Bures: Skeptisch über CERN-Ausstieg

Die SP-Ministerin steht nicht hinter ihrem VP-Kollegen Hahn.

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(c) APA (BARBARA GINDL)

Man sollte grundsätzlich immer überprüfen, „ob man nicht mit dem Ausstieg aus so renommierten internationalen Forschungsprojekten die Reputation Österreichs insgesamt aufs Spiel setzt“, sagte Infrastrukturministerin Doris Bures (SP) in einem APA-Interview. Damit meint sie das europäische Kernforschungszentrum CERN, und damit stellt sie sich demonstrativ nicht hinter Wissenschaftsminister Johannes Hahn (VP), der angekündigt hatte, Österreich werde seine CERN-Mitgliedschaft kündigen. Da diese durch einen Staatsvertrag vereinbart ist, müssen der Ministerrat und das Parlament einem Ausstieg zustimmen, die SPÖ muss also einverstanden sein.

Hahn bekräftigte indessen bei der feierlichen Sitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – deren Institut für Hochenergiephysik an der CERN-Forschung beteiligt ist – seine Entscheidung, die nicht leicht gewesen sei: „Wir haben unser Portfolio an Mitgliedschaften überdacht und analysiert: Schweren Herzens haben wir uns entschlossen, die CERN-Mitgliedschaft mit Ende 2010 zu beenden.“

 

Hahn: „Keine Zwangsehen“

Auch in einem offenen Brief betont Hahn, ihm sei die Bedeutung des CERN „für einen Teil der Physik – die Kern- und Teilchenphysik“ bewusst. Österreich habe auch mehr als 550 Millionen Euro investiert. Aber Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Organisationen seien „keine Zwangsehen“; „Eine kontinuierliche Fortschreibung von eingegangenen Verpflichtungen – nur um der Verpflichtung willen – ist der Tod jeder Erneuerung.“ 70 Prozent der ihm zur Verfügung stehenden Mittel seien an CERN gebunden, wenn diese frei werden, würden sich neue Perspektiven und Chancen für die österreichische Forschung eröffnen.

Der Ausstieg bei CERN, so Hahn, bedeute nicht, „dass es zu einem Kahlschlag in der Physik kommt“. In anderen Disziplinen werde „weiterhin an weltweit führender Stelle geforscht: in Innsbruck in der Astro-, Astroteilchen- und Quantenphysik, in Linz in der Halbleiter- und Festkörperphysik, in Wien in der Quanten-, Neutronen-, Material- und Astrophysik, in Graz in der Sonnen- und Biophysik und in Leoben in der Materialphysik – sowohl experimentell als auch theoretisch“. Hahn verspricht auch, dass weiterhin Mittel für Programme für Dissertationen am CERN zur Verfügung stehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2009)

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