Haschisch tötet das Gehirn nicht, Kokain tut es

Bei Haschisch entwarnen Forscher auch für Gehirne, die sich noch entwickeln. Bei Kokain generell nicht.

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(c) REUTERS

Was richten Drogen im Gehirn an? Sie machen süchtig, das tun alle. Sonst hat das Gesetz sie getrennt in die, auf die Steuern erhoben werden, und die, die Schwarzmärkte generieren, weil sie verboten sind. Verboten sind sie wegen des Verdachts, sie seien giftig für das Gehirn.

Besonders umstritten ist das bei der Droge, zu der Teenager in den USA häufiger greifen als zur Zigarette: Haschisch. 1845 unternahm der französische Psychiater Moreau de Tours einen Versuch an sich und seinen Studenten, er protokollierte „akute psychotische Reaktionen“. Das blieb umstritten, es war auch nur ein Kurzzeiteffekt, aber die Debatte zog sich. Zuletzt war der Stand der, dass ein erwachsenes Gehirn nichts zu fürchten hat, eines in der Entwicklung sehr wohl: Madeline Meier (Duke) konstatierte 2012 an 38-jährigen Neuseeländern, die mit 18 an Joints gezogen hatten, einen niedereren IQ – 92 statt 100 – als an Menschen, die nie zu der Droge gegriffen hatten oder das erst als Erwachsene taten (Pnas 109, E2657).

Das kann allerdings auch ganz andere Gründe haben, und das vermutet Josuah Isen (Penns), der Langzeitstudien in den USA ausgewertet hat: Marihuanakonsumenten verloren tatsächlich bis zum Alter von 19, 20 Jahren vier Punkte beim IQ. Aber sie waren mit elf Jahren schon mit einem niedereren gestartet, und sie konsumierten nicht nur Haschisch: Dessen Effekt verschwindet, nimmt man noch den von Alkohol hinzu. Zudem korreliert der IQ-Verlust nicht mit der Menge des Konsumierten, was man erwarten müsste, wenn es ein Nervengift wäre. Der IQ-Verlust liege also nicht am Haschisch, schließt Isen, sondern an anderen Faktoren, die nebenher auch für Drogen anfällig machen, familiären vor allem, mangelnder Obsorge (Pnas 18. 1.).

 

Kokain: Autophagie außer Kontrolle

Klarer liegt der Fall bei Kokain: Das ist hirntoxisch, in jedem Alter, das wusste man schon. Aber Solomon Snyder (Johns Hopkins School of Medicine) hat nun, auch in Pnas, den Mechanismus aufgedeckt: Körperzellen können auf mehren Wegen zu Tode kommen, durch Altern (Seneszenz) oder Selbstmord (Apoptose). Oder durch Autophagie, die außer Rand und Band gerät: Autophagie ist eine Aktivität, mit der Zellen ihren Müll wegräumen bzw. wiederverwerten. Gerät das außer Kontrolle, stirbt die Zelle. So wirkt Kokain. Snyder hat es an Mäusen im Detail gezeigt, er hat auch eine Substanz identifiziert, die diesen Zelltod abwendet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2016)

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