Wiener Forscher entdeckten "Ur-Stonehenge" mit 200 Steinen

Noch 40 der ehemals 200 4,5 Meter hohen Steine sind vorhanden. Der Fund liegt unter der steinzeitlichen Anlage von Durrington Walls nahe Stonehenge.

4,5 Meter sind die Steine des Sensationsfundes hoch.
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4,5 Meter sind die Steine des Sensationsfundes hoch.
4,5 Meter sind die Steine des Sensationsfundes hoch. – JUAN TORREJîN VALDELOMAR/JOACHI

Der Fund dürfte selbst die gigantischen Steinkreise von Stonehenge übertreffen: Österreichische und britische Wissenschafter haben ein riesiges Steinmonument in der Nähe des berühmten Stonehenge in Südengland gefunden. Das "Ur-Stonehenge" bestand zumindest aus 200 bis zu 4,5 Meter hohen Steinen. Ein Teil davon ist heute noch vorhanden. Es liegt unter dem Wall der drei Kilometer von Stonehenge entfernten steinzeitlichen Anlage von Durrington Walls.

"Mit den Steinen unter Durrington Walls haben wir also das erste große Steinmonument außer Stonehenge in der ganzen Landschaft entdeckt, wobei es mit zumindest 200 Steinen das größte Steinmonument in Großbritannien darstellt", Klaus Löcker von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien (ZAMG). Die neu entdeckte Anlage ist "mit größter Wahrscheinlichkeit weit älter" als das 4.000 bis 4.500 Jahre alte Stonehenge, meint Wolfgang Neubauer, Chef des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI).

Ohne Schaufel aber mit Magnetometer

Ganz ohne Schaufel und Spaten gelang der archäologische Sensationsfund den Wissenschaftern im Rahmen des internationalen Projekts "Stonehenge Hidden Landscape Project". In einer Kooperation der Universität Birmingham, des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie sowie der ZAMG wird seit 2010 ein zehn Quadratkilometer großes Gelände rund um Stonehenge Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer analysiert. Diese geophysikalischen Methoden liefern unter anderem detailreiche 3D-Bilder unterirdischer Gebäude und Anlagen.

Bei sogenannten "Henges" handelt es sich um steinzeitliche Anlagen, die aus einem runden oder ovalen Erdwall und einem innen liegenden Graben bestanden. Auf der Fläche im Inneren standen oft Stein- oder Holzpfahl-Kreise. Die wohl bekannteste derartige Anlage ist Stonehenge. Durrington Walls zählt mit einem Durchmesser von 500 Metern (Stonehenge: 110 Meter) zu den größten Henge-Monumenten. Die Anlage besteht aus einem 1,5 Kilometer langen, 30 Meter breiten und bis zu drei Meter hohen Wall und einem innenliegenden, knapp 18 Meter breiten Graben. Im Inneren wurden bei früheren Grabungen die Überreste von zwei Holzpfahl-Kreisen ("timber circles") und Häusern gefunden.

Bodenradaraufnahmen und eine Aufnahme durch elektrische Widerstandsmessung der untersuchten Fläche.
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Bodenradaraufnahmen und eine Aufnahme durch elektrische Widerstandsmessung der untersuchten Fläche.
Bodenradaraufnahmen und eine Aufnahme durch elektrische Widerstandsmessung der untersuchten Fläche. – APA/LBI ARCHPRO

Noch 40 der 200 Steine vorhanden

Von den ehemals 200 Steinen der Anlage sind allerdings nur mehr rund 40 bis zu 4,5 Meter hohe Steine vorhanden. Sonst sind nur mehr die Gruben zu erkennen, in denen sie aufgestellt waren. Aufrecht steht laut Löcker kein einziger Stein mehr. Sie dürften umgelegt worden sein, als der Erdwall darüber errichtet wurde. Bisher wurden nur im westlichen Teil des 1,5 Kilometer langen Walls Steine bzw. deren Überreste gefunden. LBI-Direktor Neubauer geht aber davon aus, dass nicht unter dem gesamten Wall Steine verborgen sind. "Ich bin überzeugt, dass das eine Steinreihe war, wie wir sie aus Carnac in Frankreich kennen", sagte er.

Wohin die im Untergrund nicht mehr vorhandenen Steine verschwunden sind, von deren Existenz nur mehr die Fundament-Gruben zeugen, ist unklar. Löcker hält es für "unwahrscheinlich, dass Steine, die in einer rituellen Landschaft wie Stonehenge schon einmal in Verwendung waren, nicht weiter genutzt wurden".

Mehrere Steinmonumente nahe Stonehenge

Aufgrund der Radardaten gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei den Monolithen im Untergrund von Durrington Walls mit hoher Wahrscheinlichkeit um Sarsen-Steine aus der Region handelt. Diese wurden auch für die eindrucksvollen Konstruktionen mit zwei Trag- und einem Deckstein ("Trilithen") von Stonehenge verwendet.

Dass es weitere Steinmonumente im Umkreis von Stonehenge gegeben hat, wusste man bereits. So wurde vor einigen Jahren am Ende der sogenannten Stonehenge Avenue, die den berühmten Steinkreis mit dem Fluss Avon verband, das sogenannte "Bluestonehenge" entdeckt - eine aus 27 Blausteinen bestehende Anlage. Allerdings ist davon kein einziger Stein, sondern nur mehr die Fundamentlöcher vorhanden.

(APA)

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