene weiterzugeben) gewesen; nur die Klügsten hätten überlebt. Dieser Selektionsdruck sei durch die Sesshaftigkeit weggefallen.

Gegenargumente liegen nahe: Auch im urbanen Dschungel ist Intelligenz gefragt, in der sexuellen Selektion, sprich: in der Partnerwahl, sowieso.

In einer viel eher ernst zu nehmenden Arbeit, die nun in Nature (online 29. 11.) erscheint, geht es ebenfalls darum, welche Evolution sich in der Art Homo sapiens in jüngerer Zeit abgespielt hat. Genetiker um Joshua Akey haben Gene von über 6000 Amerikanern analysiert, sie stellen fest: In den letzten 5000 bis 10.000 Jahren haben sich erstaunlich viele Mutationen in den Genpool geschlichen. 73 Prozent aller Mutationen in nur einer Base eines Gens sind in dieser Zeit entstanden und gar 86 Prozent aller schädlichen (also etwa Krankheiten begünstigenden) Ein-Basen-Mutationen in proteinbildenden Genen!

Der Selektionsdruck zählt

Interessant ist ein Unterschied zwischen Populationen: Menschen mit europäischer Abstammung haben deutlich mehr nachteilige Mutationen in essenziellen Genen als Menschen afrikanischer Abstammung. Das erklären die Autoren mit der für Biologen eigentümlichen Nüchternheit durch „weaker purifying selection“. Was schlicht bedeutet, dass sich schädliche Mutationen in Europa eher im Genpool gehalten haben, weil dort der Selektionsdruck geringer war, sprich: Individuen konnten – durch günstigere Umweltbedingungen – trotz dieser Mutationen überleben und Nachkommen zeugen.

Insgesamt hat die Art Homo sapiens in historischer Zeit ihre genetische Variabilität deutlich erhöht. Das bringt gewiss, wie die Genetiker schreiben, einen „larger burden of Mendelian disorders“, eine größere Last von monogenetischen (nur durch Mutation eines Gens ausgelösten) Erbkrankheiten. Aber man darf es nicht nur pessimistisch sehen: Etliche Mutationen können sich auch als – bei bestimmten Umweltbedingungen – vorteilhaft erweisen. Ein klassisches Beispiel: Mutationen, die Gene des Immunsystems so verändern, dass dieses besser gegen Krankheitserreger gerüstet ist. Solche Mutationen setzen sich bei einer Seuche sehr schnell durch. So hat die Pest, aber auch Aids den Genpool der Menschen deutlich beeinflusst. tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2012)

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17 Kommentare

Kommentar

Jeder Kommentator reitet sein Steckenpferd, heraus kommt nur Unsinn. Die Evolution ist keine Sache von 10.000 Jahren und Statistiken über zu kurze Zeiträume sagen bekanntlich nichts aus. Jemand hat trotzdem (Quatsch) publiziert und jeder versteht das, was er verstehen will. Guten Abend miteinander.

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Re: Kommentar

Evolution fangt nicht plötzlich nach 10,001 Jahren an zu wirken. Allelfrequenzen verschieben sich jede Generation, neue Allele kommen dazu und alte sterben aus. Im Großen und Ganzen gibts natürlich keine spektakulären Veränderungen, populationsgenetisch tut sich aber einiges (siehe Artikel)

Genetik überbewertet.....

Dass die weiße "Rasse" in ihrer Gesamtheit Gefahr läuft zu verweichlichen, ist allgemein bekannt.
Die moderne Medizin (Pille) hat große moralische Auswirkungen auf die "weiße" Jugend.
Bei den Asiaten und Vorderasiaten ist es noch immer fast selbstverständlich, wenn Frauen, die heiraten noch Jungfrauen sind.
Die Nachkommenschaft ist auch dementsprechend höher.

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Höhere Anpassungsfähigkeit = höhere Krankheitsanfälligkeit

Klingt komisch, ist aber so. Ausgenommen bei jenen auserwählten Geschöpfen die vom Intelligenten Designer als Zeichen seiner Gnade und Liebe ein zukunftssicheres Genom verliehen bekommen haben, und die daher anders als die gewöhnlichen Erdlinge nicht mehr auf zufällige Mutationen zur Anpassung an eine unvorhersehbare Zukunft angewiesen sind.

