Erstmals menschliche Stammzellen durch Klonen erschaffen

16.05.2013 | 18:24 |   (DiePresse.com)

Für die neue Methode stand das Klon-Schaf "Dolly" Pate. Neue medizinsche Anwendungen könnten dadurch möglich werden. Vom menschlichen Klonen distanzieren sich die Forscher aber eindeutig.

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Wissenschaftler in den USA haben erstmals menschliche embryonale Stammzellen durch ein Klon-Verfahren hergestellt. Durch die Verwendung dieser Zellen erhoffen sich Mediziner Durchbrüche bei der Behandlung von Herzkrankheiten, Parkinson oder Querschnittslähmung. Der Leiter der Forschungsgruppe im Bundesstaat Oregon, Shoukhrat Mitalipov, erklärte, bei den neu geschaffenen Zellen handle es sich um echte Stammzellen, die sich zu Leber-, Herz- oder Nervenzellen ausdifferenzieren können. Die Forscher haben ihre Kenntnisse im angesehenen Fachmagazin "Cell" veröffentlicht.

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"Dolly" stand Pate

Das von Mitalipovs Gruppe angewandte Verfahren ähnelt dem Ansatz, der 1996 zur Schaffung des Klonschafes Dolly führte. Dabei wird aus einer Hautzelle das genetische Material entnommen und in eine menschliche Eizelle eingepflanzt, deren Zellkern zuvor entfernt wurde. Es sei noch ein weiter Weg, bis damit "sichere und effektive" Stammzell-Behandlungen entwickelt werden könnten, sagte Mitalipov. "Wir glauben allerdings, dass wir einen bedeutenden Schritt hin zur Schaffung der Zellen gemacht haben, die in der regenerativen Medizin verwendet werden könnten."

Methode nicht für Klonen von Menschen

Von einer Verwendung in der reproduktiven Medizin - dem Klonen von Menschen - distanzierte sich Mitalipov ausdrücklich. Dies sei nicht der Fokus seiner Arbeit, sagte er. Der Stammzell-Experte Rudolf Jaenisch vom MIT erklärte dazu, das Ergebnis stelle keinen Fortschritt beim reproduktiven Klonen dar. Bei entsprechend hergestellten Embryonen - deren Schaffung ohnehin illegal wäre - müsste man das gleiche Ergebnis wie bei Mäusen erwarten: "Die meisten sterben bei der Geburt und die anderen haben sehr ernste Probleme, wenn sie älter werden."

Schon 2005 wurde von koreanischen Forschern behauptet, dass sie menschliche Stammzellen mittels Klonen geschaffen hätten. Die Behauptungen stellten sich aber als falsch heraus. Embryonale Stammzellen können sich in jedes anderes menschliches Gewebe verwandeln. Daher kommt auch der Name "pluripotente Stammzellen". Aufgrund ihrer universellen Fähigkeiten wird seit mehr als zehn Jahren intensiv an der Materie geforscht.

(APA/Reuters)

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    Stammzellen Naeher mein Klon / Bild: (c) REUTERS (HANDOUT) Die zu den großen Hoffnungsträgern der Medizin stilisierten embryonalen Stammzellen schienen 2004 da. Es war eine Fälschung. Nun sind sie wirklich da, aber man weiß nicht, ob man sie noch braucht.

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56 Kommentare
 
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Schöne neue Welt?

Ich kann die allgemeine Freude nicht nachvollziehen. Die Erde ist bereits überbevölkert. Ärzte ohne Grenzen sind eifrig bemüht, jedes Leben in Dritte-Welt-Länder zu retten. Auch hierzulande werden Menschen zur Reproduktion ermutigt. Menschen werden immer älter und in absehbarer Zukunft kann sich jeder der sich's leisten kann klonen lassen. Wozu? Und wohin soll das alles führen? Es ist wie bei EU, bei Migration, etc... Niemand bedenkt die Langzeitfolgen.

Re: Schöne neue Welt?

wozu, fragen Sie ?
aha, und Querschnittgelähmte sollen gelähmt bleiben.

Re: Re: Schöne neue Welt?

Ja, er soll gelähmt bleiben, wenn nur auf Kosten eines anderen Lebens geholfen werden kann.

Ich werde meine Patientenverfügung jetzt erweitern!

Ich verbiete es mir auf Kosten eines anderen menschlichen Lebens zu helfen!

Re: Re: Re: Schöne neue Welt?

Inwieweit wird durch Laborproduktion von Stammzellen ein anderes menschliches Leben beeinträchtigt?

Re: Re: Re: Schöne neue Welt?

Inwieweit sind geklonte Stammzellen - wahrscheinlich sogar aus ihren eigenen Zellen geklont - ein "anderes Leben"?

Sie nutzen ja auch zahlreiche Medikamente, die an Tieren getestet wurden, etc.

