Auch Hunde kommunizieren mit Gesichtsausdrücken

Verhaltensforschung. Sie produzieren vor allem eine Miene, die an Zuzwinkern erinnert, häufiger, wenn Menschen ihnen zusehen.

Was will der Hund uns mit diesem Gesichtsausdruck („inner brow raiser“) sagen?
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Was will der Hund uns mit diesem Gesichtsausdruck („inner brow raiser“) sagen?
Was will der Hund uns mit diesem Gesichtsausdruck („inner brow raiser“) sagen? – (c) REUTERS (Darren Staples) University of Portsmouth

Wir Menschen kommunizieren nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten und Mienen. Diese können wir absichtlich produzieren – und sogar unsere Mitmenschen mit „aufgesetzten“ Gesichtsausdrücken täuschen. Wir lesen auch aus der Mimik von Tieren, versuchen es zumindest; dass das bei Bären so schlecht geht, macht diese so unberechenbar; dass Katzen so oft grantig dreinzuschauen scheinen, führen Hundehalter gern an, wenn sie ihre Vorliebe für die Caniden begründen.

Aber ist deren Mimik willentlich? Will der Hund mit seinen Gesichtsausdrücken kommunizieren, oder sind sie nur unflexible Äußerungen seiner Gefühlszustände? Hängen sie davon ab, ob ihm jemand zusieht? Britische Forscher um Juliane Kaminski (University of Portsmouth) untersuchten das in einem Experiment an 24 Hunden verschiedenster Rassen, deren Mimik sie auf Video aufnahmen und auswerteten. Die Experimentatorin blickte die Hunde entweder an oder kehrte ihnen den Rücken zu, sie hielt Futter in den Händen (im zweiten Fall hinter ihrem Rücken) oder nicht. Ergebnis: Die Hunde zeigten deutlich mehr Mimik, wenn die Experimentatorin sie ansah; ob sie ihnen Futter offerierte oder nicht, beeinflusste zwar die Erregung der Tiere, nicht aber ihre Gesichtsausdrücke (Scientific Reports, 19. 10.).

Die Hunde zeigten vor allem zwei Gesichtsausdrücke vermehrt, wenn ihnen die menschliche Bezugsperson zusah: einen, bei dem die Zunge leicht sichtbar wird; einen, bei dem sie die innere Region über dem Auge anheben („inner brow raiser“). Vor allem dieser Blick, der etwas Treuherziges hat, an das Zuzwinkern von Menschen erinnert, dürfte in der Domestikation und Selektion der Hunde wichtig gewesen sein, meinen die Forscher: Er ähnle dem Blick, mit dem wir Traurigkeit ausdrücken, und verstärke damit die Empathie von Menschen für Hunde, die so dreinschauen können. Dazu lasse er die Augen größer wirken, was dem Kindchenschema entspreche. Offen sei freilich, ob solche Mimik aus einem wirklichen Verständnis des Innenlebens des (diesfalls menschlichen) Gegenübers kommt oder ob sie eher eine erlernte oder gar angeborene Reaktion auf den Anblick von dessen Gesicht ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2017)

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