Lawinengefahr wird oft falsch eingeschätzt

29.12.2012 | 18:03 |  Red/vers (Die Presse)

In aufwendigen Versuchen wurden Skifahrer und Tourengeher befragt: Fast 40 Prozent schätzten unsichere Hänge als sicher ein.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Bei jedem Lawinenopfer, das zu beklagen ist, fragt man sich: Wer geht bei solchen Gefahren auf den Berg? Das Institut für Landschaftsentwicklung der Boku Wien hat nun gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Statistik gezeigt, wie stark die Lawinengefahr unterschätzt wird. In zweijähriger Forschungsarbeit wurden Wintersportlern Videos und Textbeschreibungen verschiedener Berghänge vorgelegt, sie mussten dann entscheiden, ob dieser Hang befahrbar ist. Die Ergebnisse der Umfrage (circa 1500 Teilnehmer) wurden mit offiziellen Lawinenwarnmethoden verglichen – und siehe da: 40 Prozent der Skifahrer und Tourengeher gehen bei den Berghängen von einer sicheren Situation aus, obwohl die Warnsysteme des Risikomanagements längst Alarm schlagen.

Besonders bei Hangneigungen von 40 Grad, nassem Schnee oder Lawinenwarnstufe4 waren sich Risikowarnsysteme und Skifahrer uneinig, das heißt, dass viele auch extrem gefährliche Hänge befahren würden. Frauen und ältere Personen neigten zu eher risikoscheuen Entscheidungen. Überraschend war für das Team um Elisabeth Adler, dass die erfahrensten Wintersportler ebenso wie Skilehrer und Bergführer überdurchschnittlich risikobereit sind. Sogar Menschen, die bereits von Lawinen verschüttet worden waren, schätzten unsichere Hänge als sicher ein.


Gleitschneelawinen. Für diese Saison warnen Experten vor der Gefahr von Gleitschneelawinen. Bei der Lawinentagung der ZAMG im Dezember auf der Turracher Höhe (Kärnten) wurden die Lawinenwarndienste über die Besonderheiten dieser Gefahren informiert, die bereits im letzten Winter eine Herausforderung waren. „Gleitschneelawinen entstehen, wenn wie heuer die ersten großen Schneemengen auf warmen Boden gefallen sind: Sie sind an keinen Tagesgang gebunden und können auch in der Nacht oder bei kalten Witterungsphasen abgehen“, erklärt Wilfried Ertl vom Lawinenwarndienst Kärnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Wissenskommentar

AnmeldenAnmelden