Asthma und Fett durch Kaiserschnitt und Folgemilch?

12.02.2013 | 18:25 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Der Verdacht, dass die Geburts- und Ernährungsweise die Balance der Bakterien in uns durcheinanderbringt, ist gestärkt.

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Die meisten von uns sind auf dem ganz klassischen Weg auf die Welt gekommen, durch das Blut und den Schmutz des Geburtskanals. Dort bzw. in der Vagina wimmeln Bakterien, und zwar bei Schwangeren andere, auch solche, die sonst im Darm leben. Und als wir endlich draußen waren, hingen wir an der Brust, lange. Was dort floss, nährte nicht nur uns, sondern auch die Milliarden Bakterien, die in uns überall dort leben, wo wir Kontakt mit der Außenwelt haben, auf Haut und Schleimhäuten, im Darm, 1,5 Kilo helfen beim Verdauen.

Aber erst einmal müssen sie dorthin. Im Uterus waren wir vor Bakterien geschützt, sie kamen erst während der Traverse durch den Geburtskanal in uns. Und dann bestimmte die Muttermilch mit darüber, welche Bakterien in uns gediehen und welche nicht. Das war einmal: In den USA werden 30 Prozent aller Babys via Kaiserschnitt entbunden, in Österreich 29, in China und Brasilien fast 50. Die Methode hat Risken, wird trotzdem oft auf Wunsch der Frauen durchgeführt, auch Ärzte greifen gern zum Skalpell. Aber die herausgeschnittenen Kinder leiden später vermehrt an Fettleibigkeit, Asthma und Diabetes.

 

Ein halbes Jahr nur Muttermilch!

Gegen all das hilft Muttermilch, wenn sie lange genug verabreicht wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ein halbes Jahr, empfiehlt auch, Kaiserschnitte nur in medizinischer Not auszuführen. Sie stößt auf taube Ohren, an die Milchempfehlung halten sich nur 15 Prozent der Mütter in den USA. Steckt also die Kombination von beidem dahinter, dass Fettleibigkeit und Autoimmunkrankheiten wie Asthma grassieren? Der Verdacht ist alt, aber bisher hat man nur epidemiologische Korrelationen, keine Nachweise von Kausalitäten.

Die sind auch nicht leicht, herkömmliche Methoden – Kultivierung – können die Bakteriengemeinschaften im Gedärm nicht erfassen. Aber Genanalysen können es, und Meghan Azad (Alberta) hat sie angewandt: Die Darmflora ist in Kaiserschnittkindern anders, und sie ist bei früher Folgemilch anders (Canadian Medical Association Journal, 11.2.). Auch das ist noch kein Beweis, aber Azad mahnt: „Die potenziellen Langzeitfolgen von Entscheidungen über die Geburtsweise und die Ernährung der Babys sollten nicht unterschätzt werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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14 Kommentare

Die Presse

ist immer so aktuell. Da hat wohl wer die Elternzeitschrift von vor 2-3 Jahren ausgegraben.

Re: Die Presse

Das ist sogar schon viel länger bekannt. Es schadet aber sicher nichts, es immer wieder zu wiederholen, denn die Leute bekommen laufend Kinder.

Schmutz des Geburtskanals

Ja, der ist wenigstens pysiologisch. Denn was macht das Kind mit einem "blanken" Verdauungstrakt? Es nimmt was es kriegt - heißt alle nicht-pysiolog. Bakterien die sich so rumtreiben. Nun wird da auch durchs Stillen nicht die von Mutter Natur aus vorgesehene Darmflora *) draus.
Also sollte die Diskussion neben Pro Stillen va. pro Vaginalgeburt ablaufen!
Für mich hört da das vom Recht der Frau auf eine "jungfräuliche Vagina" in Anbetracht der lebenslangen gefährdeten Gesundheitlage vom Kind auf.
Zitate:
*)Dort bzw. in der Vagina wimmeln Bakterien, und zwar bei Schwangeren andere, auch solche, die sonst im Darm leben. )( Im Uterus waren wir vor Bakterien geschützt, sie kamen erst während der Traverse durch den Geburtskanal in uns.

lese ich da richtig?

Schmutz des Geburtskanals?

Re: lese ich da richtig?

ja

Re: Re: lese ich da richtig?

Seit wann werden Bakterien in der Wissenschaft als Schmutz bezeichnet?

Warum glauben die Menschen...

