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Erdgeschichte: Wann vereinten sich die beiden Amerikas?

Erdgeschichte
Erdgeschichte / Bild: (C) Wikipedia 

Lange ging man davon aus, dass sich die Landbrücke zwischen Süd- und Nordamerika vor drei Millionen Jahren bildete. Aber neue Gesteinsdatierungen kommen auf mindestens zehn Millionen.

 (Die Presse)

Eines der größten Probleme in der jüngeren Erdgeschichte Amerikas stellen längst ausgestorbene Tiere dar, Terrorvögel etwa, die vor fünf Millionen Jahren in Texas Schrecken verbreitet haben, sie konnten nicht fliegen, waren aber drei Meter hoch und rasch wie Geparden. Und wo ist das Problem daran? Die Tiere waren aus Südamerika nach Nordamerika gewandert – aber vor fünf Millionen Jahren waren die beiden noch gar nicht vereint, das wurden sie erst zwei Millionen Jahre später, so ist der Stand seit 1876.

Da begründete Alfred Russel Wallace – er hatte unabhängig von Darwin die Evolutionstheorie entwickelt, sich aber vornehm zurückgehalten – die Biogeografie. In seinem Standardwerk („The Geographical Distribution of Animals“) postulierte er, dass die beiden Amerikas vor drei Millionen Jahren zusammengefunden hatten, damals hatte sich die verbindende Landbrücke gebildet – der Isthmus von Panama –, die das ermöglichte, was man später „Great American Biotic Interchange“ nannte: Tiere und Pflanzen machten sich auf den Weg, Igel und Stachelschweine etwa kamen vom Süden, in Gegenrichtung wanderten beispielsweise Pferde und Säbelzahnkatzen (Science, 341, S.230).

 

Paläozoologen bestätigen Biogeografen

Wallace zog seinen Schluss aus Beobachtungen lebender und fossiler Arten, endgültige Bestätigung fand er nach über hundert Jahren, als Paläozoologen die Radioisotopen in Foraminifera, schalentragenden Einzellern, in Bohrkernen der West- und der Ostküste des Isthmus analysierten: Vor vier Millionen Jahren entwickelten sie sich auseinander, in der von der alten Meeresströmung abgeschnittenen Karibik waren die Salzgehalte gestiegen. Viele ähnliche Arbeiten kamen zu ähnlichen Befunden.

Aber letzten Herbst wurde der Friede gestört, auf der US-Geologentagung trugen Camilo Montes (Bogota) und Carlos Jaramillo (Balbao) Unerhörtes vor: Die beiden Amerikas hätten sich schon vor 15 Millionen Jahren vereint, spätestens vor zehn. Das lasen die Forscher aus dem Vulkangestein, aus dem die Landbrücke sich gebildet hatte. Das Forschungsgeld kam vom Panama-Kanal-Projekt, das die Schifffahrtsstraße erweitern will und viele wissenschaftliche Dokumentationen in Auftrag gegeben hat.

Dabei wurden auch Fossilien gesichert, etwa die Fledermaus, die vor 19 Mio. Jahren den Weg von Südamerika über das Meer gefunden hatte. Nun ja, Fledermäuse können fliegen, und andere frühe Wanderer konnten schwimmen, Kaimane etwa. Aber die Terrorvögel und andere „Herold-Arten“ brauchten Land unter den Füßen, und nach Montes/Jaramillo war es zu ihrer Zeit auch da.

Dann allerdings stellt sich die Frage umgekehrt: Das große Wandern kam erst vor drei Mio. Jahren, darin hatte Wallace recht. Wie geht das zusammen? Vielleicht so, wie es David Roubik vorschlägt, der selbst sehr frühe Wanderungen von stachellosen Bienen – die kaum fliegen können – dokumentiert hat: Die Landbrücke bildete sich früh, aber sie wurde immer wieder aufgerissen und blieb erst seit drei Mio. Jahren stabil.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2013)

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1 Kommentare

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