Frösche mit Sender in der „Unterhose“

Pfeilgiftfrösche bringen ihre Babys direkt zum Wasser.

Der südamerikanische Pfeilgiftfrosch Allobates femoralis wird von Wiener Forschern seit Jahren beobachtet. In Forschungsstationen in Französisch-Guyana im tiefsten Regenwald erforschen sie die nur zwei Zentimeter kleinen Frösche. Bereits bekannt ist, dass Männchen sich an der Brutpflege beteiligen: Sie tragen die frisch geschlüpften Kaulquappen auf dem Rücken huckepack aus dem feuchten Laub zu kleinen Wasserstellen, wo die Kaulquappen zu Fröschen heranwachsen. Solche Wasserstellen sind aber im unstrukturierten Regenwald kaum zu entdecken: Schon als Mensch findet man die Positionen solcher Lacken schwer wieder.

Die Forscher wollten nun wissen, wie sich der winzige Frosch auf dem Boden des Waldes orientiert, um die Wasserstellen zu finden, in denen er seine Jungen absetzen kann.


Landkarte im Gehirn

Kristina Beck vom Department für Kognitionsbiologie der Uni Wien bastelte Miniatursender, die sie den Froschmännchen wie eine Unterhose um die Hüften anlegte. Über die Trackingdaten der Sender wollte sie überprüfen, ob die Frösche auf dem Weg von und zu den schon bekannten Wasserstellen gleich Ausschau nach neuen Lacken für ihre Babys halten.

Dem ist aber nicht so: Die Wege der Froschmännchen gehen schnurstracks vom Gelege zu Stellen, die sich Frösche eventuell schon seit der Jugend als Wasserpool gemerkt haben. Entfernten die Forscher manche Pools, gingen die Frösche mehrmals wieder mit den Kaulquappen auf dem Rücken zu den nun trockenen Flecken.

Jetzt weiß man also, dass die Frösche in ihrem Gehirn eine Landkarte des Territoriums abgespeichert haben. Die Frage, wie die Männchen neue Wasserstellen finden, ist aber weiterhin ungelöst. (APA/vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2017)

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