Quantenphysik: Erstes Gespräch über Satellit

Von Wien nach Peking über Quantenvideotelefonat.

Anton Zeillinger beim ersten Live-Experiment.
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Anton Zeillinger beim ersten Live-Experiment.
Anton Zeillinger beim ersten Live-Experiment. – (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

Weltpremiere in Wien und Peking: Über zwei Kontinente führten am Freitag die Präsidenten der Akademien der Wissenschaften von Österreich und China, Anton Zeilinger und Chunli Bai, ein Live-Experiment aus. Dabei gelang ihnen mit Hilfe des chinesischen Satelliten Micius die erste, durch Quantenphysik verschlüsselte Videokonferenz.

Anton Zeilinger, Quantenphysiker an der Uni Wien, leitetet die Kooperation mit China 2010 ein. Das chinesische Projekt „Quantum Experiments at Space Scale“ (QUESSl) leitet Pan Jian-Wei, der bei Zeilinger an der Uni Wien promoviert hat. China hat damals den Bau des ersten Quantenkommunikationssatelliten beschlossen, der den Namen Micius erhielt und 2016 ins All befördert wurde.

 

Totale Verschlüsselung

Durch die Quantenverschlüsselung ist die Abhörsicherheit des Videotelefonats so gut wie absolut gewährleistet – es sei mindestens eine Million Mal höher als bei konventionellen Methoden der Verschlüsselung, wie Zeilinger ausführte. Im Zuge der Verbindung wurden am Freitag verschlüsselt auch Bilder ausgetauscht, jenes des Physikers Erwin Schrödinger von Wien nach Peking, jenes des chinesischen Philosophen Micius in die Gegenrichtung.

Der in rund 500 Kilometer Höhe kreisende chinesische Satellit schickt Lichtteilchen, die sogenannten Photonen, zu Bodenstationen in China und Europa, darunter auch zur „Satellite Laser Ranging Station“ am Observatorium Lustbühel bei Graz. Durch die orbitale Relaisstation werden die auf der Erdoberfläche bestehenden Einschränkungen in der Quantenkommunikation umgangen.

Sollte jemand versuchen, die zwischen dem Satelliten und der Bodenstation ausgetauschten Photone abzufangen, dann verändert der Eingriff den quantenphysikalischen Zustand der Teilchen. Ein derartiger Lauschangriffwird sofort publik.

Mit dem gelungenen Experiment „rückt ein weltweites und sicheres Quanteninternet einen großen Schritt näher“, sagt Zeilinger. (APA/ewi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2017)

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