Re: Höhere Anpassungsfähigkeit = höhere Krankheitsanfälligkeit

Höhere Anpassungsfähigkeit = höhere Krankheitsanfälligkeit - Warum?

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Re: Re: Höhere Anpassungsfähigkeit = höhere Krankheitsanfälligkeit

Wegen dem Trial&Error-Ansatz der Evolution: viel Versuch = viel Irrtum, sprich viel Krankheit.

Natürlich gilt auch viel Versuch = viel Erfolg, aber wer das schon mal' ausprobiert hat weiß dass es bei der Entdeckung von etwas Neuem mehr Irrtümer als Erfolge gibt.

Es bleiben halt nur die Erfolge übrig, und von den Irrtümern spricht man eher wenig, man könnte daher meinen dass die Anpassungsfähigkeit irgendwie mit magisch-allwissendem Vorausblick zu tun hätte. Hat sie aber nicht.

Re: Re: Re: Höhere Anpassungsfähigkeit = höhere Krankheitsanfälligkeit

Damit ist dann nicht das einzelne Individuum krankheitsanfälliger, möglicherweise gibt es aber mehr Gendefekte.

Der Vorteil der Anpassungsfähigkeit zeigt sich erst, wenn sich die äußeren Einflüsse, die Umweltbedingungen (schnell) ändern. Wenn zB neue oder mutierte Viren entstehen ...

Beides geht nicht, da haben Sie natürlich recht.

"Gegenargumente liegen nahe"

"Auch im urbanen Dschungel ist Intelligenz gefragt, in der sexuellen Selektion, sprich: in der Partnerwahl, sowieso."

Hat irgendwie nichts mit der Realität zu tun. Am Ende findet praktisch jeder irgendeinen Partner und pflanzt sich fort. Gerade das österreichische System, das Gebildete und Erfolgreiche bestraft und Unterschichten dazu ermutigt, sich absolut unkontrolliert und rücksichtslos fortzupflanzen, auch wenn diese sich nicht mal selbst ohne Hilfe des Staates über Wasser halten könnten (weil geistig degeneriert), begünstigt diese negative Tatsache auch noch.

Man braucht sich nur umzusehen... gebildete Familien haben kaum noch Kinder (aus diversen Gründen: man will den Kindern gewisse Standards bieten und das Gehalt der Eltern wird nunmal unter allen aufgeteilt; es gibt großen Druck auf Frauen, ja nicht zuhause zu bleiben und Kinder zu bekommen sondern um jeden Preis Karriere zu machen, damit sie sich vermeintlich selbst verwirklichen und unabhängig sein können; etc.) während Unterschichten schon mit 16-19 ihre ersten Kinder bekommen und danach auch noch weitermachen, da jedes Kind Sozialhilfe bringt.

Noch etwas @Originalzitat:
Männer nehmen, wenn sie können, im Zweifelsfall die am besten aussehendste Frau. Dieses Blabla von wegen man würde nach den inneren Werten aussuchen ist Augenauswischerei, wenn man es nicht hinbekommt.
Frauen nehmen den Mann, von dem sie sich erwarten, am besten vor anderen Frauen angeben zu können. Sprich: Selbstdarsteller.

Intelligenz? Nein.

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Re: "Gegenargumente liegen nahe"

Tut mir leid, aber die "Gebildeten" bestrafen sich schon selber. Wenn sie nicht fähig sind ihr angelerntes Theoriewissen über Evolution in die Praxis umzusetzen, war es ohnehin nur eine Halbbildung, und rein Fitnessmaßig gesehen der Verlust nicht sehr groß.

Alles spielt zusammen

Es ist ganz einfach. Der Mensch rottet sich langsam selbst aus. Nicht etwa durch Krieg oder Umweltverschmutzung.
Zum einen dadurch, dass viele Krankheiten, die man ohne Behandlung nicht überleben kann, geheilt werden, sich die betroffenen Menschen fortpflanzen und so ihr krankheitsanfälliges Erbgut weitergeben können. Sehen Sie sich nur einmal um: fast jeder Mensch ist irgendwie krank. Die meisten haben Allergien, die (ich glaube) häufigste Todesursache ist Krebs, Hautkrankheiten wie Neurodermitis sind weit verbreitet. Und nicht nur, dass man überlebensunfähige Menschen züchtet ist der Umgang mit Krankheiten auch zweifelhaft. Bei jeder kleinsten Erkältung werden Antibiotika verschrieben, die von den Patienten oft nicht vorschriftsmäßig eingenommen werden und sich so resistente Bakterien entwickeln…

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Re: Alles spielt zusammen

Geringere Kindersterblichkeit, längeres Leben, größere Individuenzahlen, höhere genetische Diversität - das alles sind Anzeichen für gesunde Populationen. Krebs, Allergien etc. sind Erkrankungen, die kaum jemanden an der Fortpflanzung hindern. Wenn wir uns ausrotten dann sicher durch Krieg und Umweltverschmutzung und nicht durch Mangel an Eugenik.

Bei den Antibiotika geb ich Ihnen recht, allerdings wird zumindest in den meisten "westlichen" Ländern längst nicht mehr so sorglos damit umgegangen wie früher.

Re: Alles spielt zusammen

…Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich die Menschheit langsam aber sicher selbst umbringt (was man ja eigentlich gar nicht ansprechen darf ohne gesteinigt zu werden) ist diese aufgezwungene Gleichbehandlung von Mann und Frau. Frauen und Männer sind verschieden, aber gleichwertig! und sollten sich ihrer Natur gemäß verhalten dürfen. Frauen werden von der Gesellschaft dazu gezwungen ganztags zu arbeiten, wenn eine sagt sie möchte aber lieber Kinder kriegen und weniger arbeiten, wird sie beschimpft. Andersherum bei Männern. Sie werden bei der Jobsuche benachteiligt, obwohl es eigentlich in ihrer Natur liegt die Familie größtenteils versorgen, was es für Frauen eben unmöglich macht sich auf den Nachwuchs zu konzentrieren, was wieder darin resultiert, dass die Geburtenrate sinkt.
Der Mensch tut sich eigentlich nichts Gutes, obwohl er es nur eben so meint. Aber ich bin mir sicher dass er in wenigen Generationen entweder wieder zu Vernunft gekommen ist, oder der Großteil der Menschheit ausgestorben ist, und der Rest neu anfangen kann (wie bei der Pest)

Re: Re: Alles spielt zusammen

Das Jammern über die geringe Geburtenrte in Europa erscheint nicht berechtigt, da sich die Menschheit insgesamt weiter vermehrt.
Für die Menschheit insgesamt ist das Verhältnis Europäer zu Asiaten und Afrikanern völlig irrelevant.

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Wir Europäer stellen maximal 8% der Weltbevölkerung..

... und vermehren uns schwächlich. Würden wir uns proportional in gleichem Maße wie der überwältigende Teil der Weltbevölkerung fortpflanzen, würden wir bloß noch schneller auf die drohende Selbstvernichtungskatastrophe zusteuern. Da es kein humanes, für alle akzeptables Mittel gibt, die ungeheuren Zuwächse (1 Million Menschen zusätzlich alle 3 Tage, die Verstorbenen bereits abgerechnet) einzudämmen, geschieht vorerst - nichts.

Re: Wir Europäer stellen maximal 8% der Weltbevölkerung..

Ja, sicher ist es besser pendelte sich eine niedrigere Geburtenrate ein. Unabhängig davo in wekcher Weltgegend dies eintritt.

Re: Re: Alles spielt zusammen

Genau Kranke und genetisch minderwertiges Kroppzeugs gehört "euthanisiert". Das Mutterverdienstkreuz gehört auch wieder eingeführt. In welcher Zeit leben sie eigentlich. Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte. Jeder soll das machen was er will. Das Recht des Einzelnen hört dort auf wo es das Recht des anderen berührt.
In diesem Sinne mfG Hachriti

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Re: Re: Alles spielt zusammen

Wo in der Natur wollen Sie sich denn orientieren für die natürliche Rollenverteilung? Bleiben bei den Schimpansen die Frauen in der Wohnung und die Männer gehen arbeiten? Als Mann wäre natürlich eine gesellschaftliche Ordnung nach den Löwen wünschenswert, die Männer liegen faul herum oder raufen und die Frauen bringen das Schnitzel auf den Tisch. Natürlich Kindermord und männliche Löwen jagen auch manchmal (danke grüne EmanzINNEN!!!) also vielleicht ist Orientierung nach der Natur doch nicht so gut?


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