Warme Luft für das Wohlbefinden

Innsbrucker Forscher zeigen, dass in Passivhäusern ein angenehmes Raumgefühl auch ohne Heizkörper oder Fußbodenheizung möglich ist, und zwar mit der Luftheizung.

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(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Wer ein Passivhaus baut, könnte eigentlich die Kosten für ein Heizsystem sparen. Denn das ausgeklügelte Belüftungssystem, das Frischluft nicht durch die Fenster, sondern über Lüftungsleitungen von außen einbringt und verbrauchte Luft nach außen abgibt, kann auch zum Heizen genutzt werden. Die sogenannte Luftheizung ist in Österreich aber nicht sehr beliebt, die meisten Nutzer setzen auf vertraute Heizsysteme mit Heizkörpern oder Fußbodenheizung, bei der Wasser und nicht Luft als Wärmeträger genutzt wird.

Passivhäuser sind jedoch so konzipiert, dass die dichte und gut gedämmte Gebäudehülle, die dichten Fenster und die Vermeidung von „Wärmebrücken“, kaum Wärmeverlust nach außen zulassen. Man braucht in einem Passivhaus nicht 100 Watt pro Quadratmeter Heizleistung, wie etwa in Altbauwohnungen, sondern nur zehn Watt pro Quadratmeter, ein Wert, der mit Luftheizung gut möglich ist.

Eine Studie aus dem Programm „Haus der Zukunft“ des Technologieministeriums, die an der Uni Innsbruck durchgeführt wurde, zeigte nun, wie hoch die Skepsis gegenüber der Luftheizung in Österreich ist. In einer Befragung gaben 80 Prozent der Fachleute aus Energieinstituten, Bauträger, Haustechnikplaner und Facility-Manager an, dass sie ein Passivhaus empfehlen würden.

 

Noch Skepsis bei Luftheizung

Aber nur 15Prozent empfehlen eine Luftheizung. „Wir wollten wissen, woher diese Skepsis kommt. In Deutschland zum Beispiel ist die Akzeptanz für Luftheizungen im Wohnbau um einiges höher“, sagte Gabriel Rojas, der die Studie gemeinsam mit Rainer Pfluger im Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen an der Uni Innsbruck leitete.

Die Forscher nutzten Computermethoden, um herauszufinden, wie angenehm das Raumklima eines Passivhauses sein kann, wenn man entweder Fußbodenheizung, Heizkörper oder Luftheizung verwendet. „Vor allem für mehrgeschoßigen Wohnbau wird Luftheizung in Österreich bisher selten eingesetzt“, sagt Rojas. Es geht also um Gebäude mit fünf bis 30 Wohneinheiten, auch sie könnten auf das Extraheizsystem verzichten, wenn Luft die Wärme ins Passivhaus bringt.

Daher simulierten die Forscher am Beispiel eines mehrgeschoßigen Wohnhauses die Verläufe der Raum- und Oberflächentemperaturen in einer Wohnung dieser Anlage. „Wir sind von einem echten dreistöckigen Bauprojekt in Vorarlberg ausgegangen: Am Beispiel einer 76-Quadratmeter-Wohnung konnten wir alle möglichen Parameter verändern“, sagt Rojas. Auch das Verhalten der Bewohner floss in die Simulationen ein, etwa ob die Türen zwischen Schlaf- und Wohnzimmer eher geschlossen oder offen sind.

„Es zeigte sich, dass alle drei Heizsysteme eine sehr hohe Behaglichkeit ermöglichen“, sagt Rojas. Dies gilt für den Wohnbereich, wo in der Regel der Temperatursensor für eine Luft- und Fußbodenheizung positioniert wird. Für diese beiden Systeme könnten sich in Schlaf- oder Nebenräumen unter gewissen Umständen und im Fall von geschlossenen Türen zwischen den Räumen leichte Temperaturunterschiede ergeben.

Wenn etwa das Wohnzimmer nach Süden ausgerichtet ist, dort tagsüber die Sonne den Raum mitheizt, kann es im Schlafzimmer etwas kühler bleiben. Heizkörper, die man jeweils am Thermostatventil unterschiedlich stark einstellt, besitzen hier den Vorteil einer separaten Temperaturregelung pro Raum.

 

Wie kann man Kosten sparen?

Pro Wohnung würde der Verzicht auf ein konventionelles Heizsystem jedenfalls die Investition von 800 bis 1100 Euro ersparen, wenn man auf Luftheizung setzt. „Doch man könnte auch die Kosten einer konventionellen Heizung im Passivhaus senken, wenn man die Lage und Größe der Heizkörper anders plant“, weiß Rojas.

Denn die traditionelle Position von Heizkörpern unter dem Fenster, damit die kühleren Außenwände gleich warm wirken wie die Innenwände, ist beim Passivhaus nicht notwendig. Durch die gute Dämmung und hohe Qualität der Fenster eines Passivhauses gibt es nämlich keine unbehaglich kalten Oberflächen, sodass man auch nahe am Fenster die kalte Außenluft nicht spürt. „Daher könnte man kürzere Heizleitungen einplanen und die Heizkörper an Innenwänden, vielleicht nahe am Flur positionieren und auch kleinere Heizkörper wählen, um die Kosten einer konventionellen Heizung im Passivhaus zu senken.“

LEXIKON

Die Luftheizung oder Komfortlüftung wärmt die kühle Außenluft auf dem Weg ins Hausinnere an und verteilt frische Luft im Raum. Der Luftstrom ist so langsam, dass man ihn nicht wie bei einer Klimaanlage direkt spürt, sondern sich die Wärme zusammen mit der Frischluft angenehm im Raum verteilt. Die Luft wird über spezielle Wärmeübertrager energiesparend vorerwärmt: 80 bis 90 Prozent der Wärme der verbrauchten Abluft werden auf die einströmende Außenluft übertragen. Bei Bedarf wird die Zuluft mithilfe des Heizsystems auf maximal 50°C nacherwärmt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2016)

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