Asthma und Fett durch Kaiserschnitt und Folgemilch?

Der Verdacht, dass die Geburts- und Ernährungsweise die Balance der Bakterien in uns durcheinanderbringt, ist gestärkt.

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Symbolbild – (c) Www.BilderBox.com (BilderBox.com)

Die meisten von uns sind auf dem ganz klassischen Weg auf die Welt gekommen, durch das Blut und den Schmutz des Geburtskanals. Dort bzw. in der Vagina wimmeln Bakterien, und zwar bei Schwangeren andere, auch solche, die sonst im Darm leben. Und als wir endlich draußen waren, hingen wir an der Brust, lange. Was dort floss, nährte nicht nur uns, sondern auch die Milliarden Bakterien, die in uns überall dort leben, wo wir Kontakt mit der Außenwelt haben, auf Haut und Schleimhäuten, im Darm, 1,5 Kilo helfen beim Verdauen.

Aber erst einmal müssen sie dorthin. Im Uterus waren wir vor Bakterien geschützt, sie kamen erst während der Traverse durch den Geburtskanal in uns. Und dann bestimmte die Muttermilch mit darüber, welche Bakterien in uns gediehen und welche nicht. Das war einmal: In den USA werden 30 Prozent aller Babys via Kaiserschnitt entbunden, in Österreich 29, in China und Brasilien fast 50. Die Methode hat Risken, wird trotzdem oft auf Wunsch der Frauen durchgeführt, auch Ärzte greifen gern zum Skalpell. Aber die herausgeschnittenen Kinder leiden später vermehrt an Fettleibigkeit, Asthma und Diabetes.

 

Ein halbes Jahr nur Muttermilch!

Gegen all das hilft Muttermilch, wenn sie lange genug verabreicht wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ein halbes Jahr, empfiehlt auch, Kaiserschnitte nur in medizinischer Not auszuführen. Sie stößt auf taube Ohren, an die Milchempfehlung halten sich nur 15 Prozent der Mütter in den USA. Steckt also die Kombination von beidem dahinter, dass Fettleibigkeit und Autoimmunkrankheiten wie Asthma grassieren? Der Verdacht ist alt, aber bisher hat man nur epidemiologische Korrelationen, keine Nachweise von Kausalitäten.

Die sind auch nicht leicht, herkömmliche Methoden – Kultivierung – können die Bakteriengemeinschaften im Gedärm nicht erfassen. Aber Genanalysen können es, und Meghan Azad (Alberta) hat sie angewandt: Die Darmflora ist in Kaiserschnittkindern anders, und sie ist bei früher Folgemilch anders (Canadian Medical Association Journal, 11.2.). Auch das ist noch kein Beweis, aber Azad mahnt: „Die potenziellen Langzeitfolgen von Entscheidungen über die Geburtsweise und die Ernährung der Babys sollten nicht unterschätzt werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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