In der Türkei leben zwei Kinder, die auch bei Lungenentzündung nur schwaches Fieber bekommen, das macht sie für die Forschung interessant, eine Italienerin analysierte die Gene und fand eine Mutation bei einem namens Rankl. Als sie den Befund bei einem Meeting referierte, saß dort zufällig Josef Penninger, Chef des Instituts für Molekulare Biotechnologie (Imba) in Wien. Der kannte die Mutation, er hatte 1999 an Mäusen bemerkt, dass Rankl bzw. sein Protein ein zentraler Spieler beim Knochenbau ist.
Dabei müssen sich Auf- und Abbau immer im Gleichgewicht halten, für den Abbau sorgen besondere Blutzellen (Osteoklasten). Für sie ist Rankl zuständig: Ist das Gen mutiert, werden Knochen nicht abgebaut. Aus diesem Befund Penningers wurde inzwischen ein Medikament gegen den Knochenschwund Osteoporose entwickelt – ein Antikörper, der Rankl blockiert –, die klinischen Tests wurden diesen Sommer abgeschlossen. Aber Rankl sorgt nicht nur direkt für die Knochen, sondern auch indirekt, das Gen wirkt bei der Produktion der Milch in der Brustdrüse mit, es bringt auf diesem Weg Kalzium aus abgebauten Knochen der Mutter in den Körper des Säuglings, der baut damit Knochen auf.
Im Hirn macht Rankl Fieber
Beides – Osteoporose im Alter und Milchproduktion in der Jugend – impliziert, dass die Aktivität von Rankl von Sexualhormonen gesteuert wird. Und das nicht nur in der Peripherie des Körpers, sondern auch in der Zentrale, das ist Penningers bzw. Rankl jüngste Überraschung: Als die Forscher das Protein in Gehirne von Ratten spritzten, „bekamen sie sehr hohes Fieber, man merkte es schon beim Angreifen der Tiere“.
Und als die Forscher das Gen in Mäusehirnen ausschalteten, bekamen die Mäuse kein Fieber mehr, alle Mäuse, auch die Männchen. Bei den Weibchen kam noch etwas dazu: Bei ihnen ändert Rankl auch die ganz normale Körpertemperatur, und das unter (zumindest teilweiser) Steuerung durch Sexualhormone. „Rankl ist schon durch den Kalziumtransfer von Müttern auf Säuglinge mit der Reproduktion verbunden“, geht der Forscher von den Fakten zur Spekulation: „Vielleicht ist es auch durch die Körpertemperatur der Frauen mit der Reproduktion verbunden.“
Da käme viel zusammen, aber Penninger hat Gespür, und etwas Glück gehört schon auch dazu: Die türkischen Kinder, auf die der Meeting-Zufall Penninger brachte, zeigen einen Einfluss von Rankl auf die Körpertemperatur auch bei Menschen (Nature, 462, S.505). jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2009)

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