Mit jeder Teilung werden Zellen älter, und weil sich dabei Mutationen häufen, ist ein Sicherheitsmechanismus eingebaut: An den Enden der Chromosomen sitzen – wie die Kappen an den Enden von Schuhbändern – besondere Strukturelemente, Telomere. Bei jeder Teilung werden sie kürzer, damit „zählt“ die Zelle ihr Alter, und wenn sie weit genug gezählt hat, stellt sie ihre Teilung ein und stirbt – sofern die kürzer werdenden Enden nicht wieder verlängert werden. Das geht mit dem Enzym Telomerase. Aber es geht nicht in normalen Körperzellen, sondern nur in der Keimbahn (und in Tumorzellen), und auch dort nicht in allen Zellen: Ausgereifte Spermazellen verjüngen sich nicht. Aber sie können verjüngt werden: von Eizellen, welche viel Telomerase produzieren, und einem „sheltering complex“, der dafür sorgt, dass die Telomerase auch an den Telomeren andockt. „Wir haben das als Erste bemerkt“, berichtet Tomass Simonsson (Göteburg) der „Presse“: „Es hat große Bedeutung für die zukünftige Stammzellforschung.“
Denn: Wer embryonale Stammzellen (ES) durch Klonen gewinnen will, nimmt den Zellkern einer Körperzelle (und transferiert ihn in eine entkernte Eizelle). Die Zelle darf nicht alt sein – sonst würden die aus den ES gezogenen Körperzellen auch nicht alt –, ihre Telomere müssen lang sein bzw. wieder verlängert werden. Telomerasen von Eizellen könnte dafür sorgen (FASEB, 26.4.).
Unklar ist, ob das Telomer-Problem auch bei den stammzellähnlichen ipS-Zellen auftritt, die nicht auf dem Umweg über Eizellen verjüngt werden, sondern direkt durch eingeführte Gene. Diese Gene und ihr Transportmittel (bisher: Viren) bringen allerdings Tumorgefahr, deshalb sucht man andere Wege: Gefunden hat man schon welche, bei denen die Viren/Gene nach getaner Arbeit wieder aus dem Genom der Zielzelle geschnitten werden; nun kann James Thomson (UW-Madison) als Erster auf Viren verzichten: Er packt die Gene auf Plasmide – kleine DNA-Ringe –, die sich nicht lange vermehren. (Science, 26.3.) jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2009)

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