Schon Ägypter entdeckten den Dämonenstern

Der im 17. Jahrhundert beschriebene Himmelskörper Algol taucht früh in einem alten Horoskop auf, dem „Kalender von Kairo“, er repräsentiert dort den Himmelsgott Horus und seine Launen.

Ist sein Stern hell, kommt ein guter Tag.
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Ist sein Stern hell, kommt ein guter Tag.
Ist sein Stern hell, kommt ein guter Tag. – (c) Walters Art Museum

Dass irgendetwas höchst seltsam ist mit einem Himmelskörper in 96 Lichtjahren Entfernung, den man mit bloßem Auge sehen kann, fiel früh auf und wurde als bedrohlich gedeutet: Ptolemäus sah in ihm das Medusenhaupt – das zugehörige Sternbild nannte er nach Perseus –, für die Araber war er Ra? al-gūl, der „Kopf des Dämons“, im Mittelalter „Teufelsstern“, und Astrologen erblassen heute noch: „Er verkörpert eine verzehrende Leidenschaft, die einen mit Zorn und Wut überwältigen kann“, warnt eine Vertreterin der Zunft, Bernadette Brady.

Offiziell heißt er nach dem arabischen Namen Algol, und schon den frühen Beobachtern kann nicht entgangen sein, was das Seltsame an diesem Himmelskörper war, er pulsierte, wurde heller und dunkler. Vor allem den arabischen Astronomen kann es nicht entgangen sein, mit ihrer Präzision konnte sich lange niemand messen. Aber erst 1596 wurde ein pulsierender Stern beschrieben, Mira, 1669 folgte Algol, 1783 schließlich wurde beobachtet, in welchem Rhythmus er pulsiert, in einem von 2,86 Tagen. Das Pulsieren kommt daher, dass Algol Teil eines Doppelsterns ist und periodisch vom anderen verdunkelt wird.

Aber diese 2,86 Tage tauchen noch in einem ganz anderen Zusammenhang auf, und sie wecken Zweifel daran, dass den arabischen Astronomen keiner das Wasser reichen konnte: Offenbar haben schon die Ägypter das Pulsieren bemerkt. Diese Spur verfolgt seit geraumer Zeit Sebastian Porceddu, Physiker an der Universität von Helsinki, er vertieft sich immer eingehender in den „Kalender von Kairo“, das ist ein Schriftstück, das zwischen 1244 und 1163 v. Chr. entstand und in dem ein Horoskop gestellt war, über das ganze Jahr – es hatte zwölf Monate von 30 Tagen plus fünf Schalttage – und nicht für Individuen, sondern für das ganze Volk. Für dieses wurden die guten und die üblen Tage prophezeit und mit dem Handeln von Göttern in Verbindung gebracht. Einer der Spieler war der Mond, auch er pulsiert, alle 29,6 Tage, und immer dann taucht im Kalender von Kairo der Gott auf, den er repräsentiert: Seth. Das wusste man schon.

Das nicht: Alle 2,86 Tage kommt ein anderer ins Spiel, Horus, der Himmelsgott, der als Falke imaginiert wurde oder als Mensch mit Falkenkopf: „Die Götter jubilieren vor Freude, wenn Horus seinen Willen kundtut“, steht da etwa geschrieben oder: „Horus jubiliert.“ Das tut er immer dann, wenn Algol hell ist, dann kommt ein guter Tag, und ein besonders guter kommt, wenn auch der Mond hell ist: „Die weiße Krone für Horus, die rote für Seth.“ Ob die Horoskope stimmten, weiß Porceddu natürlich nicht, er ist aber sicher, dass die Entdeckung pulsierender Sterne weit vorverlegt werden muss, eben zu den Ägyptern (PLoS One 17. 12.). Bleibt noch von Ägyptologen zu klären, wie just das kombinierte Leuchten von Horus und Seth gute Zeiten verheißen haben soll: Sie waren erbitterte Feinde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2015)

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