Wenn Papageien Instrumente spielen

Instrumentenbau. Ein Team der Kunstuni Linz arbeitet an Musikinstrumenten für Papageien. Die Forscher wollen durch die Arbeit mit den Vögeln Rückschlüsse auf den Menschen ziehen. Es soll auch eine Papageienband entstehen.

OBER�STERREICH: FORSCHER UND K�NSTLER WOLLEN MUSIKINSTRUMENTE F�R PAPAGEIEN BAUEN
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OBER�STERREICH: FORSCHER UND K�NSTLER WOLLEN MUSIKINSTRUMENTE F�R PAPAGEIEN BAUEN
(c) APA/M.GROSS,MUSIKPROTOKOLL

„Interaktion zwischen Tier und Maschine gibt es schon mindestens seit der Erfindung des Ochsenkarrens“, sagt Martin Kaltenbrunner, Instrumentendesigner am Interface Culture Lab der Kunstuni Linz. Woran er nun mit seinem Kollegen Reinhard Gupfinger forscht, bringt diese Interaktion aber auf ein anderes Niveau. Die Forscher bauen nämlich Musikinstrumente für Graupapageien. Der große Unterschied zum Ochsenkarren: Die Tiere sollen die Maschinen zu ihrem eigenen Vergnügen nutzen. Dabei sollen Kenntnisse für den Instrumentenbau gewonnen werden, die sich auch auf den Menschen anwenden lassen.

 

Als Kunstprojekt gestartet

Die Forscher arbeiten mit der Künstlergruppe Alien Productions zusammen, die sich schon seit drei Jahren mit Graupapageien beschäftigen. Die Tiere bekommen einfache Musikinstrumente und wirken an den Performances der Künstler mit. Ab März 2016 erhält das Kunstprojekt eine neue, wissenschaftliche Ebene. Beteiligt sind neben den Instrumentendesignern Zoologen und Kulturwissenschaftler. Kaltenbrunner möchte Musikinstrumente bauen, die perfekt an die physischen und kognitiven Fähigkeiten der Papageien angepasst sind. Und diese Fähigkeiten sind beachtlich: „Die Tiere sind etwa auf dem Niveau von vierjährigen Kindern“, sagt er.

Alien Productions hat bereits einige Erfahrung mit sehr unterschiedlichen Instrumenten für Vögel. So nutzte man zum Beispiel einfache Schlaginstrumente, Gitter, die beim Kratzen mit dem Schnabel Klänge erzeugen, oder elektronische Spielzeuginstrumente. Die Grundlage für den nächsten Schritt – den Bau von eigens für Graupapageien angefertigten Instrumenten – ist also gut.

 

„An sich die gleiche Aufgabe“

Für Kaltenbrunner ist die Arbeit mit Tieren neu. Seit 2011 ist er Professor in Linz, davor arbeitete er an der Pompeu-Fabra-Universität in Barcelona. Dort entwickelte er mit einem Team den Reactable, einen tischförmigen Synthesizer, der weltweit mediale Aufmerksamkeit erregte. Denn er wurde auch von der isländischen Musikerin Björk bei ihren Auftritten benutzt.

Instrumente für Papageien anstatt für Menschen zu bauen sei „an sich die gleiche Aufgabenstellung“, sagt er. Indem man die „Komponente Mensch“ herausnehme, könne man aber zugleich abstrahieren und noch allgemeinere Erkenntnisse für den Instrumentenbau gewinnen. Grundlegende Gestaltungsprinzipien können dann vielleicht erkannt und auf den Menschen übertragen werden, hofft Kaltenbrunner.

Und er hat noch ein weiteres Ziel: vereinfacht gesagt, eine Papageienband. In der Arbeit von Alien Productions hat sich herausgestellt, dass die Papageien unterschiedliche Instrumente bevorzugen. Die Hoffnung sei also, dass die Tiere mit verschiedenen Instrumenten gemeinsam musizieren. Wie das Zusammenspiel dann funktioniert, werde wieder interessant für die Forschung.

Für das FWF-Projekt soll schrittweise ein Netzwerk von internationalen Experten aufgebaut werden. Der Kulturwissenschaftler Daniel Gilfillan von der Arizona State University ist schon dabei. Besonders stolz ist Kaltenbrunner darauf, dass die amerikanische Papageienforscherin Irene Pepperberg bereits Interesse signalisiert hat. Ihre Arbeit mit Graupapageien hat wichtige Erkenntnisse in der Sprachforschung gebracht. (pe)

Mehr: alien.mur.at/metamusic

LEXIKON

Graupapagei. Irene Pepperberg wies nach, dass die Vögel menschliche Sprache nicht nur nachahmen, sondern in einem sinnvollen Kontext nutzen können. Ihr Graupapagei Alex lernte unter anderem, 50 verschiedene Gegenstände sowie sieben Farben und fünf Formen korrekt zu benennen. Graupapageien nutzen auch Werkzeuge. Sie verwenden zum Beispiel Zweige zur Gefiederpflege.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2016)

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