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Neues Leben für das Tote Meer?

21.03.2013 | 18:29 |  von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Das Wasser am tiefsten Punkt der Erde sinkt und sinkt. Nun soll ein Kanal vom Roten Meer Hilfe bringen. Er brächte aber auch ökologische Risken.

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Kein Stück Erde liegt so tief wie die Oberfläche des Toten Meers. Im Jahr 2010 lag sie 423 Meter unter dem (restlichen) Meeresspiegel, und sie sinkt weiter: In den letzten 50 Jahren ist sie um 30 Meter gesunken; es geht immer rascher, derzeit sind es 1,2 Meter pro Jahr. Die Gründe sind vielfältig, oft hat der Mensch die Finger im Spiel: Das Tote Meer wird vom Jordan gespeist, dieser brachte einst 1,3 Milliarden Kubikmeter Wasser im Jahr, gutes, frisches Wasser; heute sind es 100 Millionen, der Rest geht v.a. in die Landwirtschaft, und was dort wieder wegfließt, ist mit Dünger gesättigt; zudem werden, sowohl auf israelischer als auch auf jordanischer Seite des Toten Meers, industriell große Mengen des Wassers verdampft, um Mineralien zu gewinnen, Magnesium und Pottasche, Kaliumkarbonat.

Amman braucht dringend Trinkwasser

Aber es ist nicht nur der Mensch: Der deutsche Jesuit und Universalgelehrte Athanasius Kircher diagnostizierte das Problem schon 1664, und eine Therapie hatte er auch: Man möge dem Toten Meer neues Wasser zuführen, mit einem Kanal vom Roten Meer. Das ist fast 200 Kilometer weit weg, der Plan war zu utopisch, er wurde erst in der Erdölkrise 1973 von Israel wieder aufgegriffen, zur Energiegewinnung: Das Wasser sollte auf dem Weg vom Roten Meer hinüber – und vor allem: hinab – zum Toten Meer Turbinen treiben, Strom erzeugen. Auch daraus wurde nichts, aber die Trinkwassernot brachte dann doch etwas Einmaliges zustande: Die Anrainer – Israel, Jordanien, Palästinenser – taten sich zusammen und baten die Weltbank, die Machbarkeit des Projekts zu prüfen. „Es ist der einzige Ort, an dem die drei an einem Projekt zusammenarbeiten“, erklärt Alex McPhail, der Zuständige bei der Weltbank.

Und was für ein Projekt: Teils per Kanal, teils per Pipeline sollen zwei Milliarden Kubikmeter im Jahr fließen, und auch diesmal ist ein Wasserkraftwerk eingeplant: Mit seinem Strom soll das durchfließende Meerwasser entsalzt werden – und als Trinkwasser in das v.a. darbende Amman gehen –, die restliche salzige Brühe fließt dann ins Tote Meer, das ist ohnehin extrem versalzen. Zehn Milliarden Dollar soll das Ganze kosten, die Weltbank hat lange geprüft und jetzt einen positiven Bericht vorgelegt: „Alle potenziellen, größeren Einflüsse auf Umwelt und Gesellschaft können in akzeptierbaren Grenzen gehalten werden“, fasste McPhail zusammen (Naturenews, 27.2.). Dem stimmen nicht alle zu. Nicht nur die Autoritäten von Israel, Jordanien und den Palästinensern haben sich zusammengetan, Umweltschützer taten es auch: Sie verweisen darauf, dass der Kanal durch eine erdbebengefährdete Zone gehen würde, und sie mahnen, dass die Auswirkungen des neuen Wassers auf das Tote Meer unabsehbar sind. Es gibt zwei Szenarien: Das Meer könnte rot werden, da das neue Wasser Algenblüten treibt, oder das Meer könnte weiß werden, da das neue Wasser Kalziumsulfat – Gips – auskristallisieren lässt. Deshalb möge man lieber am Jordan sparsamer mit dem Wasser umgehen. Das würde nicht reichen, das wissen die Umweltschützer auch, sie schlagen deshalb Wasserimporte nicht vom Süden, sondern vom Norden her vor – Pipelines aus der Türkei –, und noch viel kürzer wäre natürlich der Weg vom Westen her, vom Mittelmeer über israelisches Gebiet.

