Geklärt: Freude von Frauen an Generosität

Das geschlechtsspezifisch sozialere Verhalten wird erst in der Erziehung und dann im Gehirn belohnt.

Kommt es von der Natur oder der Kultur, dass Frauen großzügiger sind? Sie sind es, sie denken und handeln auch sonst mehr im Sinne der Gemeinschaft, altruistischer und egalitärer. Und eben großzügiger, das haben einige von ihnen gerade wieder im Psychologenlabor von Alexander Soutschek (Uni Zürich) gezeigt. Da erhielten sie und männliche Testpersonen Geld, 15 Franken, und hatten zwei Optionen: Sie konnten entweder die ganze Summe behalten oder die Hälfte an eine andere Person weiterreichen. Männer tendierten zu Ersterem, Frauen zu Letzterem, und beide hatte das gleiche Vergnügen an ihren Entscheidungen.

Das konnten die Forscher sehen, weil die Testpersonen in Computertomografen lagen: In den Gehirnen beider Geschlechter wurde die gleiche Region aktiv, das Striatum, in dem geht es um Bewertung und Belohnung. Und bei der spielt zentral ein Neurotransmitter mit: Dopamin. Als man diesen Transmitter bzw. seine Rezeptoren pharmakologisch blockierte, drehte sich alles um, die Entscheidungen der Frauen wurden selbstsüchtiger, die der Männer generöser (Nature Human Behaviour 9. 10.).

„Die Gehirne von Frauen und Männern verarbeiten Großzügigkeit auf pharmakologischer Ebene anders“, schließt Soutschek. Er ist sicher, dass hinter der Großzügigkeit der Frauen nicht die Natur steht, sondern die geschlechtsspezifische Erziehung: „Empirische Studien haben gezeigt, dass Mädchen für prosoziales Verhalten gelobt werden.“ Das lässt im Gehirn das Dopamin strömen, so belohnen Frauen sich für ihre Generosität. (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2017)

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