Wie wird Drosophila melanogaster in Zukunft heißen?

24.02.2013 | 18:50 |   (Die Presse)

Die Institution, die für Ordnung im Tierreich sorgt, ist bedroht: Ihr Geldgeber ist mit seinem Geld am Ende.

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Seit 1895 sorgt die „International Commission on Zoological Nomenclature“ (ICZN) dafür, dass unter den Zoologen keine babylonische Sprachverwirrung ausbricht: Sie regelt, welches Tier wie heißt und welcher Familie etc. es zugeordnet wird. Das besorgte zunächst ein Mann allein, der „Vater der Taxonomie“, Carolus Linneaeus. Er ordnete und benannte im 18. Jahrhundert, was er vor Augen bekam, und er war sicher, dass man alles benennen könne, weil alles noch so kreucht und fleucht, wie es von Gott erschaffen wurde. Mit Darwin wurde die Lage schwieriger, mit der modernen Molekularbiologie wurde sie noch schwieriger, vieles muss vom genetischen Kern her anders zugeordnet werden als bisher vom Aussehen. So kam schon der Eisbär in Gefahr – ist er gar keine Art, sondern nur eine Unterart des Braunbären, worauf die Gene deuten? –, so mussten schon die Termiten bangen. Und derzeit geht es etwa um die in vielen Labors gehegte Fruchtfliege Drosophila melanogaster: Manche wollen sie zu einer eigenen Art erheben.

Entschieden wird dergleichen periodisch beim ICZN – von freiwilligen und unbezahlten Kommissaren –, oft gibt es Streit, bisher hat sich immer eine Lösung gefunden. Aber nun droht „Anarchie bei den Tiernamen“, mahnt Michael Dixon (Natural History Museum, London): Finanziert wird die ICZN von einer Non-Profit-Organisation, und deren Geldvorräte sind am Ende. Und dem Beispiel, das die Botaniker geben – sie entscheiden alle sechs Jahre auf einem Weltkongress – können die Zoologen nicht folgen, sie haben keinen solchen Kongress (Science, 339, S.897). Die ICZN hat sich in ihrer Not an Naturhistorische Museen in aller Welt gewandt, sie mögen zusammenlegen. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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2 Kommentare

hmm

Das mit dem Eisbaer als Unterart ist so eine Sache - das waren Studien, die ausschliesslich auf mitochondrialer DNA basieren, welche aber bekanntermassen ein ganz schlechter Marker ist - Mitochondrien werden ohne Rekombination muetterlicherseits vererbt, wenn sich irgendwann einmal Tiere von nahe verwandte Arten paaren kann die mitochondriale DNA von einer Art die der anderen ohne Effekt auf das restliche Genom verdraengen. Und dann hat man ploetzlich nur mehr eine Art, wenn man nur auf diese DNA-Abschnitte schaut.

Zumindest eine neuere Studie zeigt, dass Eis- und Braunbaer klar unterschiedliche Arten sind, mit einem gewissen Grad an Vermischung, welche die vorherigen Ergebnisse erklaert.

http://www.pnas.org/content/early/2012/07/20/1210506109

Re: hmm

jaja, natürlich ist das so eine Sache mit den Bären,
aber um die ging es mir ja nicht,
sondern darum, wer darüber entscheidet in der Nomenklatur und der Taxoomie,
also wenn Sie jemanden kennen, der viel Geld hat,
da wäre ein bisschen davon gut investiert
gute Gruß
jl

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