Häher können doch Gedanken lesen

18.01.2013 | 18:34 |   (Die Presse)

An schlichtem Stress liegt es nicht, dass die Tiere Futter vor Artgenossen verstecken. Das tun sie vor allem dann, wenn sie von anderen beobachtet werden und das bemerken.

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Wenn Rabenvögel Futter finden, das sie gerade nicht verwerten können, verstecken sie es. Das tun sie vor allem dann, wenn sie von anderen beobachtet werden und das bemerken. Im Experiment an Hähern gezeigt hat das Nicola Clayton in Cambridge, sie schloss daraus, dass Häher generell eine Vorstellung davon haben, was in den Köpfen anderer vor sich geht („Theory of Mind“), und dass sie im konkreten Fall die Diebstahlsabsicht bemerken und durchkreuzen. Aber einer Forschergruppe in Groningen ging das zu weit, sie interpretierte anders: Es liege nicht am Gedankenlesen, sondern schlicht am Stress – jenem durch die Anwesenheit eines anderen. Nun war wieder Clayton an der Reihe: Sie versetzte Häher auf einem anderen Weg in Stress. Sie bot Futternäpfe an – einmal leere, einmal mit Nüssen gefüllte – und Verstecke. Die Häher, die Futter vorfanden, füllten die Verstecke, Clayton räumte sie aus. Dann kam die zweite Runde: Clayton bot wieder – nur gefüllte – Futternäpfe und die alten Verstecke an, zudem neue. Dabei bemerkten die Häher, die in der ersten Runde etwas versteckt hatten, den Diebstahl, sie gerieten in Stress (PLoS One, 9.1.). Trotzdem versteckten sie nicht mehr als die Häher, die nicht bestohlen wurden und damit nicht gestresst waren. „Mit dem Stress ist das Verstecken nicht zu erklären“, schließt Clayton. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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7 Kommentare
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Wer schon mal einen HUnd gesehen hat, der sich im Kreis dreht und versucht seinen eigenen Schwanz zu erwischen..... na ja, ich glaube mehr ist nicht zu erwähnen!


Tiere haben kein Bewusstsein oder änaloge...

...kognitive Fähigkeiten. Was da abläuft ist schlicht und ergreifend ein simples Programm.

Re: Tiere haben kein Bewusstsein oder änaloge...

*analoge

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Re: Re: Tiere haben kein Bewusstsein oder änaloge...

Ist wahrscheinlich viel verlangt die gesamte ethologischen Forschung der letzten Dekaden in 1450 Zeichen zu wiederlegen aber können Sie Ihre Behauptung trotzdem etwas begründen?

Re: Re: Re: Tiere haben kein Bewusstsein oder änaloge...

"...wi(e)derlegen..." kann ich's ganz bestimmt nicht.

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Re: Re: Re: Re: Tiere haben kein Bewusstsein oder änaloge...

Fon mainer gadastofalen Rechtsschrebung abgessehn, koennten Sie Ihren Kommentar erlaeutern? Was sind diese "simplen Programme" und wie koennen sie den Eindruck eines Bewusstseins oder kognitiver Faehigkeiten vortaeuschen?

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Re: Re: Re: Re: Re: Tiere haben kein Bewusstsein oder änaloge...

Kurzer Erklärungsansatz:
Beobachten Sie mal im Park die Hundebesitzer (beiderlei Geschlechts), wenn die mit ihren Fellwürsten kommunizieren: das sind wahre Gesprächstherapieorgien, und befragt, werden die Frauchen und Herrchen Stein & Bein schwören, dass ihr „g´scheits Viecherl“ jedes Wort genau versteht. Auch bei „er will ja nur spielen“ und „ui, da isser heut wieder laut“ schlägt das antroposophische Unverständnis durch: Der Hund ist ja nicht per se laut oder böse, er tut das ja nur, weil sein Besitzer ihn lässt – letzterer kapiert das aber nicht und billigt dem in der Herde eine Funktion zur Jagd verkörpernden Einzeltier Intelligenz, Bewusstsein und Absicht zu. Dabei ist das nervtötende Gekläffe nur Lack of Leadership. Also nicht der Hund hat Bewusstsein und Intelligenz sondern die Halter sind schlicht dumm.
Dieser Schwachsinn und diese hilflose Projektion einsamer Menschen auf einen vermeintlich menschlichen Freund – in Tierform halt – gipfelt jedes Jahr in den US-Nationalparks in einigen tödlichen Unfällen. Dann nämlich, wenn das „liebe, g´scheite Viecherl“ mit dem man ein liebes Gespräch unter Freunden führt, vom gelangweilten Dösen in das scharfe Normalprogramm eines Kodiakbären umschaltet. Zugegeben, das Zwiegespräch im Beserlpark endet nicht tödlich, ist aber ähnlich dämlich. Der Bär kann nämlich nicht denken: "Oh, das ist nur ein Touri, der ist nicht böse, gefährlich, bedrohlich etc. etc." dafür ist in der Natur keine Zeit & Muße - und das mag die Antwort sein.

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