Das jährliche Osterwunder im Meisennest

29.03.2013 | 18:08 |  Von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Meisenweibchen signalisieren mit Farbenschmuck, dass sie gute Mütter sein werden.

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Jetzt wird es in den Gärtchen laut, die gefiederten Freunde ignorieren den Schnee nicht einmal und legen los, am lautstärksten tun es natürlich die, die in hellen Scharen unterwegs sind, die Kohlmeisen. Die stellen auch die Augen der Beobachter auf die Probe: Bei den meisten Vögeln putzen sich die Männchen heraus, und die Weibchen halten sich zurück.

Bei den Meisen ist es anders, hier tun es auch die Weibchen, weiß Bäckchen, schwarzer Kopf und schwarzer Brustreif, man kann die Weibchen kaum von den Männchen unterscheiden. Letztere schmücken sich natürlich, wie überall im Reich der Tiere – und dem des Menschen auch – der sexuellen Selektion wegen: Sie wollen erwählt werden. Aber die Weibchen? Offenbar wollen auch sie erwählt werden, darauf deutet ein wunderlicher Befund (Frontiers in Zoology, 24. 3.): Vladimir Reme? (Olmück) hat die Eier von stark und weniger stark gezeichneten Weibchen ausgetauscht. Die Jungen, die zu weniger stark Gezeichneten kamen, entwickelten sich normal, sie hatten ja ihre guten Gene mit. Aber die anderen, die zu stärker Gezeichneten kamen, entwickelten sich besser. An den Genen kann es nicht liegen, sondern nur am Verhalten dieser Weibchen. Und offenbar signalisieren sie das – dass sie gute Mütter sein werden – mit ihrem Schmuck den Männchen.  jl

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