„Das wäre sicher billiger“, urteilt Weltbank-Experte David Meeham, der die Studie erstellt hat: „Aber nach meiner Einschätzung wäre das in Jordanien sehr unpopulär. Israel hätte dann das Trinkwasser von Amman unter seiner Kontrolle.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2013)

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34 Kommentare
 
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Vom Mittelmeer

Endlich kommt da wer drauf. Alle fürchten sich vom Steigen des Meeresspiegels, dann soll doch Wasser vom Meer in diese Depressionen geleitet werden, und da kann noch Energie gewonnen werden.
Vom Mittelmeer ist es kürzer, damit sind die Fallrohre steiler.

Jetzt lass mal die Moschee im Dorf!

Natürlich sinkt der Wasserstand im toten Meer.
Es verdunstet Wasser. Es fließt zu wenig nach. Es werden 100.000de Tonnen Salze (für die Waschmittel-, die Falmmschutzmittel-, die PVC-Industrie da rausgenommen.

Das t.M. ist also praktisch eine große Soline!

Und in Solinen wird nun mal Salzwasser nachgefüllt um die Entnahmen auszugleichen!

Hast du sch on einmal gehört, dass es in einer Soline eine ÖKA - Katastrophe gegeben haben?

Also, lass die Synagoge im Dorf!

Re: Jetzt lass mal die Moschee im Dorf!

Meinen Sie "Doline" oder "Saline"? :-)

Re: Re: Jetzt lass mal die Moschee im Dorf!

Empfehlung:
Erst googeln, dann fragen!

Gute Idee!

Bemerkenswert, ein politisch und wirtschaftlich wichtiges Friedensprojekt, vergleichbar nur mit der Montanunion, scheint an den widerständen der Grünen zu scheitern. Wahrlich eine Friedenspartei!
Frage: gibt es im toten Meer ausser einigen Bakterien noch ander schützenswerte Lebewesen? Wen stört der augefällte Kalk im Wasser, ausser ein paar Grüne?

Re: Gute Idee!

Grün ist eben die Farbe der fundamentalen Dummheit !!

Re: Re: Gute Idee!

jetzt haben wir vor kurzem so eine nette Diskussion geführt und dann kommen Sie mit so einem strohdummen Satz daher. Ich hätte mir bei Ihnen ein differenzierteres Denken erwartet.

Re: Re: Re: Gute Idee!

Nennen Sie mir eine einzige wirklich gute Idee der Grüninnen!

Re: Re: Re: Re: Gute Idee!

Die Grünen haben den Umweltschutz in den Achzigern erst zum Thema gemacht. Aber meinen Sie eigentlich die politische Partei? Oder NGOs? Oder Einzelpersonen? Das ist mir nicht ganz klar. Beim Roten Meer geht es jedenfalls um ein komplexes politisches und ökologisches Problem, wo soll da eine "fundamentale Dummheit" sein, wenn man gegen den geplanten Kanal argumentiert?

Re: Schlechte Idee!

Umweltschutz nach Art der Grüninnen ist ein einziger Hohn !!

Aber was bitte soll an der Idee schlecht sein, wenn man ein austrocknendes Meer mitten in der Wüste wieder mit Meerwasser auffüllen will und dabei, wenn sonst schon nichts, zumindest "umweltfreundich" Strom erzeugen kann ?????

Re: Re: Schlechte Idee!

Das was Sie aufzählen sind die Vorteile. Der Nachteil ist, dass ein einzigartiges Meer damit wohl zerstört wird (auch für die Wissenschaft). Dies gegeneinander aufzuwiegen ist alles andere als einfach. Hier geht es um einen häufigen Konflikt: Darf ich Natur zerstören um umweltfreundlichen Strom zu erzeugen? Und ist der Strom dann noch umweltfreundlich?

Wo genau ist der Hohn beim Umweltschutz durch die Grünen? Ich seh auch einige Ideen der Grünen in dem Bereich kritisch, trotzdem sind sie den anderen Pareien in der Umweltpolitik nach wie vor um Einiges voraus.

Re: Re: Re: Schlechte Idee!

Sie geben hier gerade wieder ein schlechtes grünes Beispiel!

