Geologie: Kohlendioxid versteinern?

Das Treibhausgas könnte sehr rasch und in großen Mengen gefahrlos endgelagert werden, darauf deutet ein Experiment in Island.

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(c) APA/AFP/Kevin Krajick/Lamont-Doh

Islands Hauptstadt Reykjavík erhält ihren Strom vom Kraftwerk Hellisheidi, es ist das größte Geothermiekraftwerk der Erde, betreibt seine Turbinen mit Wasser, das heiß aus der Erde schießt, weil es tief unten von Vulkanen erhitzt wird. Sauber ist der so erzeugte Strom doch nicht, auch bei ihm fällt Kohlendioxid (CO2 ) an, das Treibhausgas, das auch bei kalorischen Kraftwerken emittiert anfällt, vor allem bei denen, die Kohle verheizen.

Woher kommt CO2 bei Geothermie? Es ist im Wasser und geht dann in die Luft, zwar in vergleichsweise geringen Mengen – 40.000 Tonnen im Jahr, das sind fünf Prozent dessen, was in einem gleich großen Kohlekraftwerk anfällt –, aber doch. Um nicht klimaschädlich zu werden, sollte CO2 aus solchen Abgasen abgeschieden und irgendwo irgendwie gelagert werden – „carbon capture and sequestration“ (CCS) –, so steht es im Bericht des Uno-Klimabeirats IPCC von 2014: Ohne CCS geht es nicht.

Das Abscheiden ist technisch möglich, das Endlagern schon schwieriger: Bisher setzte man in Experimenten darauf, das CO2 irgendwo tief in die Erde zu pumpen, in alte Salzstöcke etwa. Aber viele fürchten, dass es wieder zurückkehrt, entweder über lange Zeiten oder gar eruptiv, mit davon ausgelösten Erdbeben. Genutzt wird das Verfahren großtechnisch derzeit nur von einer Firma in Nordamerika, dort geht abgeschiedenes CO2 in die Erdölförderung, damit treibt man die letzten Tropfen aus der Erde – und erhält beim Verbrennen wieder CO2.

 

Keine Alchimie: Basalt + CO2 = Karbonat

Bei Hellisheidi versucht man etwas völlig anderes: Auch hier pumpt man CO2 wieder in die Erde, zusammen mit großen Mengen Wasser. Und dann wartet man: Die Erde bzw. das Gestein besteht aus Basalt, in dem mineralisiert CO2 zu Karbonaten, es wird Gestein. Früher vermutete man, dass das Jahrtausende dauert. Aber bei den ersten Tests in Hellisheidi waren nach nicht einmal zwei Jahren 95 Prozent Gestein, man konnte es mit Markern messen, die dem CO2 zugesetzt waren. „Wir können große Mengen CO2 in sehr kurzer Zeit sehr sicher endlagern“, schließt Martin Stute (Columbia University), der an dem Experiment beteiligt war (Science 352 S. 1312).

Allerdings braucht es Basalt – den gibt es nicht überall, wo CO2 produziert wird –, und es braucht Wasser in großen Mengen, 25 Tonnen für jede Tonne CO2. Und es gibt noch ein Risiko: Man hat gerade Bakterien entdeckt – in einer Quelle in Kalifornien –, die sich von Karbonaten ernähren und als Abgas Methan freisetzen, auch ein Treibhausgas.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2016)

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