Der Mond hat Wasser durch und durch

Analysen von ganz frühem Mondgestein machen wieder fraglich, wie der Trabant entstand.

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(c) AP Ted S. Warren

Der Mond ist immer wieder für eine Überraschung gut: Auf der ersten Karte stattete ihn Giovanni Riccioli 1651 mit vielen „Maria“ – „Meeren“ – aus, es sah aus der Ferne so aus. Später war man sicher, dass der Trabant staubtrocken ist, so war er auch, als 1969 die ersten Menschen durch das „Meer der Ruhe“ spazierten und Gestein einsammelten. In dem fanden sich zwar bei der Analyse in irdischen Labors Spuren von Wasser, aber man interpretierte sie als Verunreinigung: Das Gestein war auf der Erde nicht gut verschlossen gelagert, Luft und ihre Feuchte konnten hinein.

2008 wandelte sich das Bild, man hatte auf dem Mond Gesteine entdeckt, die zur Entstehung Wasser brauchen – Phyllosilikate –, und Raumsonden sichteten auch direkt Wasser, immer mehr an immer mehr Orten. Man vermutete, dieses Wasser sei mit Meteoriten gekommen, lange nachdem die ursprüngliche Mondkruste gebildet worden war (und es bzw. der Wasserstoff komme heute noch via Sonnenwind).

 

Einschlagender Himmelskörper?

Aber nun hat Hejiu Hui (University of Notre Dame, Indiana) Wasser in uraltem Krustengestein des Mondes detektiert (Nature Geoscience, 17.2.). Und er zieht in aller Zurückhaltung die Konsequenz: Dieses Wasser ist „schwer zu vereinbaren“ mit der Hypothese, der Mond sei entstanden, als vor 4,57 Milliarden Jahren ein marsgroßer Himmelskörper in die Erde einschlug und sie partiell pulverisierte. Dieses Material tat sich zum Mond zusammen. Aber etwas hätte nicht dabei sein können: Wasser. Es hätte in der Hitze des Einschlags ausgasen und sich im All verflüchtigen müssen.

Also ist der Mond anders entstanden, es gibt auch Hypothesen, er sei von irgendwo gekommen und eingefangen worden oder die Erde habe sein Material aus sich herausgeschleudert, aber sie passen nicht zum Mondgestein. Bleibt nur eine alternative Variante des Einschlags: Er müsste so schwach gewesen sein, dass er nichts pulverisiert, sondern große Brocken aus der Erde herausgeschlagen hat, mit Wasser drin. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2013)

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