Das Tote Meer tocknet aus, weil sein einziger Zufluß, der Jordan kaum mehr Wasser führt, da der Großteil davon auf die israelischen Felder abgeleitet wird und dort verdunstet!

Was also wollen Sie jetzt schützen???

Wirkliche Umweltpolitik wäre zB. die Vermeidung des Plastikverpackungswahns einschließlich der Flaschen!!! Da hört man absolut nichts von den Grüninnen.

Re: Re: Re: Re: Schlechte Idee!

Glawischnig (die ich sonst nicht sehr schätze) hat sich erfreulicherweise schon mehrmals gegen Plastikverpackungen ausgesprochen.

Ich habe gar kein Beispiel gegeben, ich wollte nur darauf hinweisen, dass es sich um ein komplexes Problem handelt, bei dem es wohl keine einfachen Lösungen (bzw. schwarz weiß denken im Sinne von "alles was die Grünen sagen ist Schwachsinn") gibt. Selbstverständlich ist das Hauptproblem die Ableitung des Jordan und ich würde auch zuerst dort ansetzen. Trotzdem würde ich mich nicht trauen hier von richtig oder falsch zu sprechen, bevor ich mich intensiv mit der Materie befasst habe.

Re: Re: Re: Re: Re: Schlechte Idee!

Also das istvon der Glawischnig wohl vollkommen untergegangen! Ich höre sie nur immer gegen andere Parteien keifen, die SPÖ weitgehend ausgenommen und sonst nur das Feminismusthema reitend ständig gutmenscheln!

Die Welt ist nun einmal nicht einfach, aber deshalb alle Veränderungen prinzipiell ablehnen, ist auch nicht sehr zukunftsträchtig....

calciumcarbonat

ist kalk und nicht gips (calsiumsulfat)

Re: calciumcarbonat

... außerdem "kristallisiert" Gips nicht.

Re: calciumcarbonat

Asche auf mein Haupt
oder wenn es sein muss, auch Pottasche,
ich bitte um Nachsicht

Re: Re: calciumcarbonat

Kalziumcarbonat ist schlichtweg Kalk(gestein), Pottasche ist Kaliumcarbonat; fein zerbröselt eignet sich aber beides zur Streuung auf Häupter. Sie können wählen.

Re: Re: Re: calciumcarbonat

Ich würde gerne auf Ihre Kompetenz vertrauen: Was empfehlen Sie für Mittwoch?

Re: Re: Re: Re: calciumcarbonat

Nehmen Sie nichts, was Ihre Haut reizen oder gar Ihren Haarwuchs beeinträchtigen könnte. Wenn Sie unbedingt was wollen, empfehle ich Ihnen Rosenblütenblätter.

Re: Re: Re: Re: Re: calciumcarbonat

vergelts,
aber wissen Sie, ich bin so rundum ergraut, nachgerade erweißt,
dass Rosen doch etwas übertrieben wären,

haben Sie einen guten Tag

Re: calciumcarbonat

Und es ist zu befürchten, dass das ganze Projekt ebenso sorgfältig recherchiert und geplant ist...

Re: Re: calciumcarbonat

habe ich Sie eigentlich schon beglückwünscht zu
Ihrem Pseudonym?

Re: Re: Re: calciumcarbonat

Wie komme ich zu der Ehre? Welche Bedeutung vermuten sie hinter meinem Pseudonym?

Re: Re: Re: Re: calciumcarbonat

tja,
eine Antwort wäre schon nett

Re: Re: Re: Re: Re: calciumcarbonat

Entschuldigen sie! Ich wollte nicht den ganzen Faden ihres Beitrags mit meinen Ansichten zu Pseudonymen verunstalten.

Ja, Entlaubungsmittel. Vom Liebling der Massen JFK zum Einsatz freigegeben. Gefährlich, tödlich durch Verunreinigung mit Dioxin. Zweck war durch den dichten Dschungel sehen zu können.
Eine Allegorie auf die Fähigkeit, die Wahrheit im Nebel der Verschleierung erkennen zu können.

Zusammen mit dem Vorwurf zum Zeitpunkt meiner Anmeldung, dem BZÖ nahe zu stehen, fand ich diesen Nickname doppelt passend.

Heute freuen mich die Anfangsbuchstaben A&O mehr....
;-)

 
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