Biologie: Die Erde mit Pflanzen illuminieren?

In den USA ist ein Projekt auf dem Weg, das Pflanzen so umbauen will, dass sie im Finstern den Weg weisen. Im Crowd-Sourcing fand das starken Anklang.

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Pflanzen illuminieren – (C) Growing Plant Project

Be a part of history: Your name will be written in DNA, into the glowing plant genome!“ Wer derart in die Weltgeschichte eingehen will, muss nur 10.000 Dollar in folgendes Projekt investieren: „Leuchtende Pflanzen: Natürliche Beleuchtung ohne Elektrizität“. Beworben wird das auf einer Crowd-Sourcing-Plattform (www.kickstarter.com), 65.000 Dollar hätten zusammenkommen sollen, 449.513 sind es schon, aufgebracht von 7827 Unterstützern. Einer will für 10.000 Dollar unsterblich werden, andere trugen kleinere Scherflein bei, sie erhalten geringeren Lohn: Für 25 Dollar gibt es ein T-Shirt, auf dem sie schon glüht, die neu konstruierte Arabidopsis-Pflanze. Und wenn es sie einmal wirklich gibt – in einem Jahr soll es so weit sein –, erhält jeder, der mit 40 Dollar und mehr dabei ist, Samen zum Auspflanzen.

 

„Welt nachhaltiger gestalten“

Damit soll die Erde gleich doppelt erleuchtet werden. Zum einen geht es um eine neue Lichtquelle, zum anderen soll die Methode bzw. Wissenschaft ins rechte Licht gerückt werden, die die Erde illuminieren soll, die synthetische Biologie, einer Weiterentwicklung der Gentechnik: Bei der wurden natürliche Gene zwischen Lebewesen hin und her geschoben. Nun kommen Gene hinzu, die am Computer entworfen und dann synthetisiert werden. Diese Technik wird etwa von Omri Amirav-Drory betrieben, er stammt aus Tel Aviv und hat in Berkeley eine Firma, die Software zum DNA-Design anbietet: „Ich gehe durch eine Straße von Tel Aviv, da sind große Bäume, und ich stelle mir vor, wie wunderbar es wäre, wenn sie in der Nacht ein wenig leuchten würden“, bewirbt er die konkrete Idee und kommt dann zum Großen: „Ich wünsche mir, dass 100.000 Menschen meine Software benützen, um 100.000 weitere Probleme zu lösen. Wir brauchen diese Art der Technik, um unsere Welt nachhaltiger zu gestalten.“

Es geht also auch um die Demokratisierung der Biologie, die bald in jedem Hinterhof betrieben werden soll. Früher brauchte man hoch spezialisierte Labors, etwa als 1986 an der University of California, San Diego, die erste Leuchtpflanze gebaut wurde, klassisch gentechnisch: Man hatte das Leuchtgen der Glühwürmchen auf Tabak übertragen. Dort sorgt es für ein Enzym, eine Luciferase, das einen Naturstoff – ein Luciferin, bei den Glühwürmchen ein Benzothiazol – zum Leuchten bringt. Als man man den Luciferase-Tabak mit Luciferin besprühte, wurde es Licht (Science, 234, S.856).

2010 wurde das Verfahren verfeinert, nun mit synthetischer Biologie und an Bakterien: Ihnen wurden Gene für Luciferase und Luciferin eingebaut und miteinander verschaltet, die Wesen leuchten aus eigener Kraft. Nach diesem Vorbild sollen es nun auch die Pflanzen tun. Ob das gelingt, ist unklar, eine Garantie gibt es nicht, aber eines steht für die Projektbetreiber fest: „Ist es legal?“ „Ja, das ist es.“ Zumindest in den USA ist es das, das zuständige Landwirtschaftsministerium hatte nur einen Einwand: In der ersten Konstruktionsrunde werden die Gene mit Bakterien in Pflanzen eingebracht, und diese Bakterien dürfen nicht in die Umwelt geraten. Deshalb sollen die Gene in der Endproduktion mechanisch in die Pflanzen gebracht werden (mit Gen-Gewehren).

 

„Frivole Anwendung“

Aber ist das Ganze auch sicher? Schließlich sollen alle 5907 Unterstützter, die 40 Dollar und mehr investiert haben, Samen erhalten und die auspflanzen, wo immer sie wollen („Licht, aber keine direkte Sonne“). Die Projektbetreiber beruhigen: Arabidopsis sei eine selbst befruchtende Pflanze, die in den USA nicht heimisch sei.

Nicht alle teilen die Zuversicht: „Das ist eine frivole Anwendung der synthetischen Biologie“, urteilt Allison Snow, Ökologe an der Ohio State University (Naturenews, 4.10.). Und nach kurzer Schreckensstarre ist eine der schlagkräftigsten Agrar-NGOs erwacht – die kanadische etcGroup, sie hat schon Projekte des Gentechnikriesen Monsanto zu Fall gebracht – und antwortet dem „Kickstarter“-Offert mit einer „Kickstopper“-Kampagne (www.etcgroup.org).

Wer sich doch beteiligen und gar für 10.000 Dollar auch noch seinen Namen ins Glüh-Genom geschrieben haben will, muss sich sputen: Das Crowd-Sourcing schließt am Freitag, 1 Uhr, Eastern Daylight Time.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2013)

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