Pestizide: Auch Regenwürmer sind betroffen

Saatgutbeize beeinträchtigt die Bodenorganismen.

Derzeit bringen die Landwirte die Saat des Sommerweizens auf den Feldern aus, im Mai folgt dann die nächste größere Aussaat, jener von Mais. Und in beiden Fällen ist – meist prophylaktisch – großteils die Beimischung von Pestiziden zum Saatgut üblich. An der Boku Wien wurden nun die Folgen für die landwirtschaftlichen Böden unter die Lupe genommen – und das mit der ernüchternden Feststellung: Die Saatgutbeizung trägt nicht nur zum Bienensterben bei, auch die Bodenorganismen werden beeinträchtigt. Das belegen zwei voneinander unabhängig eingeleitete Studien.

„Nach einmaliger Saatgutbeizung wurde die Aktivität der Springschwänze und Bodenmikroorganismen erhöht“, sagt Studienleiter Johann Zaller. Die bis zu 15 Millimeter großen Springschwänze kommen dank dieser „Aktivität“ an die Oberfläche und können nicht im Humus wirken, so der Zoologe.


Langfristige Schäden

Eine zweite Beize reduziert hingegen die Aktivität der Regenwürmer, was ebenso die Humusqualität beeinträchtigt. Als wichtiges Ergebnis der Studien sieht man eine Verstärkung der für Mikroorganismen negativen Wirkung durch die durchaus übliche Beimengung von Glyphosat-Herbizide zur Beizung. Für die Zulassung dieser Pestizide wurde eine solche Kreuzwirkung gar nicht getestet.

Johann Zaller weist darauf hin, dass sich die Pestizide zudem durch jährliche Anwendungen im Boden ansammeln und dort langfristig wirken können. Die früher praktizierte Bekämpfung der Pflanzenschädlinge durch das Tränken in Pflanzenjauchen ist heute nicht mehr üblich, auch deswegen, weil die Landwirte nicht mehr über derartige Jauchen verfügen. Gerade der Hobbygärtner praktiziert dies noch mit einer Brennnesseljauche. (ewi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2017)

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