„Man muss die Vergangenheit der Sterne verstehen“

Hunderte Planeten anderer Sonnensysteme werden mittlerweile jährlich entdeckt. Auch österreichische Forscher wollen klären, ob es dort Leben geben kann. Und untersuchen dazu brave Sonnen und streitlustige Planeten.

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(c) REUTERS (NASA)

Menschliche Siedlungen auf weit entfernten Planeten anderer Sterne? Theresa Lüftinger hält sie nicht für unmöglich. „Die ersten Schritte solcher Projekte für den Mond oder den Mars könnte ich mir schon für die nächsten Jahrzehnte vorstellen.“ Noch vor einigen Jahren sind sogenannte Exoplaneten eher selten entdeckt worden. Heute jedoch beschäftigen sich bereits viele Forscher damit, diese genauer zu vermessen und herauszufinden, ob auf ihnen Leben möglich ist.

„Die wichtigsten Aspekte sind hierbei die stellare Aktivität und das Magnetfeld der umkreisten Sterne“, erklärt Theresa Lüftinger vom Institut für Astrophysik der Uni Wien. Sie organisiert das u. a. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unterstützte Symposium „Die Astrophysik der planetaren Bewohnbarkeit“ mit, das ab Montag, 8. Februar, die ganze Woche lang Experten dazu versammelt.

„Welche Strahlung geht vom Stern aus? Welche Temperatur herrscht vor? Welches Material wird ins All geschleudert? Das sind die Hauptfragen“, sagt Lüftinger. Zusätzlich versuchen Astrophysiker auch mehr über die Entwicklungsgeschichte der Sterne herauszufinden. „Es reicht nicht, sich die aktuelle Situation von Sonnensystemen anzusehen. Man muss mehr über die Vergangenheit von Sternen wissen, um klären zu können, ob in ihrer Gegenwart Leben entstehen kann“, so die Astrophysikerin.

 

Bildkarten von Sternen

All das liest Lüftinger aus Daten über die Magnetfelder der Sterne. Dazu braucht sie Spektropolarimeter und das sogenannte Zeeman-Doppler Imaging. Das Verfahren erklärt sie so: „Es ist, als würde man einem Teleskop einen große Polarisationsfilter aufsetzen. Damit kann man dann mehr erkennen als nur das sichtbare Licht – etwa die Form des Magnetfelds. So kann ich quasi Bildkarten von Sternen erstellen.“

Wenn geklärt ist, ob der Planet um eine brave Sonne kreist, also eine, die möglichst wenig pulsiert und stabil leuchtet, geht es daran, sich die Planetenoberfläche genauer anzusehen. Dabei sind insbesondere Kollisionen interessant. „Die frühe Erde hatte ja auch nicht immer schon so viel Wasser, eines der Hauptbestandteile für Leben. Das musste erst irgendwie hintransportiert werden“, meint Lüftinger.

Unsere Erde hat sich mittlerweile beruhigt, früher war sie, wie auch die meisten Exoplaneten, weitaus streitlustiger und von regelmäßigen Impakten gezeichnet. Solche Ereignisse erforscht Christian Köberl vom Institut für Lithosphärenforschung der Uni Wien. Der Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien spricht bei der Tagung über frühere Erdkollisionen, aus denen sich Erkenntnisse für andere Planeten ableiten lassen. „Ich beschäftige mich auch mit Kosmochemie, der Entstehung des Sonnensystems und planetarer Geologie“, sagt Köberl.

Er arbeitet mit geologischen Proben der Erde sowie extraterrestrischen Proben, vor allem von Meteoriten. Mit chemischen Untersuchungen und Altersbestimmungen bekommt man daraus ein Bild der Umweltbedingungen von der Frühzeit der Erde und des Sonnensystems.

Und die Ziele der Bewohnbarkeitsforschung? „Einerseits gilt es zu überlegen, ob es andere für Menschen besiedelbare Planeten geben könnte – auch wenn dieses Ziel wohl in weiter Ferne liegt. Und andererseits will man herausfinden, ob es anderswo im Universum auch Leben gibt“, sagt Lüftinger.

In Zahlen

2000 Exoplaneten wurden in etwa seit den 1980er-Jahren entdeckt. Allein das Kepler-Weltraumteleskop hat seit 2009 mehr als 1000 Planeten, die einen anderen Stern umkreisen als unsere Sonne, gefunden.

1 Fünftel aller sonnenähnlichen Sterne wird von einer potenziellen neuen Erde umkreist. Statistisch gesehen gibt es also relativ viele möglicherweise bewohnbare Planeten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2016)

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