Zealandia, noch ein Kontinent? Der wievielte?

Neuseeländische Geologen zeigen, dass ihre Heimat keine Insel ist, sondern zu einer Landmasse gehört, deren Großteil im Meer versunken ist. Das macht die Verwirrung um Kontinente noch größer.

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(c) REUTERS

Als Captain Cook am 26. August 1768 von Plymouth aus in See stach, wusste er noch nicht so recht, wozu die Admiralität die Reise finanziert hatte. Das stand in einem versiegelten Brief: Er sollte (unter anderem) Terra Australia Incognita finden, einen Kontinent, den man im Süden des Pazifik vermutete. Er fand ihn nicht, er fand nur Neuseeland, das ist der Stand der Historiker.

„Doch, er hat ihn gefunden, der Kontinent war nur nicht zu sehen“, widersprach vor zehn Jahren Hamish Campbell, Geologe am GNS, dem Erdkundeinstitut Neuseelands: Cook sei nur 100 Millionen Jahre zu spät gekommen, da sei der Großteil des Kontinents – „Zealandia“ – im Meer versunken.

Ja, kann denn ein Kontinent sein, was unter Wasser liegt? Das ist so einfach nicht zu entscheiden, und generell ist nicht klar, was ein Kontinent ist und wie viele es gibt: Die Definition ist locker, sie steckt im Namen, zusammenhängend („continens“) muss eine Landmasse sein. Als die Ägäis noch der Nabel der Welt war, sah man davon drei, Herodot hat es überliefert: Europa, Asien und Libyen (heute: Afrika).

Das war problematisch, Kontinente müssen getrennt sein, durch Meere. Aber zwischen Asien und Libyen ist kein Meer, als Grenze galt der Nil, zwischen Europa und Asien ist immerhin die Meerenge der Dardanellen. Richtig kompliziert wurde die Lage im Zug der Entdeckungen: Ist etwa Amerika ein Kontinent, oder sind Norden und Süden eigene Landmassen, miteinander verbunden, seit der Isthmus von Panama sich schloss? Oder warum gelten Europa und Asien als zwei Kontinente, wo doch nichts sie trennt (man nimmt behelfsweise oft den Ural)?

 

Je nach Zählweise: vier bis sieben

Und warum ist eigentlich Grönland kein Kontinent, wo es so viel kleiner als Australien nicht ist, es hat ein Viertel von dessen Fläche? Inzwischen ist die Lage so verwirrend, dass man je nach Zählweise vier bis sieben Kontinente sieht, die Olympische Flagge etwa hat fünf Ringe – die Antarktis nimmt ja nicht teil –, sonst zählt man eher sieben. Ja, gibt es denn kein objektives Kriterium? Doch, die Landmasse muss wie gesagt zusammenhängen, und das Gestein im Untergrund ist anders als das am Meeresboden, von der Geologie wie von der Dicke her. Belege dafür tragen GNS-Forscher seit 1995 zusammen, nun haben sie den Schlussstein gesetzt, Campbell war mit dabei; sie haben den Meeresboden exakt kartografiert: Es ist eine zusammenhängende Landmasse von fünf Millionen Quadratkilometer, das sind etwa zwei Drittel der Fläche Australiens, aber von diesem ist Zealandia getrennt. Es bildete sich, als der Urkontinent Gondwana vor 100 Millionen Jahren zerbrach, dann sorgte Plattentektonik dafür, dass sich der Boden so ausdünnte, dass fast alles versank, sechs Prozent ragen noch heraus (GSA Today 16. 2.).

„Wenn man einen Stöpsel aus dem Ozean ziehen könnte, hätte man lange schon bemerkt, dass Zealandia ein Kontinent ist“, schließt Erstautor Nick Mortimer. Ob er die weltweiten Kollegen überzeugt? Es gibt keine Körperschaft, die festlegt, was ein Kontinent ist. Am Himmel ist das ganz anders, da wird offiziell etwa auf den Planetenthron gehoben, oder von ihm herab: Pluto.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2017)

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