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Wie wurden die Menschen groß? Nicht als Vegetarier!

Fleisch wird aufgeschnitten
Fleisch wird aufgeschnitten / Bild: (c) Clemens Fabry 

Der entscheidende Schub in unserer Evolution kam, als unser Ahn Homo erectus die Steinwerkzeuge erfand. Mit ihnen konnte vor allem Fleisch in so mundgerechte Happen zerteilt werden.

 (Die Presse)

Vor etwa zwei Millionen Jahren erhob sich unser Ahn Homo erectus zum aufrechten Gang, und er wurde partiell größer, partiell kleiner: Er streckte sich auf 1,60 bis 1,80 Meter, und er legte vor allem im Gehirn zu, brachte es auf 1000 Kubikzentimeter, unser früherer Ahn Australopithecus hatte 450, wir haben um die 1200, es schwankt individuell stark. Im Gegenzug schrumpfte sein Darm, der Kauapparat tat es auch, von den Zähnen bis zu den Kiefermuskeln.

Wie war das möglich, mehr Energieaufnahme – vor allem das Gehirn ist hungrig – und zugleich weniger Verarbeitung des Energieträgers, der Nahrung? Zwei Hypothesen konkurrieren: H. erectus habe seine Ernährung teilweise umgestellt, von Blättern und Früchten auf Energiereicheres: Wurzeln, Süßkartoffeln etwa, und, vor allem, Fleisch. Das sei ihm durch seine große Erfindung möglich geworden, die der Steinwerkzeuge, sie tauchten vor zwei Millionen Jahren auf, mit ihnen hätte man Tierkadaver entbeinen und nach Wurzeln graben können.
Die Gegenhypothese setzt auf eine andere Erfindung, die der Domestizierung des Feuers. Sie wurde von Richard Wrangham (Harvard) Stück für Stück entwickelt und beherrschte in den vergangenen Jahren das Feld. Sie klingt auch höchst einleuchtend: Durch das Kochen und Braten wird mehr Energie in den Speisen zugänglich, zugleich wird das Kauen und Verdauen einfacher, Kauapparat und Gedärm können schrumpfen.

Das ist höchst plausibel, es hat nur einen Schönheitsfehler: Die ältesten bekannten domestizierten Feuer loderten vor 600.000 Jahren, nicht vor zwei Millionen. Deshalb ist Daniel Lieberman, ein kongenialer Kollege von Wrangham in Harvard, nun wieder zu den Steinwerkzeugen zurückgekehrt. Bzw. er hat seine Mitarbeiterin Katherine Zink etwas tun lassen, was ihm beim Zusehen „ein wenig den Magen umdrehte“: Zink setzte Testessern rohes Fleisch vor, Ziegenfleisch, und rohe Wurzeln. Dann sollten sie so lang kauen, bis alles klein genug zum Schlucken war.

 

Unzerteiltes Fleisch ist wie Kaugummi

Schlucken durften sie es nicht, sie mussten es ausspucken, dann vermaß es Zink, während des Kauens hatte sie am Kiefer schon die Zahl der Bisse und ihre Kraft gemessen. Zunächst gab es ein faustgroßes Stück Ziege, das konnte nicht klein gearbeitet werden, „es ist elastisch, wie Kaugummi“, erklärt Zink. Das wusste man schon von Schimpansen, die ab und zu andere Affen erjagen: An einer Beute von vier Kilo haben sie fünf bis elf Stunden zu kauen. Auch mit ihrer normalen pflanzlichen Nahrung sind sie fast den ganzen Tag beschäftigt, uns ginge es etwa mit ganzen rohen Erdäpfeln nicht anders. Aber dann gab es im Experiment Kleingeschnittenes, das machte die Arbeit leicht: Wer 2000 Kilokalorien am Tag aus rohen unzerkleinerten Wurzeln ziehen will, muss 40.000-mal kauen. Kommt ein Drittel unzerkleinertes Fleisch dazu, braucht es 156 Kaubewegungen weniger. Die große Einsparung bringt das Zerteilen, vor allem das des Fleischs: Das spart 17 Prozent des Kauens – 2,5 Millionen Bewegungen im Jahr –, und das Kauen arbeitet diese Speise so klein, dass sie um 41 Prozent leichter verdaulich wird (Nature 9. 3.).

„Das Verarbeiten außerhalb des Mundes erst durch Werkzeuge und später durch Kochen war enorm wichtig für unsere Evolutiion“, schließt Lieberman: „Es hat uns große Hirne wachsen lassen und kleine Kauapparate, die Sprechen ermöglichen. Zum Teil sind wir die, die wir sind, weil wir weniger kauen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2016)

 
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18 Kommentare
ChristianSchneider
10.03.2016 11:51
7

Energie alleine ist nicht genug

Nahrung muss auch Grund- und Baustoff liefern.

Der größte Vorteil des Fleischkonsums liegt im hohen Proteingehalt des Fleisches. Interessant, dass das hier vollkommen ignoriert wird.

Ginge es nur um Energie, dann wären Früchte eh super.

Antworten Jodlerfranz
10.03.2016 13:42
0

Re: Energie alleine ist nicht genug

so einen hohen proteingehalt hat Fleisch im Vergleich zu verschiedenen Pflanzlichen Alternativen (wie z.b. verschiedene Algen) gar nicht......das ist leider ein weitverbreiteter Irrglaube!

Antworten Antworten hudroliclo
10.03.2016 18:48
1

Die Diskussion hatten wir doch schon

Essentielle Aminosäuren und daraus abgeleitet die Wertigkeit verschiedener Eiweissquellen, erinnern sie sich?
Das Ergebnis war,nein, Algen sind nicht bessere Proteinquellen als Fleisch, nicht mal annähernd.