Nach dem würde überhaupt keine Behandlung außer "verbinden" bei ihnen erlaubt sein...

Re: Re: Schöne neue Welt?

Warum nicht? Das haben sie sich - rein karmisch gesehen - selbst zuzuschreiben.

Fuer mich ist Wissenschaft wichtig

Uns allen erleichtert es unser Dasein und die nächsten Generation werden den Kopf schuetteln, dass wir hier die Möglichkeiten nicht sahen.

Der Hinkefuß dabei ist natuerlich die Gier und das Machtstreben einzelner und noch mehr von Staaten und Konzernen.

Aber ein Rueckzug auf Ethik, Religion, das kommt immer nur von Personen, die nicht wahr haben wollen, dass es auch anderes gibt, als das was wir bisher kennen. Immer schon wurden Forscher verlacht, verbannt, getötet und die Kirche drohte immer mit der Hölle.
Das sind altbekannt Mittel von Kirche, Despoten und Personen diese Drohungen glauben, ohne zu ueberlegen, warum diese Gegnerschaft ueberhaupt besteht.

Re: Fuer mich ist Wissenschaft wichtig

Erleichtert Forschung wirklich unser Dasein?

So wie ich das sehe ist der Mensch das einzige Lebewesen auf diesem Planeten für den Fortschritt immer mehr Schikanen bedeutet. Es gibt nicht ohne Grund viele Leute, die sagen, dass früher alles besser war.

Fortschritt bedeutet, dass durch Automatisierungen mehr Leute Jobs verlieren als neue Jobs geschaffen werden. Fortschritt bedeutet, dass die Leute vor lauter Allzeitverfügbarkeit überhaupt keine Möglichkeit mehr haben sich ohne Widersprüche aus bestens analysierten Systemen zurückzuziehen. Fortschritt bedeutet auch, dass das pure Leben, das eigentlich eine sehr einfache Sache wäre, aufgrund immer komplexerer Strukturen, neu entstehender Bürokratien und Infrastrukturen immer komplizierter zu meistern ist.
Ich sage jetzt aber nicht, dass Fortschritt generell schlecht ist aber er geht zu schnell und er bringt zu viele Dinge hervor, die Lebensgrundlagen zerstören. Und vor allem werden etwaige Folgen kaum abgeschätzt oder gar Schwächen im Vorfeld ausgemerzt. Nein, man haut es im Sinne des Kapitalismus und des Liberalismus einfach mal auf den Markt und schaut was passiert. Wenns dann doch nicht so gut war lindern wir mit weiterem Fortschritt die Auswirkungen, reißen dabei 2 neue Problemwunden für die Menschen auf und wurschteln eben weiter.
Und gegen so viele Menschenleben, die der Fortschritt schon gekostet oder verhunzt hat, ist alles was die Kirche oder alle Religionen gemacht haben ein Lärcherlschaß, darauf könnens Gift nehmen.

Re: Re: Fuer mich ist Wissenschaft wichtig

ROFL.

Gestiegene Lebenserwartung, Heilung zahlreicher Krankheiten, gehobene Lebensstandards (beheiztes Wohnen für alle, Hygiene, Lesen und Schreiben für alle...).

Fortschritt ist gut. Und wenn sie auf die "Opfer des Fortschritts" angeht, die Menschenleben, die er gekostet hat - die hat nicht der Fortschritt zu verantworten, sondern die Leute, die sich diesen Fortschritt zu nutzen gemacht haben, und - eben auch im namen der Religion - den ausgenutzt haben.

Seien es jetzt die ersten geschmiedeten Schwerter gewesen, die von religiösen Fanatikern eingesetzt wurden, bis hin zu zweckentfremdeten Passagierflugzeugen.

Ihr Problem ist nicht die Wissenschaft, sondern die Grundnatur des Menschen - nur ist die einzige Möglichkeit, diese zu überwinden, nicht blinder Aberglauben, sondern ordentliche, wissenschaftliche Erziehung.

es ist halt eine gottlose welt die wissenschaft


Re: es ist halt eine gottlose welt die wissenschaft

Wissen und glauben, manchen genügt Letzteres.

Re: es ist halt eine gottlose welt die wissenschaft

Die WELT ist gottlos. Punktum.

Wenn man das einmal erkannt hat, dann ists gleich viel einfacher.

Re: Re: es ist halt eine gottlose welt die wissenschaft

Das neue ultimative Argument:
Punktum.

jaja

Ok, das scheint zu funktionieren. Aber leider hat der Mensch die schlechte Angewohnheit nach mehr zu streben, dann kommt noch die Gier dazu und wenn man dann noch die Lobbys und Geld hinzurechnet hat man eine ganz klare Linie in welche Richtung es zukünftig gehen wird.

