Künstlicher Fluss für die Forschung

Neues Forschungsgerinne an der Donau wird eröffnet.

An der Nordspitze von Wien-Brigittenau, wo der Donaukanal von der Donau abzweigt, gibt es eine neue Attraktion. Hier wird am Montag das erste Forschungsgerinne eröffnet, ein künstlicher Fluss für wissenschaftliche Untersuchungen.

Initiiert wurde das Projekt von der Boku Wien und der TU Budapest. Finanziert wurde der 2,6 Millionen Euro teure Bau großteils mit EU-Förderungen. Da es an dieser Stelle zwischen der Donau und dem Donaukanal drei Meter Gefälle gibt, können zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde – ganz ohne Pumpen – durch den Forschungskanal geleitet werden. Ein Rechen am elf Meter breiten Einlass aus der Donau verhindert, dass Fische oder Treibgut ins Forschungsgerinne gelangen.


Krabbelnder Schotter

Im künstlichen Fluss sollen nun im Freiland die großen Fragen unserer Fließgewässer untersucht werden. Warum frisst sich die Donau schneller in den Untergrund als im Labor berechnet? Das kann mit Steinen verschiedener Größe beantwortet werden, die über digitale Codes einzeln erkennbar sind.

Im 30 Meter langen Gerinne soll sichtbar werden, warum manche Teile des „Donauschotters wie Ameisen stromabwärts krabbeln“, wie es Helmut Habersack vom Institut für Wasserwirtschaft der Boku ausdrückt.

An einem Abschnitt wurden auch Weiden verschiedenen Alters gesetzt, um den Einfluss der Vegetation auf den Hochwasserspiegel zu messen. Und hier kann die in Österreich erfundene „Stromboje“ getestet werden. Das Minikraftwerk erzeugt ohne Staudamm Strom aus Wasserkraft. Im Gerinne werden Details geklärt, etwa, wie sich die Fließgeschwindigkeit um das schwimmende Gerät ändert, um später auf der Donau geeignete Standorte für „Strombojen“ zu finden. (APA/vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2015)

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