26.05.2012 06:33 | Meine Presse Merkliste 0

Biologie: Quirle der Ozeane

29.07.2009 | 18:17 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Quallen und andere Meeresbewohner mischen das Wasser – so stark wie Gezeiten und Winde.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Jeden Morgen steigen im Westen des Ongeim' Tketau – das ist ein Salzwassersee auf der Pazifikinsel Palau – Millionen Quallen aus der Tiefe, sie suchen das erste Sonnenlicht, dann folgen sie ihm den Tag über und schwimmen bis zum östlichen Ufer des Sees, fast, nicht ganz, sie halten dort, wo die Bäume am Ufer Schatten werfen. Ist es dunkel, schwimmen sie wieder zurück nach Westen und dann hinab in die Tiefe, auf etwa 30 Meter. Das Spektakel hat dem See Berühmtheit gebracht – er heißt auch einfach Jellyfish Lake –, bei Touristen und bei Forschern, die zunächst das Verhalten der Quallen erkundeten: Sie suchen am Tag das Licht, weil sie mit Algen vergesellschaftet sind, die auf ihrer Haut wohnen und Fotosynthese betreiben; und sie suchen in der Nacht die Tiefe, weil dort Bakterien für Nahrung sorgen.

All das tun sie seit etwa 12.000 Jahren, damals wurde der See vom Meer abgeschnitten, aber nicht ganz, er ist noch durch Spalten mit ihm verbunden. Und draußen im Meer leben auch Quallen, sie leben ganz ähnlich, auch sie wandern, und natürlich sind sie viel mehr. Das brachte Kakani Katija und John Dabiri – der eine Bioingenieur, der andere Aeronautiker am California Institute of Technology – auf die Idee, die Quallen könnten nicht einfach nur durch das Wasser schwimmen, sondern das Wasser selbst in Bewegung bringen und durchmischen: „Biomixing“.

Die Idee ist nicht neu, vor über hundert Jahren wurde erstmals vermutet, die Ozeane würden nicht nur von Gezeiten und Winden bewegt, sondern auch von den Fischen mit ihren Schwänzen. Das nahm niemand ernst, auch nicht, als 2004 gezeigt wurde, dass Fischschulen Turbulenzen ins Wasser bringen können wie Stürme. Die kämen nicht weit, die Viskosität des Wassers bremse sie rasch ein und wandle sie in Wärme um, rechnete zuletzt 2007 der dänische Meeresökologe Andre Visser vor (Science, 316, S.838). Das mag stimmen, aber Visser hat einen übersehen: Charles Darwin.

 

Charles Darwin, Physiker

Nein, nicht den, sondern einen seiner Enkel, einen Physiker: „Er hat entdeckt, dass ein festes Objekt bei Bewegung durch Wasser Flüssigkeit mit sich zieht“, erklären Katija und Dabiri. Und sie haben es getestet, im Jellyfish Lake, sie haben Wasser um Quallen eingefärbt und sichtbar gemacht, dass es mitgezogen wird, in großen Mengen und über weite Distanzen. Dann spricht nichts dagegen, dass auch andere, kleinere Meeresbewohner das Wasser so durchmischen, Lebewesen des Plankton, die in riesigen Mengen jeden Tag im Meer Hunderte Meter auf und ab wandern, kühles Wasser mit hinaufnehmen, warmes mit hinab. Wie viel? „Signifikant“, schätzen die Forscher: „Sie bringen so viel Energie ins Wasser – eine Trillion Watt – wie Gezeiten und Winde.“(Nature, 460, S.624).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Kolovrat
01.08.2009 05:58
0 0

Meerestiere

sind auch verantwortlich für den Anstieg des CO2 nach Eiszeiten durch die solare Klima-Erwärmung in den Ozeanen.

Mehr Tiere durch wärmeres Wasser produzieren auch mehr CO2 durch mehr Atmung.