Frisches Kapital für spannende Technologien

02.02.2013 | 18:13 |  Von Martin Kugler (Die Presse)

Die Wiener Firmen Zytoprotec und Crystalsol konnten neue Finanzierungsquellen finden.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Weltweit benötigen derzeit rund 2,5 Millionen Menschen mit schweren Nierenleiden eine regelmäßige Dialyse – und jedes Jahr werden es um sechs Prozent mehr. 90 Prozent dieser Patienten werden durch die bekannte Hämodialyse im Spital behandelt – obwohl es mit der sogenannten Peritonealdialyse eine Alternative gäbe, die deutlich billiger ist und von Patienten selbst zu Hause durchgeführt werden könnte. Dabei wird die Filterleistung des Bauchfells (Peritoneum) genutzt, durch die jene Moleküle aus dem Blut in ein in den Bauchraum eingebrachtes Dialysat durchtreten, die bei gesunden Menschen über die Nieren ausgeschieden werden.

Dass diese Methode nicht weiter verbreitet ist, liegt u.a. daran, dass herkömmliche Dialysate die Schleimhäute sukzessive undurchlässiger machen. 20Jahre lang gab es dabei kaum Innovationen – bis das Wiener Biotech-Unternehmen Zytoprotec vor einigen Jahren wie berichtet mit einer völlig neuen Idee aktiv wurde. Das wurde international bemerkt, im Vorjahr wurde auch der Dialyse-Weltmarktführer Baxter aufmerksam – und nun beteiligt sich der US-Pharmakonzern (der in anderen Medizinbereichen eine große Niederlassung in Österreich betreibt) durch seinen Venture-Fonds mit zwei Millionen Euro an Zytoprotec. Zusammen mit weiteren Fonds ist damit die Finanzierung der für heuer geplanten klinischen Phase-II-Studie an Patienten gesichert. Bisher investierte Zytoprotec an die sieben Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, davon stammen knapp drei Millionen Euro von Fördergebern (AWS, FFG, ZIT).

Öffentliche Mittel waren auch für das junge Unternehmen Crystalsol bisher extrem wichtig, um die Entwicklung voranzutreiben: Mithilfe von Förderungen durch AWS, FFG, ZIT sowie den Klima- und Energiefonds wurde eine Technologie für eine Fotovoltaikfolie entwickelt, die „von Rolle zu Rolle“ auf einem flexiblen Untergrund kostengünstig produziert werden kann. Als Haupteinsatzgebiet wird die Integration von Solarzellen in Gebäudeelemente angepeilt, die Folien können in beliebigen Formen, transparent und in vielen Farben hergestellt werden. Bisher wurden mehr als vier Millionen Euro investiert, nun konnte eine Finanzierungsrunde mit mehreren Fonds im Ausmaß von acht Millionen Euro abgeschlossen werden.

Zytoprotec und Crystalsol sind zwei erfreuliche Beispiele, dass es trotz der Finanzkrise manchen Hightech-Firmen gelingt, an Kapital für die Weiterentwicklung ihrer Technologien zu kommen. Viele sind es derzeit aber nicht – gerade in Österreich, wo die Risikokapitalszene traditionell schwach ausgeprägt ist. Für frühe Phasen der Entwicklung bekommen Gründer auch kein Geld von einer Bank. Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) versucht, die Situation durch eine Venture-Capital-Initiative zu verbessern. Dabei beteiligt sich die Förderbank an Fonds – derzeit läuft gerade die vierte Ausschreibung. Das Kapital dafür kommt vom Wirtschaftsministerium bzw. von der Österreichischen Forschungsnationalstiftung, die zuletzt zehn Millionen Euro dafür bereitstellte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Wissenskommentar

AnmeldenAnmelden