Effekt der Alterung am Arbeitsmarkt

Ökonomie. Die Uni Linz eröffnet das 150. Christian-Doppler-Labor Österreichs. Unter dem Titel „Alterung, Gesundheit und Arbeitsmarkt“ werden Massendaten verknüpft.

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Österreichs Bevölkerung ist alt und altert immer schneller. Dieser demografische Prozess lässt sich durch keine Verjüngungskur aufhalten. Die Lebenserwartung steigt um zwei Jahre pro Jahrzehnt. Derzeit liegt sie bei 77,7 Jahren bei Männern und 83,1 Jahren bei Frauen. Das wird künftig das Gesundheitssystem und den Arbeitsmarkt strapazieren – die Auswirkungen sind volkswirtschaftliche Fragestellungen geworden.

Bei den bisherigen 149 Christian-Doppler-Labors (CD-Labors) ging es überwiegend um naturwissenschaftliche-medizinische Forschung: „Nun eröffnen wir ein Labor, das gemeinsam mit Voestalpine, OÖ Versicherung und Emporia Telekom, AKH Linz, OÖ Gesundheits- und Spitals-AG und der OÖ Ärztekammer an ökonomischen Problemen arbeitet“, sagt Rudolf Winter-Ebmer, Professor für Arbeitsökonomie an der Uni Linz. Langfristig will das neue CD-Labor dazu beitragen, das Gesundheitssystem effizienter zu gestalten. Es will Anregungen liefern, um Spitalsambulanzen zu entlasten, Menschen zu einem gesunden Lebensstil zu animieren oder mit Lohnpolitik der Firmen das Pensionsalter mitzubestimmen. Studien zeigten, dass hohe Löhne am Ende des Berufslebens zu einem früheren Pensionsantritt ermuntern.

 

Trends erkennen

Doch zunächst muss das Labor vor allem Trends erkennen. Dazu analysiert es Daten, die Auskunft über das Beschäftigungsverhalten von über 50-Jährigen geben oder zeigen, warum und wann Leute zum Arzt gehen: „Wir arbeiten mit tausenden Daten von Fragebogenerhebungen bis hin zu Beschäftigungsverläufen von Sozialversicherungen“, sagt Winter-Ebmer.

Die Daten seien anonymisiert und geben keine genaue Auskunft über das Alter, den Ort oder den Namen der Personen. Nur eine quantitative Datenauswertung wappne Österreich vor Trends in der Zukunft, die Beschäftigungsverluste oder horrende Kosten mit sich bringen, sagt Winter-Ebmer.

„Wir sehen uns als Schnittstelle zwischen dem Arbeitsmarkt, dem Pensionssystem und der Gesundheit“, so Gerald Pruckner, Professor für Gesundheitsökonomie und gemeinsam mit Winter-Ebmer CD-Laborleiter.

Die Ökonomen arbeiten mit individuellen, codierten Daten einzelner Patienten, aber in großer Zahl, die bis in die Hunderttausende geht. So können sie gegen Meinungen, die sich zäh in den Köpfen der Menschen halten, argumentieren: „In der Vorstellung vieler macht der Arbeitsplatz die Menschen krank. Dem ist nicht unbedingt so. Ein Sinn erfüllender Job kann sich positiv auf die Gesundheit auswirken“, sagt Pruckner.

Pauschale Urteile dürfen nicht gefällt werden: Viele Männer und Frauen bauen – entgegen der weit verbreiteten Meinung – mit dem Antritt zur Pension gesundheitlich ab. Das neue CD-Labor will auch Legenden entkräften und die richtige Vorsorge ermöglichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2015)

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