..eigentlich dass eine Geburt von Natur aus so abläuft wie sie es tut. Und warum hat die Natur Frauen mit der Möglichkeit ihre Kinder mit eigener Milch zu versorgen ausgestattet? - Weil es sich herausgestellt hat, dass das das Beste für das Kind ist! Nicht nur Körperlicher Folgen kann ein Kaiserschnitt und das Verweigern der Brust haben, sondern viel häufiger sind Psychische Störungen (wie ADHS) sind darauf urückzuführen, genau wie die fehlende Mutter-Kind Bindung. Frauen Argumentieren häufig, dass eine natürliche Geburt zu schmerzhaft sei. Dabei wird aber vergessen, dass die Mutter den Schmerz direkt nach der Geburt vergessen hat - sie ist dass so mit Oxytozin und anderen Hormonen vollgepumpt, dass alle Strapazen vergessen sind und ihr Kind für sie das schönste und tollste und wichtigste Wesen auf dieser Welt ist. Dieses Gefühl bleibt dann eigentlich für immer - und fehlt bei einer Kaiserschnitt-Geburt. Ähnliches gilt für das Kind beim Stillen. - Dabei ist aber der Geruch der Mutter ausschlaggebend für die Bindung.
Ein anderes Argument der "modernen Frau" ist, dass sie doch keine Gebärmaschnine und Melkkuh sei. Tja, meine Damen, das seid ihr aber. Und es ist nichts schlechtes dabei. Ihr solltet euch Nach der Geburt eigentlich nur ums Kind kümmern können. Und euer Mann/Frund, sollte such dabei unterstützen. Denn zu einem Kind gehören immer zwei Eltern. Erst wenn der Mensch einsieht, dass Männer und Frauen nicht gleich, aber !gleichwertig sind, kann er glücklich sein!

Re: Warum glauben die Menschen...

Sie haben das mit der Evolutionstheorie nicht so ganz begriffen. Säugetiere säugen ihre Jungen nicht etwa, weil das so gut wäre oder weil die Natur das so "vorherbestimmt" hat. Säugetiere säugen ihre Jungen und zufälligerweise hat das noch zu keinem bekannten Nachteil geführt: das Säugen legt dem Überleben des Menschen kein Hindernis in den Weg. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass eine künstliche Methode unbedingt die schlechtere wäre.

Re: Re: Warum glauben die Menschen...

Doch, die künstliche Methode ist die schlechtere. Es sind einfach nicht die passenden Moleküle bei Eiweiß und Fett. Auch Antikörper hat die Pulvermilch nicht.

Re: Re: Warum glauben die Menschen...

Stimmt!!!
Aber da werden unsere Naturfans, die annehmen, dass die Natur immer das Beste und nur das Beste sein muss, nicht mitgehen wollen.

Re: Re: Warum glauben die Menschen...

Doch, bedeutet es. Denn über die Muttermilch werden u.a. auch Antikörper, und Erreger, die die Mutter in sich trägt an das Kind weitergegeben. So lernt das Imunsystem sich an die Umwelt anzupassen. Gleiches gilt, warum man seine Kinder im "Dreck" spielen und viel Kontakt zu anderen Kindern haben lassen sollte. Nur im frühen Kindesalter kann der Mensch die Grundlagen zur Immunabwehr bilden. Antibakterielle Seifen, Das Kind von einem anderen wegziehen weil dieses hustet und ähnliche Sachen, sind zwar gut gemeint, aber vollkommen kontraproduktiv.
Es fällt doch eigentlich gewaltig auf, dass Allergien und Hautkrankheiten hauptsächlich bei Städtern vorkommen. Bei der Landbevölkerung ist soetwas die absolute Ausnahme.

So dumm und unausgereift kann gar keine Studie sein, dass nicht sich Leute melden, die das bestätigen!


Wundert nicht

Dass die Milch eines Wiederkäuers mit Pansenmagen nicht unbedingt optimal ist für das Baby eines Allesfressers mit Säuremagen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Natürlich ist die Flascherlmilch keine reine Kuhmilch, aber sie basiert nunmal auf dieser und enthält damit keinerlei menschliche Komponenten (wie z.B.mütterliche Immunglobuline).
Fatalerweise hat man Flascherlmilch in den 60er bis 90er Jahren als etwas "Besseres" wie Stillen beworben. Als so eine Art Kraftfutter für Babys mit dem sie besser und schneller wachsen, wie mit Muttermilch. Man nahm den Müttern die Babys gleich nach der Geburt ab, wusch und wog sie zunächst und wenn die Mutter dann nicht stillen konnte (da der Milchfluss meist durch Geruchsinn in den 15 Minuten nach der Geburt ausgelöst wird), so empfand man das nicht als schlimm. Man erklärte den Frauen, sie könnten halt nicht stillen und sollten halt Fläschchen geben. So hört man oft von Müttern dieser Generationen, sie hätten halt nicht stillen können, obwohl tatsächlich nur 3% der Frauen aus biologischen Gründen tatsächlich nicht stillfähig sind.

Ich bin auch so ein Fläschchenkind, glücklicherweise nicht mit Asthma, dafür mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Zunahme dieser Unverträglichkeiten und Allergien wundert mich somit gar nicht, es ist halt eine Spätfolge des Anti-Stillverhaltens der 60er bis 90er.

Ja, das stimmt.

Ich bin ohne Muttermilch aufgewachsen (weil meine Mutter nach meiner Geburt schwer krank war). Später hatte ich jahrelang Asthma und litt an Milchschorf. Vor einiger Zeit hatte ich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen verschiedene Stoffe.

Muttermilch gibt dem noch nicht vorhandenen Immunsystem des Babys erste Impulse, damit es sich entwickeln kann; es ist sozusagen eine Fortsetzung des Lebens im Mutterleib, wo das mütterliche Immunsystem für das Ungeborene sorgt.

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