Ein Herr der anorganischen Chemie

Kurt Komarek ist im 90. Lebensjahr gestorben.

Viele Jahrgänge von Studenten der Chemie, Biochemie, Pharmazie, aber auch Physik haben seine Vorlesung (wenn auch nicht im Detail) noch im Kopf: Allgemeine Chemie, von Montag bis Freitag, acht bis neun, sine tempore. Wer sein Studium so begann, wusste gleich: Das Studentenleben ist nicht nur heiter. Kurt Komarek, ein Mann von vornehmer Haltung, nervöser Eleganz und zwingender Rhetorik, stets im blütenweißen Labormantel, ließ auch keinen Zweifel daran, dass alle Elemente des Periodensystems ihre Würde und Wichtigkeit haben.

Er selbst konzentrierte sich in seiner Forschung auf Legierungen, vor allem solche, die im flüssigen Zustand noch immer eine merkliche Ordnung zeigen. Solche Systeme, aber auch nicht stöchiometrische (nicht in einfachen Verhältnissen zusammengesetzte) intermetallische Verbindungen untersuchte dann auch die gesamte Forschergruppe im dritten Stock des chemischen Instituts in der Währinger Straße 42.

 

Dekan, Rektor, Präsident

Er leitete nicht nur diese viele Jahre lang, sondern auch (in aufsteigender Reihenfolge) das Institut für Anorganische Chemie, die Philosophische Fakultät und die Universität Wien, dies von 1977 bis 1979, in den Jahren, als sie durch das Universitätsorganisationsgesetz einschneidend verändert wurde, was der Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg etliche verbale Gefechte mit Komarek eintrug.

Von 1982 bis 1991 war er Präsident des Forschungsförderungsfonds, und nicht nur als solcher ein glaubhafter Kämpfer für die Qualität heimischer Wissenschaft. 1994 emeritierte er, doch blieb präsent, wachsam, aktiv. Im Mai war er auf Urlaub in Marokko. Dort starb er, einen Monat vor seinem 90. Geburtstag. Viele, die sich seine Schüler nennen dürfen, werden sich noch lang an ihn erinnern. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2016)

Kommentar zu Artikel:

Ein Herr der anorganischen Chemie

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen