Wie antisoziales Verhalten entsteht

22.12.2012 | 18:01 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Wiener Forscherinnen zeigen, dass Verarbeitungsprozesse im Gehirn bei Frauen mit antisozialer Persönlichkeitanders ablaufen als bei sozialen: Die Aufmerksamkeit für soziale Reize ist reduziert.

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„Ich habe bereits wiederholt andere Menschen getäuscht, betrogen oder hereingelegt, um mir persönliche Vorteile zu verschaffen.“ Oder: „Ich gebe nicht besonders viel auf die Gefühle oder etwaiges Leiden anderer.“ Dies sind Beispiele aus einem Online-Selbsttest für psychologische Störungen, u.a. kann man damit herausfinden, ob man eine antisoziale Persönlichkeitsstörung hat. Diese Form der Psychopathie führt bei Betroffenen dazu, dass sie rücksichts- und verantwortungslos sind, sich nicht an soziale Normen halten und weder Reue noch Schuldgefühle kennen.

Diese Eigenschaften findet man häufig bei Straftätern, doch auch manche sonst unauffällige Durchschnittsmenschen neigen zu antisozialem Verhalten. Psychologinnen der Uni Wien und Med-Uni Wien haben an 28 Frauen grundlegende, neurologische Unterschiede zwischen Sozialem und Antisozialem gesucht. Die Studie war auf Frauen begrenzt, obwohl diese psychische Störung häufiger bei Männern zu finden ist – die aber schon besser erforscht sind. „Die Ursachen für antisoziales Verhalten sind bei Männern und Frauen wahrscheinlich unterschiedlich“, sagt Studienleiterin Daniela Pfabigan, Neurowissenschaftlerin der Uni Wien.

Im Experiment füllten die Probandinnen vorab einen psychologischen Selbsttest aus, die Antworten zeigten die Tendenz zum antisozialen Verhalten. Anschließend nahmen die Frauen an einem fiktiven Gewinnspiel teil: Für richtig beantwortete Fragen leuchtete ein glückliches Gesicht am Bildschirm auf, bei falschen Antworten ein ärgerliches. Zugleich waren die Testpersonen am Kopf verkabelt: EEG-Messungen zeigten, wie der Input des lachenden oder ärgerlichen Gesichts verarbeitet wurde. „Im Verhalten unterschieden sich die antisozialen Personen nicht von den anderen“, so Pfabigan. Doch in einer vermutlich unbewussten Verarbeitungsebene, hundert Millisekunden nach dem Betrachten der Fotos, waren bestimmte Komponenten im EEG bei der antisozialen Gruppe viel schwächer ausgeprägt. Diese Komponenten stehen mit der Aufmerksamkeit für soziale Reize in Verbindung: Die Antisozialen schenkten den Emotionen der Gesichter kurz nach dem Betrachten weniger Aufmerksamkeit.

Frühere Studien belegen, dass es antisozialen Menschen gar nicht möglich ist, Gefühle wie Angst im Gesicht von anderen zu erkennen. Hier wurde nun mit den Emotionen Freude und Ärger gearbeitet, da diese von sozialen und antisozialen Menschen gleich gut unterschieden werden. Diese – und weitere Ergebnisse – können Basis für neue Therapien von Menschen mit antisozialen Störungen sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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6 Kommentare

@sich nicht an soziale Normen halten

in einem gescheiterten Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell wie dem unseren schwerlich ein Kriterium


Solch eine Intoleranz ist abzulehnen

Wenn jemand leidet, soll er die Möglichkeit bekommen sein Leid durch eine Therapie zu verringern.
Ich finde es aber ungeheuerlich, wenn Menschen andere Menschen wegen einer bestimmten Ausprägung als therapiewürdig einstufen. Wo steht geschrieben, wieviel soziales Einfühlungsvermögen ein Mensch haben muss, damit er keiner Therapie bedarf?
Die Intoleranz gegenüber Menschen, die sich in der einen oder anderen Ausprägung nicht im Zentrum der Streuung befinden, ist in Österreich scheinbar nicht auszurotten.

Ich bin antisozial- bitte therapiert michnicht!!!


Leider gibt's die Antisozialen wirklich

Und zwar auch in Fuehrungspositionen.
Ethik und Moral, Gewissen und Verantwortungsgefühl wird ja oft als Hemmschuh fuer's Geschaeft betrachtet.
Gleichzeitig hat man natuerlich auch die Mission Statements.

1 1

...

wording aus 1945 mit scheinfragen, in der geldanlage auf den maerkten ist das gewuenscht, bei den psychologen nicht? wieso wohl, damit sie die leute besser terrorisieren koennen? ich mag das nicht...

Das Problem ist doch auch

die Reizüberflutung, die von der Werbung für Spenden ausgeht.
Je öfter man damit konfrontiert wird, um die Spendenbereitschaft anzuregen, desto mehr stumpft man ab.
Leider setzen sich diverse NGO´s -derzeitiges Beispiel Besetzung der Votovkirche-für die falschen Leute ein, was die Hilfsbereitschaft natürlich nicht gerade erhöht.

schon daran gedacht?

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