Auch wenn Reiter nervös sind, bleiben Pferde cool

23.02.2013 | 18:37 |  vers (Die Presse)

Forscher haben herausgefunden, dass es Pferden bei Reitvorführungen egal ist, ob Publikum anwesend ist. Bei den Reitern hingegen spielt es eine große Rolle, ob es sich um eine Probe oder um eine Aufführung handelt.

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Wer ist nervöser vor einer Reitvorführung: das Pferd oder der Reiter? Dies haben Forscher der Vet-Med-Uni Wien (um Jörg und Christine Aurich) gemeinsam mit französischen und deutschen Kollegen analysiert. „Obwohl es einige Daten über die Stressbelastungen von Pferden in Reitsportarten gibt, wurde das Reiter-Pferd-Team bisher wenig erforscht“, schreiben die Forscher im „Veterinary Journal“ (online 4.2.). Als Versuchsobjekte dienten sechs Reiter-Pferd-Paare, die sich auf eine Vorführung vor einem tausendköpfigen Publikum vorbereiteten. Am Tag der Probe (ohne Zuschauer) und am Tag der Vorführung wurden Pferde und Reiter mit tragbaren EKG-Geräten ausgestattet, zudem wurde im Speichel das Stresshormon Cortisol gemessen.

Das Ergebnis der Untersuchungen ist unerwartet: Pferd und Reiter reagieren nämlich unterschiedlich auf den Druck, der durch eine Vorführung entsteht. Bei den Reitern spielt die Anwesenheit des Publikums eine Rolle: Die Herzfrequenz stieg bei der Probe von unter 100 auf knapp 120 Schläge pro Minute, bei der öffentlichen Vorführung hingegen auf über 150. Bei den Pferden aber erhöhte sich die Herzfrequenz während des Programms von zuvor 40 bis 50 Schlägen pro Minute auf rund 100 Schläge pro Minute – unabhängig davon, ob Publikum anwesend war oder nicht.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die Auswertung der Herzfrequenz-Variabilität, die ebenfalls ein Zeichen für Stress ist. Bei den Pferden zeigte sich eine erhöhte Anspannung bei der Probe und vor Publikum in gleiche Ausmaß. Beim Reiter ist der Stress hingegen am Tag der Vorführung wesentlich höher als bei der Probe. Keinen Unterschied zwischen Reitern und Pferden gab es hingegen bei den Stresshormonen: Sowohl bei Pferden als auch bei Reitern stieg der Cortisol-Spiegel während der siebenminütigen Show stark an – unabhängig davon, ob Publikum anwesend war oder nicht.

Völlig überraschend war, dass die Nervosität der Reiter die Pferde nicht beeinflusste. „Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass der Stress der Reiter sich auf ihre Pferde überträgt, doch diese Annahme scheint falsch gewesen zu sein“, sagt Christine Aurich. Die Forscher wollen das aber nicht verallgemeinern: Möglicherweise könnten unerfahrene Reiter ihre Pferde in für sie belastenden Situationen weniger effektiv beruhigen, wird gemutmaßt.

Übrigens bestätigen die Vet-Med-Forscher in einer anderen Studie, dass Wettbewerbe für Pferde zwar messbare Belastungen sind – jedoch verglichen mit anderen Einflüssen wie Transport der Pferde keine übermäßige Stressbelastung darstellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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