Ein Elefant merkt, wenn er sich im Weg steht

Haben Tiere ein Gefühl dafür, dass und wer sie sind? Menschen lernen es früh, Elefanten können es auch.

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Symbolbild: Elefant – APA/TIERGARTEN SCHÖNBRUNN/NORBER

Für uns ist es ganz normal, dass wir wissen, wer wir sind und wie wir aussehen, man muss nur in den Spiegel schauen, dann erkennt man sich. Dass das bei manchen Tieren auch so ist, bemerkte Darwin 1838 im Zoo in London, dort drückte er zwei Orang Utans einen Spiegel in die Hände, den Rest notierte er im Tagebuch: „Sie waren überaus erstaunt und sahen aus allen Richtungen hinein, sie stülpten die Lippen vor wie beim Küssen, sie machten Gesichter.“ Offenbar wussten sie, wer ihnen da entgegenblickte. Damit sind sie eher Ausnahmen: In den 70er Jahren etablierte der Psychologe Gordon Gallup den Spiegel-Test: Ihn bestanden lange nur die Großen Affen, später kamen Delfine dazu und Krähen, schließlich auch Elefanten.

Aber dieser Test wurde auch kritisiert, weil es in der Natur so viele Spiegel nicht gibt – sieht man von den Wasserstellen ab –, und weil für viele Tiere das Auge nicht der vorrangige Sinn ist. Wie soll man dann herausfinden, ob einer weiß, wer er ist und wo er ist? Psychologen haben für Kinder einen Test entwickelt, bei dem sie auf einem Teppich stehen und einen Wagen schieben sollen. Aber der ist mit einer Schnur am Teppich fixiert, man kann ihn nur bewegen, wenn man vom Teppich herunter geht und sich daneben stellt.

Man muss sich Platz machen!

Kinder lernen das mit 18 Monaten. Und Elefanten können es auch: Joshua Plotnik (Cambridge) und Rachel Dale (VetMed Wien) sind nach Thailand gereist und haben zwölf Elefanten getestet, die für gewöhnlich Touristen spazieren tragen. Sie wurden auf einen Teppich gestellt und sollten ihren Mahouts einen Stock überreichen, aber wie der Wagen bei den Kindern hing der an einer Schnurr am Teppich. Die Tiere begriffen sehr schnell: In 48 Durchgängen gingen sie 42 Mal von der Matte. War die in Kontrollexperimenten nicht mit dem Stock verknüpft, taten sie das nun Überflüssige nur drei Mal (Scientific Reports 12. 4.).

„Das ist ein scheinbar einfacher Test, aber seine Implikationen gehen weit“, schließt Plotnik: „Die Elefanten haben verstanden, dass ihre Körper ihnen im Weg standen, deshalb gingen sie zur Seite. Das impliziert, dass sie sich selbst von Objekten in ihrer Umgebung unterscheiden können.“

Ein Elefant beim Test.
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Ein Elefant beim Test.
Ein Elefant beim Test. – Joshua Plotnik

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2017)

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