Schweinegrippe: Spielt Arsen mit?

US-Forscher vermuten Konnex mit hohen Sterberaten in Mexiko. Nach der letzten Bilanz der WHO sind bislang in 42 Ländern 11.168 Menschen erkrankt und 86 gestorben.

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(c) AP (Matthias Rietschel)

Die Schweinegrippe H1N1 breitet sich weiter aus: Nach der letzten Bilanz der Weltgesundheitsorganisation WHO sind in 42 Ländern 11.168 Menschen erkrankt und 86 gestorben, 75 allein in Mexiko, vor allem junge Menschen. Letzteres könnte daran liegen, dass ältere einem ähnlichen Virus schon einmal begegnet sind – dem gleichen nicht: Die jüngste Genanalyse zeigte am Freitag, dass das jetzige H1N1 eine ganz neue Mischung ist (Science, 22.5.) – und ihr Immunsystem sich darauf eingestellt hat. Darauf deutet eine Analyse von Blutproben von Teilnehmern an Impfstoffstudien in den Jahren 2005 bis 2009 durch die US-Seuchenbehörde CDC: 33Prozent der Proben von Menschen über 60 hatten Antikörper, die auf H1N1 reagierten, bei den jüngeren (18 bis 60) waren es nur neun Prozent, Kinder hatten keine Antikörper.

Das ist nur ein Hinweis, kein Beweis – es wurde nicht gezeigt, dass die Antikörper Menschen schützen –, aber er wird dadurch gestützt, dass unter den Erkrankten in den USA nur ein Prozent älter ist als 60 (Morbidity and Mortality Weekly Report, 21.5.). Dort, in den USA, gibt es inzwischen die meisten Erkrankten (5764, es folgt Mexiko mit 3892), aber es gibt nur neun Tote. Dieses Rätsel könnte sich dadurch klären, dass bei der Todesrate in Mexiko das Trinkwasser mitspielt bzw. das darin enthaltene Arsen.

 

Trinkwasser schwächt Immunsystem

Arsen ist – von Natur her – in vielen Regionen der Erde im Grundwasser, nicht in sofort tödlichen Dosen. Aber in solchen, die auf Dauer Tumore bringen und auch das Immunsystem schwächen. In den USA gilt für Trinkwasser ein Grenzwert von 10 ppb, weltweit gibt es aber auch Wasser mit über 100. Solche Gehalte hat Joshua Hamilton (Dartmouth Medical School) an Mäusen getestet, die mit einem H1N1 infiziert waren (einem nahe verwandten Typ): Das Arsen brachte das Immunsystem durcheinander, es reagierte zu spät und zu stark, die Sterblichkeit der Mäuse war hoch.

„Wir wissen nicht, ob die erkrankten Mexikaner solches Wasser getrunken haben“, erklärt Hamilton: „Aber wir wissen, dass es in vielen Regionen Mexikos solches Wasser gibt, auch in der, in der die Grippe ausgebrochen ist (Environmental Health Perspectives, 20.5.). jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2009)

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