Dem Winterblues mit Himmelblau entgegentreten

Der erste Innovationspreis für ein Start-up ging an Pocket Sky aus Wien.

Viele leiden im Winter an Lichtmangel – der Lichtbogen soll helfen.
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Viele leiden im Winter an Lichtmangel – der Lichtbogen soll helfen.
Viele leiden im Winter an Lichtmangel – der Lichtbogen soll helfen. – (c) Pocket Sky

Die Zeitumstellung steht uns zwar erst Ende Oktober bevor, doch schon jetzt werden die Abende empfindlich kürzer. Viele Menschen leiden unter der früher einsetzenden Dunkelheit. „Wir waren selbst Betroffene“, sagt Michael Geyer, einer der beiden Gründer von Pocket Sky.

Das Start-up hat einen elastischen Lichtbogen entwickelt, der extrem leicht ist und auf der Stirn getragen werden kann. Vergangene Woche wurde es dafür mit dem erstmals vergebenen Start-up-Preis von Austrian Cooperative Research (ACR), unterstützt vom Austria Wirtschaftsservice (aws), ausgezeichnet.

Nicht nur der Winterblues, so die Entwickler, auch durch Jetlag oder Schichtarbeit hervorgerufener Lichtmangel kann durch die Bestrahlung mit hohem Blauanteil ausgeglichen werden. „Es gibt Geräte, die das schon jetzt tun, aber die sind entweder stationär oder unkomfortabel zu tragen“, so Mark Wallerberger, der zweite Gründer von Pocket Sky. Der Lichtbogen ist dezent; Brillenträger können ihn über die Brille aufsetzen. Trage man das Gerät 15 bis 20 Minuten auf der Stirn, sei der Anspruch an Melatonin gesättigt – dieses Hormon regelt den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers.

Wesentlich zur Entwicklung beigetragen hat OFI, ein Institut für Werkstoffanwendungen. Der Bügel von Pocket Sky sollte schließlich dauerhaft elastisch bleiben, damit der faltbare Bogen immer wieder seine Ausgangsform annimmt, ohne dass er sich dabei verformt. Vier Werkstoffe kamen in die engere Auswahl und wurden in Bezug auf ihre Steifigkeit, Dehngrenzen, Dauerelastizität und Relaxationsverhalten getestet.

Das perfekte Material wurde schließlich gefunden, der Lichtbogen ist in dieser Ausführung nun nur etwa zehn Gramm schwer. 56 integrierte Leuchtdioden strahlen blaues Licht ab, das in seiner Lichtfarbe dem natürlichen Himmelsblau entspricht. Das Licht wird nicht abrupt ein- oder ausgeschaltet – die RGB-LEDs simulieren einen Sonnenauf- bzw. -untergang. Im Etui des Geräts ist ein Akku eingebaut, der es nach dem Gebrauch gleich wieder auflädt.

 

Ab Jänner 2018 am Markt

Wer Interesse an Pocket Sky hat, muss sich aber noch gedulden: „Für diese Saison sind wir etwas zu spät, aber Jänner ist unser ambitioniertes Ziel“, um die Lichtbogen auf den Markt zu bringen, so Wallerberg. Kosten soll das Gerät „unter 200 Euro“, es wird vollständig in Österreich hergestellt.

Dabei sind Pocket Sky nicht die einzigen Gewinner der diesjährigen ACR-Preise: Die drei für Kooperation ausgeschriebenen Auszeichnungen gingen an „Window Air“, ein Verbundfenster mit Belüftungsfunktion, entwickelt von der burgenländischen Firma Katzbeck mit der Holzforschung Austria; an ein Trinksystem, das Sirup und Wasser erst beim Öffnen der Flasche mischt, von Move Products und ebenfalls dem Werkstoffprüfer OFI; sowie Fassadenelemente, in die bereits die gesamte Gebäudetechnik integriert ist, entwickelt von Kulmer Holz-Leimbau und AEE-Intec, Institut für Nachhaltige Technologien.

Der Woman-Award der Veranstaltung ging in diesem Jahr an die Physikerin Evelin Fisslthaler für ihre Führungsrolle im Projekt „Quantitative Analyse innerer Grenzflächen“, bei dem Materialien an ihren Kontaktstellen zu anderen Materialien analysiert und charakterisiert wurden.

LEXIKON

Austrian Cooperative Research ist ein Netzwerk von außeruniversitären Forschungsinstituten, zum Beispiel der Holzforschung Austria, des Industriewissenschaftlichen Instituts oder der Lebensmittelversuchsanstalt. Innerhalb des Netzwerks wird in Zusammenarbeit mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen angewandte Forschung und Entwicklung betrieben – und so eben auch kleineren Betrieben innovatives Arbeiten ermöglicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2017)

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