Badewannenrätsel: Schrumpelige Finger greifen besser

09.01.2013 | 01:01 |   (Die Presse)

Wer länger in der Wanne weilt, dem schrumpelt die Haut an Händen und Füßen, nur dort, sonst nirgends. Lange dachte man, das sei ein passiver Effekt. Aber es ist gerade umgekehrt.

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Wer länger in der Wanne weilt, dem schrumpelt die Haut an Händen und Füßen, nur dort, sonst nirgends. Lange dachte man, das sei ein passiver Effekt, bei dem verhornte Zellen – von denen haben wir viele an Fingern und Zehen – via Osmose Wasser aufnehmen, sich dehnen und Falten werfen.

Aber es ist gerade umgekehrt: Das Schrumpeln wird aktiv gesteuert und zwar dadurch, dass tiefere Hautschichten schrumpfen, auch das bringt oben Falten. Wozu sollen die gut sein? Man kann mit ihnen nasse Gegenstände besser greifen, Tom Smulders (Newcastle) hat es experimentell gezeigt und vermutet, dass auch die Falten an den Füßen besseren Halt auf nassen Flächen bieten (Biology Letters, 8. 1.). Möglicherweise bilden die Falten Ablaufrinnen für Wasser, möglicherweise stehen andere Veränderungen der Haut dahinter. Wie auch immer: Beim Griff nach trockenen Objekten bringen die Falten keinen Vorteil, allerdings auch keinen Nachteil. Warum haben wir sie dann nicht immer? Man kann nur spekulieren: Vielleicht würde der Tastsinn zu sehr unter den Falten leiden, oder die schrumpelige Haut ist schlicht verletzlicher. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2013)

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7 Kommentare

Wie beim Autoreifen

Glatte Oberflächen = Slick
Schotter oder Nässe = Profiliert

Obige Aussagen machen meiner Meinung nach sehr wohl Sinn.

Wirklich?

Wieder mal ein schoenes Beispiel, wie einige Biologen in jedem Furz eine spezifische, durch natuerliche Selektion geschaffene Anpassung sehen wollen. Sind schrumplige Finger wirklich eine Adaptation (an was??) oder schrumpfen die unteren Hautschichten nur zufaellig und ohne relevanten Einfluss auf irgendwas aufgrund ihrer physiko/chemischen Beschaffenheit?


Re: Wirklich?

Ok hab ein bisserl nachgelesen, die Sache ist tatsaechlich nervoes gesteuert (also bei Nervenschaden gibts kein Schrumpeln), sehr interessant!

Re: Re: Wirklich?

danke

Re: Re: Re: Wirklich?

Hier eine exzellente Kritik der Forschungsergebnisse und deren Interpretation:

http://www.genomicron.evolverzone.com/2013/01/the-great-wrinkled-finger-debate/


Meine Spekulation

Vielleicht bildet sich die schrumpelige Haut deswegen wieder zurück, weil glatte Haut weniger Oberfläche hat und dadurch weniger Wärme abgestrahlt wird als mit schrumpeliger Haut.
Wenn unser Körper schon so "gescheit" ist, dass er schrumpelige Haut für besseren Halt ausbildet, dann kann ich mir gut vorstellen, dass er auch Routinen zum Energiesparen hat.

Re: Meine Spekulation

Auf der anderen Seite ist der menschliche Körper genau so gebaut, um möglichst viel Energie abstrahlen zu können (kein Fell, aufrechter Gang, große Oberfläche) um auch bei langen Märschen nicht zu überhitzen. Außerdem entzieht gerade Wasser dem Körper schnell viel Energie.

Zudem: Da der Effekt auf die Hand- und Fußflächen begrenzt ist, ist der Energiespareffekt mE im Vergleich zur erhöhten Verletzungsgefahr oder Tastsinnverringerrung eher der unwahrscheinlichste da geringste Grund. Möglich ist aber natürlich fast alles.

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