Antworten Antworten ChristianSchneider
10.03.2016 14:08
8

Re: Re: Und weil dieser weitverbreitete Irrglaube

von Veganern so klar durchschaut wird, landen diese oft beim Hepatologen, der eine Fettleber diagnostiziert, obwohl der Patient weder Alkohol trinkt noch übergewichtig ist.

Das müssen sie nicht verstehen oder glauben, denn eines habe ich in langen Jahren gelernt: Vegetarismus und Veganismus sind für viele Leute eine Ideologie oder Ersatzreligion.

Antworten Antworten Antworten yoshi
10.03.2016 14:51
0

Re: Re: Re: Und weil dieser weitverbreitete Irrglaube

Falsche vegane Ernährung mit richtiger "Allesfresserernährung" zu vergleichen ist aber jetzt selbst ein wenig unsachlich, finden Sie nicht? Ist als würde ich gegen Fleischkonsum Menschen ins Treffen führen, die jeden Tag fettige Burger in sich hineinstopfen und dann mit 45 an Herzversagen sterben (kommt im Übrigen sicherlich weit häufiger vor!).

Was ich sagen will: Die Grundaussage von Jodler ist richtig. Welche Motive Veganer für ihr Handeln haben, spielt hier hingegen keine Rolle. Klar gibts da genug die es machen um sich Anderen gegenüber erhaben zu fühlen. Ändert aber nichts an den Fakten.

Antworten Antworten Antworten Antworten ChristianSchneider
10.03.2016 16:58
4

Ich habe lediglich festgestellt,

dass Veganer relativ oft mit Protein-Mangelerscheinungen in ärztlichen Praxen auftauchen.
Ich würde dem gerne hinzufügen, dass Mischkost-Esser nie derartige Probleme haben.

Welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind, kann jedem selbst überlassen bleiben.

Dass man religiöse Menschen und ideologisch verblendete Fanatiker mit dem Hinweis auf die Realität nicht überzeugen kann, ist klar.

Ihnen zu Ehren erzähle ich eine weitere Episode: Vegetarierin gibt laufend Kurse in der Volkshochschule, um die Leute zu ihrer Religion zu bekehren. Dort erzählt sie, dass alles, was die Mediziner sagen, Unsinn wäre. Vegetarier bekommen keinen Eisenmangel. Sie selber wäre der beste Beweis dafür. Lebt seit 8 Jahren vegetarisch und braucht keine Eisenpräparate.

Ich war mal auf Besuch bei der, musste auf die Toilette. Was liegt da im Badezimmer rum?
Eine offene Packung ferro sanol® duodenal 100 mg

Antworten Antworten Antworten Antworten Adam Alpinski
10.03.2016 15:06
2

Re: Re: Re: Re: Und weil dieser weitverbreitete Irrglaube

Na ja,
nicht jeder Fleischesser stopft ständig fettige Burger in sich rein.
Nicht jeder, der gern Auto fährt ist ein dummer Raser.
Nicht jeder, der die Migrationspolitik kritisiert, ist ein .......

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten yoshi
10.03.2016 15:48
1

...

Genau das habe ich doch gesagt.. bitte gescheit lesen.

Oberhuber
10.03.2016 10:54
4

Und als er aufrecht gehen konnte

waren die Hände frei zum raufen.

Antworten user123
10.03.2016 12:38
8

Re: Und als er aufrecht gehen konnte

Stimmt! Den Tiere auf 4 Beinen sind noch nie übereinander hergefallen.

Antworten Antworten anonymous11
11.03.2016 11:42
2

Re: Re: Tiere auf 4 Beinen sind noch nie übereinander hergefallen

lol


eubürger
10.03.2016 10:08
8

Faktum ist

daß das menschliche Gebiss das eines typischen Allesfressers ist.
Wären wir als "Körndlfresser" gedacht, hätten wir einen anders beschaffenen Kauapparat.
Das sollten die körndlbeissenden Darwinisten und Grünwähler mal bedenken wenn sie gegen Fleischkonsum mit den absurdesten Argumenten Stimmung machen wollen.

Antworten Lagganmhouillin
10.03.2016 13:19
2

Re: Faktum ist

Nicht nur das, auch die Länge des Darms deutet darauf hin: die liegt genau zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern.

Antworten yoshi
10.03.2016 13:05
4

Re: Faktum ist

Als Allesfresser brauchen wir auch nicht jeden Tag Schnitzel und Co am Teller, jetzt einmal davon abgesehen, dass wir heute mehr als ausreichend Möglichkeit haben Fleisch komplett zu substituieren.

Absurd sind die Argumente gegen regen Fleischkonsum bei Gott nicht, er ist neben der Überbevölkerung einer der entscheidenden Faktoren bei der nachhaltigen Schädigung unseres Planeten, bitte bilden Sie sich, wenn Sie das wirklich bestreiten wollen.

Im Übrigen können Sie natürlich konsumieren was Sie wollen, aber bitte dann nicht mit solchen absurden Meldungen das eigene Gewissen beruhigen, am Ende glaubts dann noch jemand..

ceterum_censeo
10.03.2016 09:44
5

Das wird lustig

Ich hol mir mal Popcorn.

Norbert N.
10.03.2016 09:33
2

Fast richtig...

Allerdings setzt dies voraus, dass unsere fernen Vorfahren nicht gewusst haben, wie man ein faustgroßes Stück Ziege bearbeitet. Dem sei entgegenzuhalten, dass die vormenschliche Kreativität hier sicher einige (unappetitliche) Tricks auf Lager hatte.

Ing.Rid
09.03.2016 19:46
2

wow

sehr interessant!

Cadman2014
09.03.2016 19:22
3

Interessanter Gedankenansatz,

klingt sehr plausibel.

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