Griechen kamen aus Anatolien

Paläo-Genanalysen von Minoern und Mykenern deuten auf eine Abstammung von den Erfindern der Landwirtschaft.

Woher sie kamen, liegt ebenso im Dunkeln wie warum sie verschwanden, die ersten beiden Hochkulturen Europas, die der Minoer und der Mykener. Kreta, die Hauptinsel der Minoer, wurde vor 9000 Jahren von Menschen besiedelt – es gibt allerdings auch viel ältere Steinwerkzeuge auf der Insel, deren Machart stark auf Neandertaler deutet –, ab 2600 v. Chr. wurden die ersten Paläste hochgezogen. Die Pracht hielt fast tausend Jahre, dann gingen die Minoer unter, langsam, möglicherweise weil auf ihrer weit entfernten Außenstelle, der Insel Thera – heute: Santorin – ein Vulkan ausgebrochen bzw. teilweise ins Meer gestürzt war und der Tsunami die Küsten Kretas überflutete.

Aber man weiß es nicht, auch deshalb, weil die Kreter zwar gleich zwei Schriften hatten, man beide aber bisher nicht entziffern konnte: Die eine, ältere, besteht aus Hieroglyphen, deshalb vermutete man lange, die Siedler seien aus Ägypten gekommen, aber dann schlossen Gentests eine solche Herkunft aus. Was in der anderen Schrift (Linear A) aufgezeichnet ist, kann man auch nur ein wenig erschließen, aus Vergleichen mit Linear B, die vermutlich aus A später von den Mykenern entwickelt wurde.

Deutlichere Winke auf die Lebensweise bieten Wandmalereien: Die der Minoer zeigen ein eher friedliches Volk, die der Mykener eines in vielen Kriegen, den längsten hat Homer überliefert. Sonst weiß man von diesen Bildern noch, dass Minoer und Mykener einander ähnlich sahen, sie hatten braune Haare und braune Augen.

Aber wo hatten sie die her? Von den gleichen Ahnen oder von verschiedenen? Weithin von den gleichen, von Anatoliern, die vor 9000 Jahren eingewandert waren und ihre Erfindung – die Landwirtschaft – mitgebracht hatten. Das zeigt ein Genvergleich von zehn Minoern, vier Mykenern und heutigen Griechen, den eine Gruppe um Josif Lazaridis (Harvard) durchgeführt hat, zu der auch Ron Pinhasi (Uni Wien) gehörte: Drei Viertel der Gene der Minoer und Mykener stammten von Anatoliern und wurden an die heutigen Griechen weitergereicht, zusammen mit einem kleineren Teil aus dem Mittleren Osten, Armenien und dem Iran.

 

Woher kam nur das Indoeuropäische?

Zu den Mykenern trug dann noch eine kleine Einwanderung bei, die von Jamnaja, Steppenvölkern vom Nordostrand des Schwarzen Meers. Die zogen vor 6000 bis 5000 Jahren los, nach ganz Europa, Kreta erreichten sie nicht, und in Griechenland blieben nur wenige, zum Genpool trugen sie zwei, drei Prozent bei (Nature 2. 8.). Das allerdings bringt wieder ein neues Problem: Man vermutet, dass die indoeuropäischen Sprachen mit den Jamnaja kamen. Aber die griechische ist auch eine, die Wurzeln der indoeuropäischen müssen doch tiefer liegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2017)

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