Schau ma mal, wie lange es dauert bis die Zombies durch die Gegend laufen weil so ein Experiment schief gegangen ist. Tschernobyl war auch mal super, Gentechnik könnte man unter Umständen als noch gefährlicher eistufen weil sie sich selbständig machen könnte.

Wie eben Forschung so stattfindet.

Erst forscht man wie man den Planeten am effizientesten ausbeuten und zerstören kann um irgendwann einzulenken und zu erforschen wie man den angerichteten Schaden mindern kann. Wobei an Ersterem aber nebenbei weitergeforscht wird. Genauso wird es auch in der Gentechnik passieren.

Wissenschaftler sind die gefährlichsten Menschen auf dem Planeten.

Re: Wie eben Forschung so stattfindet.

Der Mensch ist sicherlich eines der gefährlichsten Lebewesen auf diesem Planeten. Warum Sie die Wissenschaftler allerdings herausheben, verstehe ich nicht. Ohne Forschergeist, wuerden wir noch in Höhlen leben.


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Re: Wie eben Forschung so stattfindet.

Wie konnte Sie ohne technische Hilfsmittel hier posten? Mit der Kraft Ihrer Gedanken?

Re: Re: Wie eben Forschung so stattfindet.

Würde es einen Unterschied machen wenn ich ihnen die Nachricht eingeritzt an der Birke vor ihrem Domizil hinterlassen würde? Wären sie dann weniger entrüstet?

genial!


Fortschritt

Solange es die Wissenschaft u. Menschheit voranbringt ist mir das ziemlich egal was diese Ewiggestrigen davon halten. Ist das gleiche beim Saatgut. Entwickelt man gentechnisch verbesserte Sorten die Millionen Menschen mehr ernähren können ist man auch gleich der Teufel...

Re: Fortschritt


Eingriffe in die Natur =Erbgut hat es schon immer gegeben....oder woraus sind sonst die X-hundert Paradeiser-Sorten oder Hunderassen entstanden?!

C.c: wenn's technisch möglich ist, wird es gemacht.
Alles andere anzunehmen wäre naiv.

Was einzufordern wäre, ist eine seriöse Kontrolle...und da ist eine Versuchsreihe in westlichen Labors unproblematischer als Experimente in einem Hinterhof im Mittleren Osten.

Re: Fortschritt

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Klonen und auch nichts gegen Gentechnik, aber wenn Konzerne wie Monsanto Wissenschafer, Bauern u. s. w. mit Schlägerbanden beginnen einzuschüchtern (vor allem in Indien ist das ein Faktum), da sie Fakten bringen, die Monsanto nicht passen, muss man sich schon fragen, ob es nicht doch gefährlich ist, z. B. Spinnengene in Pflanzen einzubringen.

Kleinste genetische Veränderungen können Pflanzen zu Giftpflanzen machen und bei bestimmten Maissorten von Monsanto dürfte das tatsächlich der Fall sein. Es kann kein Zufall sein, dass Kühe, die mit diesen Maispflanzen gefüttert werden allesamt schwer und in gleicher Art (Euter) erkranken.

Klonen hingegen kann keine Gefahr darstellen, da es sich um Kopien von bereits vorhandenen Lebewesen handelt. Wer gegen Klonen auftritt ist meiner Meinung nach ein Massenmörder, da er medizinischen Fortschritt unterbindet.

Gelingt es z. B. Menschen z. B. nach einem Schlaganfall herunterzukühlen, dass sie quasi so langsam sterben, dass es sich in der Zeit ausgeht die "Ersatzteile" nachzuzüchten, hat man es geschafft. Dann werden Menschen auch 10.000 Jahre alt und sterben höchstens noch durch Unfälle, wo nicht schnell genug mit der Therapie begonnen werden kann.

Gegen Klonen gibt es wirklich keine wirklich stichhaltigen Argumente. Bei der Gentechnik bin ich nicht sicher, ob uns nicht einfach tatsächlich mitunter sehr gefährliche Pflanzen und andere Nahrungsmittel untergejubelt werden.

Re: Fortschritt

*sign*

Re: Fortschritt

"Solange Kernspaltung die Wissenschaft u. Menschheit voranbringt ist mir das ziemlich egal was die Bewohner von Hiroshima davon halten."

Im Prinzip, ja.

Es kann keine Lösung sein, bestimmte Dinge nicht zu denken oder zu probieren.


Re: Im Prinzip, ja.

Man kann Gedanken auch nicht aufhalten. Man kann Gedanken auch nicht "ungedacht" machen.
Und die Sehnsucht nach "Fortschritt" gehört zu dem was uns menschlich macht.

ABER: Es gehört auch dazu, diesen Fortschritt zu hinterfragen, sich über die Konsequenzen seines Tuns Gedanken zu machen. Blindes Forschen um des Forschens willen ist auch nicht die Lösung.

 
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