Den Strom dort bekommen, wo man parkt

Heimische Start-ups entwickeln neue Ansätze, damit Haushaltskunden den Überblick über ihren Energieverbrauch behalten und Energiehändler ihre Ressourcen besser planen können.

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Stromleitungen – APA/dpa/Daniel Reinhardt

Kaum hat man sich nach den neuesten Technologien bei Fotovoltaik und Solarenergie erkundigt, kommt schon eine modernere Technik auf den Markt. Zudem gab es in den vergangenen Jahren einen großen Technologiesprung im digitalen Bereich: Das Internet der Dinge vernetzt Gegenstände untereinander und mit dem Nutzer. Wie soll man da mithalten, wenn man gerade ein Haus plant und es modern ausrüsten will?

Das junge niederösterreichische Unternehmen Avantsmart bietet Kunden einen Überblick über Neuheiten aus Forschung und Entwicklung und entwickelt Geschäftsmodelle für den Energiemarkt der Zukunft. Die Gründerin, Hemma Bieser, die Technische Physik an der TU Wien studiert hat, wurde für April 2017 zur FEMtech-Expertin des Monats gekürt.

Mit dieser Initiative macht das Technologieministerium seit 2005 auf Frauen im Forschungs- und Technologiebereich aufmerksam. „Wir arbeiten an der Schnittstelle von Forschung und Innovation, damit eine Technologie sich auf dem Markt durchsetzen kann“, sagt Bieser. „In Österreich haben wir eine hohe Forschungskompetenz in den Universitäten und Technologieunternehmen“, betont sie. Diese neuesten Hardware-Komponenten von Fotovoltaik- und Solarmodulen, über Stromspeicher bis zu Elektromobilität werden über Internetplattformen und das Internet der Dinge immer besser vernetzbar. „Daraus ergeben sich neue Geschäftsmodelle. Avantsmart hilft jungen Start-ups und etablierten Playern, solche zu entwickeln“, sagt Bieser.

 

Lösungen für jeden Einzelnen

Als Beispiel nennt sie die steirische Meo Energy: Das Start-up vernetzt für Einfamilienhäuser die einzelnen Komponenten wie Solar- und Fotovoltaikanlage, Stromspeicher, oder die Pumpe im Swimmingpool über einen intelligenten Algorithmus, sodass man den gesamten Energieverbrauch im Haus über eine App steuern kann. Oder das Smart Energy Management des Wiener Start-ups Twingz, das für Haushaltskunden den Energieverbrauch in Echtzeit aufzeichnet: So wird sichtbar, welche Aktivität wie viel Strom verbraucht und wo man gut Energie sparen kann. „Bisher hat kein Energiehändler zeitlich gut aufgelöste Daten über den Energieverbrauch der Kunden. Mit diesem Algorithmus können Energiehändler Vorhersagen treffen, zu welcher Zeit sie wie viel Strom oder Energie zukaufen müssen.“

Zudem engagiert sich Bieser für eine Sache, die in Deutschland Mieterstrommodell heißt und bei uns Solarstrom für Mehrfamilienhäuser. „Bisher braucht man, wenn man eine Fotovoltaikanlage haben will, selbst ein Haus, ein Dach oder ein Grundstück. Doch es soll bald möglich sein, dass auch Menschen, die in der Stadt leben, zum Beispiel in Mietwohnungen, eigene Solaranlagen besitzen können“, sagt Bieser.

Die Entscheidung für diese neuen Regelungen liegt nun bei der Politik. Wenn die Vorschläge angenommen werden, können Mieter in Stadtwohnungen und Zinshäusern in Zukunft auch hierzulande Solaranlagen errichten und sich einen Kostenvorteil verschaffen, da man den eigenen Solarstrom nutzt und nicht von schwankenden Strompreisen abhängig ist. „Der Stromverbrauch der Bevölkerung wird weiter steigen, wenn mehr Elektroautos und Elektrobusse genutzt werden. Uns ist wichtig, dass die Menschen den Strom dort bekommen, wo sie leben und wo die Autos parken“, sagt Bieser. [ Foto: Ringhofer/Avantsmart ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2017)

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