Dem Gehirn und der DNA beim Arbeiten zusehen

Infrastruktur. Am Vienna Biocenter wird millionenschwere Infrastruktur in einem eigenen Forschungsinstitut betreut. Aktuell helfen Förderungen über 1,7 Millionen Euro bei der Erweiterung der Mikroskopietechniken.

kreuz und quer ´Das Gehirn und ich´
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kreuz und quer ´Das Gehirn und ich´
(c) ORF (Langbein & Skalnik)

Da Forscher oft Infrastruktur benötigen, die sich einzelne Gruppen nicht leisten können, entstand an der Dr. Bohrgasse in Wien-Landstraße ein einzigartiges Zentrum an Forschungsstrukturen: Die „Campus Science Support Facilities“ (CSF) werden als Forschungsinstitut vom Wissenschaftsministerium gefördert und stehen den Forschern der fünf dort ansässigen Institute für Grundlagenforschung zur Verfügung. Neben modernsten Mikroskopen und Elektronenmikroskopen finden sich hier auch Massenspektrometer, Hochdurchsatz-Genomsequenzierer und die „Fliegenbibliothek“, also die Sammlung von 12.000 Stämmen der Drosophila-Fliege, an denen die Wirkung einzelner Gene erforscht werden kann. Sogar ein Kindergarten gehört zum „Campus Science Support“, damit die hier forschenden Eltern ihre Kinder ganz in der Nähe des Arbeitsplatzes in guter Betreuung wissen.

Im März dieses Jahres gab es eine ordentliche Finanzspritze für den Standort: Drei Projekte des Vienna Biocenters erhielten Förderungen von insgesamt 1,7 Millionen Euro aus dem Topf des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), der in dieser Ausschreibung neue bildgebende Verfahren unterstützen will.

Neben dem Projekt von Daniel Gerlich am Imba (siehe Lexikon), der die Mikrofasern der Zellteilung beobachten wird, werden auch Projekte des IMP und der Max-F.-Perutz-Laboratorien gefördert. Im Fokus stehen Zusammenarbeiten von Biologen und Physikern, um erstmals das sichtbar zu machen, was bisher noch verborgen war.

So wollen der Neurobiologe Manuel Zimmer und der Physiker Alipasha Vaziri vom IMP Nervenzellen im Gehirn in Echtzeit beim Denken beobachten. Als Modellorganismus dient der kleine Fadenwurm C. elegans: Sein Gehirn wird seit Jahrzehnten erforscht, da die Grundlagen der Informationsverarbeitung ähnlich sind wie beim Menschen. Bisher kann das lebende Gehirn nur an ruhiggestellten Fadenwürmern untersucht werden, jede Bewegung würde die Bilder unscharf machen. Mit der neuen Förderung wollen die Forscher es erstmals schaffen, die Gehirne von frei beweglichen Würmern zu messen. Durch eine Kombination von neuen Mikroskopietechniken soll sichtbar werden, wie Sinnesreize aus der Umgebung die Navigation der Tiere im Raum steuern.

 

Reparaturmaschinerie

Das dritte Projekt, geleitet von Dea Slade, Gruppenleiterin in den Perutz-Labs, arbeitet mit neu erworbenen UV-Lasermikroskopen, die nun erweitert werden sollen. Die Forscher fügen in lebenden Zellen gezielte, punktuelle Schäden in die DNA ein: Dann schauen sie dabei zu, wie im Zellkern die „Reparaturmaschinerie“ gestartet wird, und können so live und in Farbe erleben, welche Proteine wann aktiv sind, um Schäden im Erbmaterial zu beseitigen. (vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2015)

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