Kinder von drei Elternteilen kommen bald

Großbritannien will Erbkrankheiten durch "Drei-Personen-Embryos" verhindern.

Kinder drei Elternteilen kommen
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Kinder drei Elternteilen kommen
Kinder drei Elternteilen kommen – (c) ASSOCIATED PRESS (ADVANCED CELL TECHNOLOGY)

In der Reproduktionsbiologie rast kein Land so voran wie Großbritannien: 1978 wurde dort Louise Brown entbunden, das erste Retortenbaby, das Moraltheologen fragen ließ, ob so ein Geschöpf wohl eine Seele habe; 2003 kam das erste Designerbaby zur Welt, ein Kind, das eigens gezeugt wurde, um einem schon lebenden, aber ansonsten unheilbar kranken Geschwister mit einem genetisch passenden Transplantat zu helfen. Und demnächst kommen die ersten „Drei-Personen-Embryos“, die „Human Fertilisation and Embryology Authority“ (HFEA) hat es der Regierung auf deren Anfrage empfohlen, und diese Empfehlungen werden für gewöhnlich Gesetz: Diesmal geht es um Erbkrankheiten wie Myopathie, eine Muskelschwäche, die in den Rollstuhl bannt.

Das ließe sich verhindern, denn das verantwortliche Gen sitzt nicht im Zellkern, sondern in den Mitochondrien, den Zellkraftwerken. Die haben ganz wenige Gene – 37 –, aber deren Mutanten können eben auch krank machen: 6000Menschen im Jahr. Deshalb will man sie in Großbritannien nun vom großen Genom im Zellkern entfernen, bzw. man will es umgekehrt tun: Hat eine Frau eine „mitochondriale Krankheit“ und will ein gesundes Kind, dann könnte man mit dem Sperma ihres Mannes im Labor ein Embryo zeugen und diesem die Kern-DNA entnehmen. Die würde man dann in ein entkerntes Spenderei einer Frau übertragen, die mitochondrial gesund ist. Das Kind hätte also die Gene von zwei Müttern und einem Vater.

„Es ist nicht wünschenswert, Kinder auf diese Art zu erzeugen“, kritisierte die Organisation „Comment on Reproductive Ethics“: „Es wird die Welt schockieren.“ Warum sollte es das, fragen Ärzte zurück: „Wir tauschen nur die Energiequelle aus.“ jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2013)

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