Der Wohlstand der Österreicher

Lukas Schrott analysierte den Wohlstand in allen Regionen Österreichs. Gemessen an Bildung, Einkommen und Lebenserwartung gibt es ein klares West-Ost-Gefälle.

Wie definiert man Wohlstand? Genug Geld zu haben und gesund zu sein? Für internationale Vergleichsdaten ist auch die Bildung ein wichtiger Faktor für Wohlstand. So fasst der Human Development Index (HDI) der UNO das Durchschnittseinkommen, die Lebenserwartung und die Bildung der Bürger in jedem Land zu einem Indikator für Wohlstand zusammen. 2013 lag Österreich in dieser Liste auf Platz 21 von 187 Ländern.

„Doch ich wollte messen, wie der Wohlstand innerhalb eines Landes verteilt ist, am Beispiel von Österreich: Welche Regionen haben höheren Wohlstand? Kann man Muster erkennen, wenn man alle politischen Bezirke analysiert?“, sagt Lukas Schrott. An der Universität Innsbruck hat er für seine Dissertation (Volkswirtschaftslehre, Betreuer: Engelbert Theurl) das HDI-Modell verändert und einen „Regional Development Index“ erarbeitet: Damit lässt sich der Wohlstand im Seewinkel im Burgenland mit dem in der Wiener Innenstadt oder im Bregenzer Wald vergleichen.

 

Beste und schlechteste Bezirke in Wien

Die Daten über das jeweilige Nettoeinkommen, die Lebenserwartung und den höchsten Bildungsabschluss der Einwohner lieferte die Statistik Austria. „Wichtig war in unserem Modell, dass Wohlstand nicht ein Endergebnis ist, sondern schon bei den Möglichkeiten beginnt: Nur, wo es gute Bildungseinrichtungen, Arbeitsplätze mit gutem Einkommen und eine gute Gesundheitsversorgung gibt, können die Leute Wohlstand entwickeln“, erklärt Schrott. Vor allem die Bildung hebt Schrott als wichtige Voraussetzung hervor, mit der jeder Einzelne eher in Richtung Wohlstand gehen kann: „Die Handlungsmöglichkeiten in Beruf und Sozialleben steigen mit dem Bildungslevel.“

Die Analyse der Daten ergab schließlich ein klares West-Ost-Gefälle: Salzburg, Vorarlberg, Tirol und Kärnten erreichten die höchsten Wohlstandswerte, Oberösterreich, Niederösterreich und Wien liegen im Mittelfeld, während das Burgenland und die Steiermark die letzten Plätze belegen. „Interessant war der Blick auf die einzelnen Bezirke: Die besten fünf und die schlechtesten fünf liegen alle in Wien“, sagt Schrott. Höchster Wohlstand herrscht im ersten Bezirk, gefolgt von der Josefstadt und Währing. Das Schlusslicht ist Wien Favoriten, knapp vor Simmering und der Brigittenau.

Der Blick auf die Detailfaktoren zeigt, dass auch die Lebenserwartung dem West-Ost-Gefälle folgt: Vorarlberger, Tiroler und Salzburger können deutlich älter werden als Burgenländer, Wiener und Niederösterreicher, wobei im Bezirk Kitzbühel in Tirol die Einwohner am ältesten werden.

Schrott war „überrascht, dass ein so kleines Land wie Österreich so klare regionale Muster zeigt“. Das Einkommensmuster zeichnet ein anderes Bild: In Wien und dem umgebenden Speckgürtel wohnen die Menschen mit höchstem Einkommen. Ein ähnliches Muster wie für ganz Österreich findet sich in jedem Bundesland. „Auch in den einzelnen Bundesländern zeigt sich: Die Region der Landeshauptstadt hat stets höheren Wohlstand, die hinteren Randbezirke fallen stark ab.“

Schrott wollte auch klären, wie man den Wohlstand in allen Regionen verbessern könnte: „Die Unterschiede des Wohlstands sind innerhalb der Bundesländer größer als jene zwischen den einzelnen Ländern. Das heißt, hier müssten die jeweiligen Landesregierungen eingreifen und die Voraussetzungen für Wohlstand in den Regionen ihres Bundeslandes fairer verteilen.“ Nur in puncto Gesundheit und Lebenserwartung waren die Unterschiede zwischen den Bundesländern höher als die innerhalb jedes Bundeslandes: „Da liegt es an der Bundesregierung, den Zugang zur medizinischen Versorgung im ganzen Land anzugleichen.“

ZUR PERSON

Lukas Schrott, geboren 1982 in Feldkirch in Vorarlberg, studierte Psychologie und Volkswirtschaftslehre an der Uni Innsbruck. Die Dissertation schrieb der zweifache Vater nebenbei: Hauptberuflich war er an der FH Kufstein Projektleiter im Bereich Regionalentwicklung. Im August zog er zurück nach Vorarlberg, damit die Kinder dort in den Kindergarten kommen. Wie viele frisch Promovierte ist Schrott nun auf Arbeitssuche.

Alle Beiträge unter:diepresse.com/jungeforschung

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2014)

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