Schnell ans Ziel: Zu Fuß, per Rad oder mit den Öffis

05.01.2013 | 18:12 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Die TU Wien entwickelte einen intelligenten Routenplaner für alle Verkehrsteilnehmer.

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Den Weg von der Hainburgerstraße, wo sich die Redaktion der „Presse“ befindet, zum nächsten Supermarkt oder Kino kennt man doch gut – denkt man. Ein neues Online-Navigationssystem zeigt, dass man noch viel entdecken kann in der Umgebung seines Büros, seiner Wohnung oder neben dem Kindergarten der Kleinen. „MyITS“ nennt sich die Technologie, die an der TU Wien entwickelt wurde: Sie verbindet die Technik normaler Routenplaner mit der Suche nach Lokalen, Parks, Geschäften, Kinos und vielem mehr. „Die Verbindung aus Routenplaner und Suche ist technisch nicht trivial“, erklärt Thomas Krennwallner vom Institut für Informationssysteme der TU Wien.

„MyITS“ ist eine Weiterentwicklung des u.a. bei Radfahrern sehr beliebten Routenplaners „A nach B“ (www.anachb.at), der eine klassische Start-Ziel-Suche durchführt und dabei auch Fußwege und Radwege genau berechnet. „MyITS“ soll nun ein sinnvolles Instrument für unterschiedliche Benutzergruppen sein. Das Forschungsprojekt wurde von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert und vom Austrian Institute of Technology (AIT) mitentwickelt und konzentriert sich auf persönliche Einstellungen, bedürfnisorientierte Suche und den menschlichen Dialog als solchen. „Semantic Web“ ist eines der Konzepte, um die Bedürfnisse der Menschen und ihre gewohnten Kommunikationsformen in den Vordergrund zu stellen.

Zum Beispiel soll „MyITS“ folgende Suchanfragen meistern können: „Ich möchte in zehn Minuten Gehdistanz von meiner Wohnadresse vegetarisch essen gehen, und ich bin Nichtraucher.“ Ganz klappt dies bei der Testversion, die online zugänglich ist (www.myits.at), noch nicht.


Persönlich gestalten. Aber die Vielzahl an persönlichen Einstellungen überrascht tatsächlich: Nicht nur, dass man Mobilitätseinschränkungen („Keine Treppen“ oder „Nur Niederflurfahrzeuge“) anklicken kann, auch die eigene Geschwindigkeit beim Radfahren oder Zu-Fuß-Gehen kann voreingestellt werden. Dann klappt es sehr gut mit der Suche nach Bäckereien, Beisln und Blumengeschäften. Das Highlight von „MyITS“ ist, dass man Routen mit mehreren Stationen abfragen kann: So spuckt die Homepage den kürzesten Heimweg vom Büro, der an einem Würstelstand und bei der Bank vorbeiführt, aus. Ob per pedes, per Fahrrad oder mit dem Auto – auch das wird je nach persönlicher Vorliebe berechnet.

Hinter dem Projekt stecken Unmengen von Daten aus unterschiedlichsten Quellen: „Wir greifen auf frei verfügbare Metadaten und Karten von Open Street Maps zurück, ebenso wie auf die Open Government Data der Stadt Wien oder auf den Lokalführer des ,Falter‘“, verrät Krennwallner, der diese Datenmengen gemeinsam mit Patrik Schneider und Thomas Eiter von der Knowledge-Based Systems Group der TU Wien in den letzten Jahren aufbereitet hat. Auch die Informationen von sozialen Netzwerken wie Facebook fließen in die Suchergebnisse der neuen Plattform ein, die sich als offenes Forschungsprojekt in ständiger Weiterentwicklung befindet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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2 Kommentare

Man könnte

Natürlich kann man sich wieder mal mit Geräten beschäftigen. Oder man ist ausnahmsweise mal kommunikativ und spricht auf der Straße wildfremde Menschen an und fragt sie mit einem Lächeln auf den Lippen um Rat.
Und staunt ob deren Reaktion!

erin schöner Geck, aber langfristig führt das

zur Verarmung der Sinne und der Entdeckung anderer Umstände und Möglichkeiten.

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