"Mutige Ideen werden vom Markt belohnt"

Beim Staatspreis Innovation war die Energieeffizienz ein wichtiges Thema.

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Mutige Ideen werden Markt – (c) Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)

„Ich hätte mir nicht gedacht, dass wir mit einer Papstwahl konkurrieren“, sagte Sabine Herlitschka von Infineon, als sie den Staatspreis Innovation am Mittwochabend entgegennahm. Die Auszeichnung wird seit 1979 vom Wirtschaftsministerium an besonders innovative heimische Unternehmen vergeben (ausgerichtet von der Austria Wirtschaftsservice, AWS). Doch erstmals fand zeitgleich mit der spannenden Verleihung in der Aula der Wissenschaften ein Konklave in Rom statt, das just in dem Moment, als die sechs Kandidaten der Shortlist des Staatspreises vorgestellt wurden, weißen Rauch aufsteigen ließ. Und als um 20.13 Uhr Franziskus als Papst verkündet wurde, erfuhr das Team um Herlitschka, dass die Innovation „Power300“ der Infineon Technologies Austria zugleich in Wien das Rennen gemacht hatte.

Wo Infineon draufsteht, ist Halbleitertechnologie drin: In Villach steht die weltweit größte Produktion von Halbleitern. Mit Forschungszentren in Villach, Klagenfurt und Graz beschäftigt das Unternehmen 3000 Mitarbeiter, davon 1050 in Forschung und Entwicklung (F&E). Das nun ausgezeichnete Produkt soll zur Steigerung der Energieeffizienz dienen: In Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken, in der Unterhaltungselektronik, in PC- und Serverschaltnetzen bis hin zu Autos und Lokomotiven – egal, ob mit Elektro-, Hybrid- oder herkömmlichem Verbrennungsmotor – braucht man Leistungshalbleiter.

Je dünner diese sind, umso geringer der Widerstand für elektrische Energie, und umso energieeffizienter können die Geräte laufen. Infineon hat in weniger als 20 Monaten Entwicklungszeit die dünnsten Leistungshalbleiter geschaffen, die auf 300 Millimeter großen „Wafern“ (hauchdünnen Scheiben) gefertigt werden. Dies führte zu einer Produktivitätssteigerung von 30Prozent und sicherte Infineon einen Technologievorsprung von circa zwei Jahren gegenüber Mitbewerbern.

Die derart gefinkelte Produktion dieser Schlüsseltechnologie überzeugte die fachkundige Jury des Staatspreises Innovation. Doch auch die anderen Bewerber, die es von 592 Einreichungen in die Top Six geschafft hatten, zeigten am Mittwochabend hervorragende Innovationen. Vor allem kleine Unternehmen wie Anagnostics aus Oberösterreich, die mit nur zehn Mitarbeitern eine Weltneuheit in der Diagnose von Blutvergiftungen entwickelt haben, oder Delta Bloc, die mit 38 Mitarbeitern Hochsicherheitsleitplanken aus Beton und Stahl erfunden haben, konnten das Publikum begeistern.

Die Gewinner von Infineon betonten, dass man sich bei neuen Erfindungen nicht zu Tode fürchten solle: „Mutige Ideen werden am Markt belohnt“, so Herlitschka. Dies zeigt auch die Statistik der 33 bisherigen Staatspreisträger: Keine dieser Firmen verschwand vom Markt. Meistens waren sie erfolgreicher als jene Unternehmen, die den „Manager des Jahres“ eingeheimst haben. Infineon war übrigens schon im Jahr 2000 hier Sieger: Damals war es das erste Mal, dass eine Frau als Vorstand den Preis entgegennahm, mit Sabine Herlitschka war nun die zweite Frau am obersten Podest.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2013)

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