Häher können doch Gedanken lesen

An schlichtem Stress liegt es nicht, dass die Tiere Futter vor Artgenossen verstecken. Das tun sie vor allem dann, wenn sie von anderen beobachtet werden und das bemerken.

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Walnuss – Clemens Fabry

Wenn Rabenvögel Futter finden, das sie gerade nicht verwerten können, verstecken sie es. Das tun sie vor allem dann, wenn sie von anderen beobachtet werden und das bemerken. Im Experiment an Hähern gezeigt hat das Nicola Clayton in Cambridge, sie schloss daraus, dass Häher generell eine Vorstellung davon haben, was in den Köpfen anderer vor sich geht („Theory of Mind“), und dass sie im konkreten Fall die Diebstahlsabsicht bemerken und durchkreuzen. Aber einer Forschergruppe in Groningen ging das zu weit, sie interpretierte anders: Es liege nicht am Gedankenlesen, sondern schlicht am Stress – jenem durch die Anwesenheit eines anderen. Nun war wieder Clayton an der Reihe: Sie versetzte Häher auf einem anderen Weg in Stress. Sie bot Futternäpfe an – einmal leere, einmal mit Nüssen gefüllte – und Verstecke. Die Häher, die Futter vorfanden, füllten die Verstecke, Clayton räumte sie aus. Dann kam die zweite Runde: Clayton bot wieder – nur gefüllte – Futternäpfe und die alten Verstecke an, zudem neue. Dabei bemerkten die Häher, die in der ersten Runde etwas versteckt hatten, den Diebstahl, sie gerieten in Stress (PLoS One, 9.1.). Trotzdem versteckten sie nicht mehr als die Häher, die nicht bestohlen wurden und damit nicht gestresst waren. „Mit dem Stress ist das Verstecken nicht zu erklären“, schließt Clayton. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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