"Matrix" für Nager: Forscher verbinden Ratten-Hirne

Durch die direkte Gehirn-Kommunikation konnten die Ratten Aufgaben gemeinsam besser erledigen. Auch über zwei Kontinente hinweg funktionierte die Verbindung.

Matrix fuer Nager Forscher
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Matrix fuer Nager Forscher
(c) Duke Medicine

Forscher aus dem US-Bundesstaat North Carolina und aus Brasilien haben die Gehirne von zwei Ratten mit einander verbunden. Damit wurde es erstmals möglich, dass Versuchstiere direkt mit einander kommunizieren, um Aufgaben zu lösen. Die Ergebnisse könnten dazu führen, dass in Zukunft ein "organischer Computer" entstehen könnte, der das Teilen von motorischen und sensorischen Informationen zwischen einer Gruppe von Tieren ermöglicht, schreibt die Duke Medical Univesity in einer Aussendung. Bei Cnet löst das Erinnerungen an den distopischen Film "Matrix" aus, der 1999 erschien.

Gedankengesteuerte Prothesen als Ziel

Die Unterjochung der Menschheit (wie in dem Film dargestellt) ist aber nicht das langfristige Ziel der Forscher. Sie wollen mehr über die Funktionsweise von Gerhirnen im Allgemeinen herausfinden, etwa um gedankengesteuerte Prothesen für Menschen besser kontrollieren zu können. Das "Walk Again Project" etwa soll das erste rein durch Gedanken gesteuerte Ganzkörper-Exoskelett steuern, um gelähmte Patienten wieder mobil zu machen.

Ratten lernten von einander

In dem aktuellen Experiment, dessen Ergebnisse im Journal Scientific Reports veröffentlicht wurden, lernten zwei Ratten, durch Drücken eines Schalters einen Schluck Wasser zu erhalten. Eine der Ratten wurde als "Verschlüsseler" bestimmt. Diese lernte, wann und wie sie den Schalter drücken musste. Wenn sie das richtig machte, wurde diese Information in elektronische Signale umgewandelt und ins Gehirn der "Entschlüsseler"-Ratte geschickt. Diese hatte vorhin nicht gelernt, wie man die Schalter zu bedienen hatte. Nach Eingabe der direkten Gehirninformationen konnte sie in 70 Prozent der Fälle die Aktion korrekt durchführen.

Die Kommunikation funktionierte aber nicht nur in eine Richtung. Wenn die zweite Ratte die Aufgabe nicht korrekt erfüllte, erhielt auch die erste Ratte keine Belohnung. "Wir sahen, dass der Verschlüsseler, wenn der Entschlüsseler einen Fehler gemacht hatte, sein Verhalten und seine Hirnfunktion änderte, um es für seinen Partner leichter zu machen", berichtet Miguel Nicolesis, leitender Autor der Studie. Dadurch sei das gesendete Signal für die zweite Ratte immer leichter verständlich geworden.

Nachdem die Forscher die Ratten zuerst direkt verbunden hatten, versuchten sie es später mit zwei Tieren, die auf zwei verschiedenen Kontinenten lebten. Auch diese konnten sich über Hirnsignale, die per Internet verschickt wurden, verständigen und eine gestellte Aufgabe korrekt lösen.

(Red.)

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