Vor einigen Jahren hätten sich viele Museen noch als Eventagenturen gesehen, vor vier, fünf Jahren habe sich das aber wieder geändert, sagt der deutsche Museumsexperte Gottfried Korff. „Die Museumsforschung scheint überall einen Aufschwung zu nehmen.“ Gleichzeitig habe sich die Zahl der Museen in letzter Zeit vervielfacht, sie werden stärker denn je öffentlich wahrgenommen. Korff hat dafür eine Erklärung: Das hängt mit dem Abschied vom logozentrischen Zugang, vom Wort hin zum Ding zusammen. Und hier kommt die Forschung ins Spiel: „Der Ausgangspunkt der Museumsarbeit ist die Beschäftigung mit den Dingen selbst.“
Korff ist Beiratsmitglied im Programm „forMuse – Forschung an Museen“, das vom Wissenschaftsministerium gestartet wurde. In der ersten Ausschreibung wurden 82Projekte eingereicht, für zwölf gab es Förderempfehlungen, zwei Millionen Euro Förderungen werden ausgeschüttet. Die „Presse am Sonntag“ hat über den Sommer bereits ausgewählte Projekte vorgestellt – etwa über die Provenienz der 40.000 Skelette im Naturhistorischen Museum oder die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen (www.diepresse.com/museumforscht).
Auffallend ist, dass nur große Organisationen zum Zug kamen: Kunst- und Naturhistorisches sowie Technisches Museum, Akademie der Wissenschaften, Österreichische Nationalbibliothek und Landesmuseum Joanneum. Woran liegt das? „Mittlere und kleine Museen sind bei der Antragstellung nicht so routiniert“, sagt Sabine Haag, Chefin des Kunsthistorischen Museums. In Deutschland sei das ähnlich, ergänzt Korff: „Die kleineren Häuser bleiben auf der Strecke.“
Um das zu ändern, ist eine zweite Ausschreibung von forMuse geplant, die sich ausschließlich an mittlere und kleine Museen richtet. „Wir haben ein Interesse, auch zu entwickeln,“ so Wissenschaftsminister Johannes Hahn.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2009)

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